S-Bahn-Verkehr : Schleichfahrt – weil die Bahn Auflagen ignoriert

Die Gleisüberwachung für Lärmschutz wurde auf der S-Bahn-Strecke zwischen Lichterfelde-Süd und Teltow nicht eingehalten. Die Aufsichtsbehörde droht mit einem neuen Genehmigungsverfahren.

Klaus Kurpjuweit
Teltow
Schleichweg: Nur 60 km/h dürfen die S-Bahnen auf der im Februar 2005 eröffneten Teilstrecke fahren.Foto: Manfred Thomas

Probleme für die Bahn: Im neuen Lärmkatalog, den der Senat nach EU-Vorgaben aufstellen muss, gehört die Bahn zu den Hauptverursachern beim Krach. An vielen Stellen in der Stadt fordern Anwohner einen besseren Schutz vor dem Lärm. Doch selbst, wo dies einfach möglich wäre, bleibt der Konzern häufig untätig. Bei der S-Bahn ignoriert die Bahn sogar seit mehr als einem Jahr eine Anordnung ihrer Aufsichtsbehörde, Gleise zu schleifen, um Fahrtgeräusche zu verringern. Die Aufsichtsbehörde hat bereits damit gedroht, ein neues Genehmigungsverfahren für die Strecke nach Teltow einzuleiten.

In der Genehmigung für den Bau der 2005 eröffneten Strecke von Lichterfelde Süd nach Teltow hatte das Eisenbahn-Bundesamt festgelegt, dass das Gleis besonders gepflegt werden muss, um dem Lärm zu minimieren. Der Abschnitt des „besonders überwachten Gleises“ sei von der Netz AG der Bahn aber nicht wie vorgeschrieben kontrolliert und instand gehalten worden, sagte die Sprecherin des Bundesamtes, Bettina Baader. Das Amt hat deshalb angeordnet, dass die S-Bahnen in diesem Bereich ihre Geschwindigkeit auf 60 km/h reduzieren müssen. Zugelassen hatte man die Strecke für Tempo 100.

Sollte die Bahn AG die Auflage weiter ignorieren, müsse das Genehmigungsverfahren ergänzt und andere Lärmschutzmaßnahmen müssten vorgenommen werden. Darauf habe das Eisenbahn-Bundesamt die Bahn AG auch bereits hingewiesen. Passiert ist trotzdem bisher nichts.

Erst auf Anfrage des Tagesspiegels sicherte ein Sprecher jetzt zu, dass die Gleise „umgehend“ in Ordnung gebracht werden sollen. Eine Erklärung, warum die Anordnung der Aufsichtsbehörde mehr als ein Jahr lang nicht befolgt worden ist, hatte auch der Sprecher nicht. Auf den Fahrplan der S-Bahn habe sich das vorgeschriebene Abbremsen auf 60 km/h nicht ausgewirkt.

Durch die „besonders überwachten Gleise“, die intensiver gepflegt werden müssen, vermeidet die Bahn oft den Bau von Lärmschutzwänden. Auch die Stadtbahn zwischen Charlottenburg und Ostbahnhof ist als besonders überwachte Anlage eingestuft. Dort war es städtebaulich nicht möglich, auf dem Viadukt eine Lärmschutzwand zu bauen. Auch hier klagen Anwohner über den Krach. Weil die Brücke an der Claudiusstraße im Hansaviertel besonders laut sei, haben Anwohner sogar eine Bürgerinitiative gegründet (www.leisegleise.de). Ein Bahn-Sprecher erklärte auf Anfrage, an dem Bauwerk gebe es keine Mängel.

Unstrittig ist dagegen, dass Anwohner in Wannsee unter dem Krach der dortigen Autoverladestation leiden. Die Verärgerung sei verständlich, hat die Bahn Anwohnern der Nibelungenstraße bereits 2002 mitgeteilt. „Spürbare Abhilfe“ könnten aber nur gekapselte Transportwagen schaffen. Wann solche Waggons eingesetzt werden könnten, ließ die Bahn offen – bis heute. Zusätzlich zum Krach von den Verladeklappen der alten Waggons müssen Anwohner hier auch noch die lauten Durchsagen beim Verladen der Autos ertragen.

Leiser könnten stadtweit auch die S-Bahnen werden. Schienenfahrzeugexperten der Technischen Universität haben eine Lösung entwickelt, wie der Lärm von den Drehgestellen reduziert werden kann. Auf einen Einbau an den Zügen verzichtet die S-Bahn aber. Zu teuer, heißt es dort. Der Krach geht weiter.

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