Berlin : S-Bahn: Weitere Bahnhöfe werden personalfrei

Klaus Kurpjuweit

Die S-Bahn zieht von weiteren Bahnhöfen Personal ab, obwohl die aufgestellten Notrufsäulen bis heute nicht funktionieren. Eine Gefährdung für die Fahrgäste sieht S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz dadurch nicht.

Anders als die BVG, die ihre U-Bahnhöfe personalfrei gemacht hatte, warb die S-Bahn bisher stets mit ihren personalbesetzen Bahnhöfen.

Die Richtlinie ist klar: Mehr Personal als heute für Aufsichten auf den Bahnsteigen wird es nicht geben, obwohl in den nächsten Jahren noch weitere Bahnhöfe (wieder-) eröffnet werden. Auch in der Vergangenheit hatte die S-Bahn nach Stationseröffnungen mit Personal-Umsetzungen von Bahnhof zu Bahnhof reagiert.

Personalfrei werden sollen jetzt auf der Linie S 2 die Bahnhöfe Attilastraße und Schichauweg in Tempelhof sowie eingeschränkt auch die Endstation Blankenfelde. Dort wird der Bahnsteig aus dem Fahrkartenverkaufsschalter, der unterhalb der Gleisanlagen liegt, per Kamera überwacht - so lange der Schalter geöffnet ist.

Während die BVG nach dem Abzug ihrer Zugabfertiger von den Bahnsteigen Informations- und Notrufsäulen installierte, muss die S-Bahn hier bis heute passen. Auch sie hat zwar schon vor Jahren Notrufsäulen aufgestellt, sie erhielten bisher aber keine Betriebsgenehmigung durch das aufsichtsführende Eisenbahnbundesamt, weil es unter anderem keine getrennten Sprechstellen für Fragen nach Informationen und für Notrufe gebe.

Nach Angaben von S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz sollen jetzt noch in diesem Halbjahr zunächst 20 verbesserte Informations-und Hilferufsäulen aufgestellt werden. Bis 2003 sollen dann fast alle 163 Bahnhöfe damit ausgestattet sein. Jede Säule koste etwa 10 000 Mark.

Priegnitz versicherte aber, dass das Aufstellen der neuen Säulen nicht dazu führe, dass alle Bahnhöfe personalfrei werden. "Wir können es uns aber auch nicht leisten, alle Stationen zu besetzen", sagte er. Der Fahrgastverband IGEB akzeptierte nach Angaben seines stellvertretenden Vorsitzenden Christfried Tschepe zwar "zähneknirschend", dass auf Bahnhöfen mit mehreren Bahnsteigen - wie etwa Grunewald oder Nikolassee - Personal nur auf einem Bahnsteig präsent ist, den Abzug von Mitarbeiten von Bahnhöfen wie Attilastraße oder Schichauweg lehne die IGEB aber ab.

"Sicherheit lässt sich nicht in Preise fassen", sagte Tschepe. Auch wenn auf den Bahnhöfen verhältnismäßig wenig passiere, wie die S-Bahn argumentiert, verbessere die Anwesenheit von Mitarbeitern das subjektive Sicherheitsgefühl der Fahrgäste. Zudem sei der Schaden durch Vandalismus geringer, wenn Personal vorhanden sei.

Diese Erfahrung habe auch die BVG nach dem Abzug ihrer Mitarbeiter von den U-Bahnhöfen gemacht. Die BVG setzt inzwischen wieder Personal ein - auf den meisten Stationen sporadisch, auf den Bahnhöfen mit nur einem Ausgang nach dem Brand im Bahnhof Deutsche Oper im vergangenen Sommer per Anweisung ständig.

Personalfreie Bahnhöfe lässt die S-Bahn per Kamera überwachen. Diese erfassen in der Regel den gesamten Bahnsteigkantenbereich. Aber auch hier gebe es "zig Vorschriften" vom Eisenbahnbundesamt. Kompliziert sei oft der unterschiedliche Lichteinfall, sagte Priegnitz. Deshalb habe die S-Bahn auch im Bahnhof Gesundbrunnen auf dem neuen Bahnsteig zunächst wieder Personal eingesetzt.

Während die Bahnhöfe zunehmend Personal verlieren, sind die Züge weiter nach 20 Uhr mit Sicherheitspersonal besetzt. Die Mitfahrt jeweils eines Mitarbeiters habe sich bewährt, so Priegnitz. Für Tschepe ist dieses Fazit ein Indiz, dass sich auch auf Bahnhöfen der Einsatz von Personal am Ende bezahlt mache.

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