Berlin : S-Bahn will Einzelticket für hin und zurück

Lange Strecken sollen dafür viel teurer werden

Klaus Kurpjuweit

Geht es nach der S-Bahn, sind im Nahverkehr bald wieder Hin- und Rückfahrten mit einem Einzelfahrschein möglich. Für diese Regelung hatten sich in der Tagesspiegel-Umfrage vom Sonntag 97,2 Prozent der Teilnehmer ausgesprochen. Dafür würden sich nach dem Tarifkonzept der S-Bahn lange Fahrten allerdings für alle Fahrgäste verteuern – um fast 24 Prozent im Stadtgebiet.

Heute kostet der Einzelfahrschein im Tarifgebiet AB 2,10 Euro. Er gilt zwei Stunden für Fahrten in eine Richtung. Die S-Bahn will bei Einzelfahrten in Zukunft „Flatrates“ anbieten: ein Ticket, das 60 Minuten für Hin- und Rückfahrten gilt, könnte zwei Euro kosten; das Zwei-Stunden-Ticket dann allerdings 2,60 Euro. Die Kurzstrecke würde entfallen. Wer nur in eine Richtung fahren will, müsse selten den höheren Preis zahlen, ist S-Bahn-Marketingchef Wilfried Kramer überzeugt. Viele Wege seien auch in dem großen Berliner Netz innerhalb einer Stunde zu schaffen.

Wer auch bei langen Strecken hin- und herfahren will, wäre nach dem Konzept der S-Bahn mit einer Tageskarte am günstigsten dran. Sie sollte höchstens so viel kosten wie zwei Einzelfahrscheine – oder sogar billiger sein. Kramer schlägt als Preis für die AB-Tageskarte fünf Euro vor, zwei 120-Minuten-Tickets würden bei seinem Konzept dagegen 5,20 Euro kosten. Auch ein Sparangebot ist dabei: Zehn Tageskarten sollten zum Preis von neun verkauft werden.

Bei Schülerkarten will die S-Bahn das Geschwisterticket für 16 Euro abschaffen. Stattdessen sollte es ein Ticket für Grundschüler zum Preis von etwa 20 Euro geben, für die Klassenstufen sieben bis 13, wo die Schüler auch in der Freizeit mobiler sind, sollte sich der Preis auf etwa 30 Euro erhöhen. Heute kostet das einheitliche Schülerticket 26 Euro. Schließlich will die S-Bahn auch das Freizeitticket wieder einführen.

Ob sie sich durchsetzt, ist ungewiss. Die BVG und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) wollten die Pläne gestern nicht kommentieren, sie werkeln an eigenen Konzepten. Die BVG hat aber bereits signalisiert, dass es zumindest wieder Sammelkarten geben könnte.

Einig ist man sich, dass Schwarzfahren teurer werden könnte, wie es der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) vorgeschlagen hat. Statt 40 Euro wären dann 60 Euro fällig, bei Wiederholungstätern sogar 120 Euro.

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