Berlin : S-Bahner fürchten Ferienende Dann könne das Chaos

noch größer werden

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Die S-Bahn rutscht weiter in die Krise. Derzeit ist ungewiss, ob sie den Verkehr nach dem Ende der Ferien auch nur einigermaßen bewältigen kann. Obwohl kaum Neuschnee gefallen war, konnte die S-Bahn am Montag nur 254 Doppelwagen einsetzen, erforderlich wären für einen Notbetrieb nach Fahrplan dagegen 434. Diesen Wert hat die S-Bahn seit Beginn des Schneefalls Anfang Dezember nie erreichen können. Auch gestern war das Angebot deshalb weiter stark eingeschränkt, es kam zu Verspätungen, unter anderem am Abend in Richtung Spandau.

Sollte es dabei bleiben, wäre vor allem der Berufsverkehr nach Ferienende in der kommenden Woche nicht zu schaffen, sagen Insider. Bei auf vier Wagen verkürzten Zügen, die auf fast allen Linien derzeit nur alle 20 Minuten fahren, sei das Chaos programmiert.

In den Werkstätten arbeiten die Mitarbeiter rund um die Uhr, damit weitere Fahrzeuge in den Betrieb gehen können. Doch zugleich häufen sich nach Angaben eines Sprechers die Ausfälle. Seit Beginn der Schneefallperiode habe es rund 800 Defekte an den Antrieben gegeben, etwa 200 Motoranlagen seien ausgetauscht worden; vorrätig hatte man knapp 100. Züge mit einer Antriebstörung müssen nach 24 Stunden aus dem Verkehr gezogen werden, da über die Fahrmotoren auch gebremst wird. Die Zusatzbremse ist aber nicht für einen Dauerbetrieb ausgelegt und wird beim Ausfall der Motorbremse überlastet. Neue Motoren sind aber nicht sofort in der erforderlichen Zahl lieferbar.

Ein Ersatzverkehr auf Gleisen des Regionalverkehrs ist derzeit nach Angaben des Sprechers nicht vorgesehen. In der Vergangenheit hatte es solche Verbindungen unter anderem zwischen dem Ostbahnhof und Potsdam und zwischen Gesundbrunnen und Südkreuz mit Fahrten durch den Fernbahntunnel gegeben.

Doch auch beim Regionalverkehr herrscht Fahrzeugmangel. Zumindest bis Jahresende hat die Bahn daher den Verkehr auf der Linie RB 22 zwischen Spandau und Wustermark komplett eingestellt. Bundesweit muss sie bereits im Ersatzverkehr fahren, weil bestellte Neufahrzeuge vom Eisenbahn-Bundesamt noch nicht zugelassen sind. Für Berlin werden neue S-Bahn-Züge erst bestellt, wenn entschieden ist, wer nach Auslaufen des Verkehrsvertrags mit dem Senat Mitte Dezember 2017 den Zuschlag für den weiteren Betrieb erhält. Der Senat denkt seit einem Jahr darüber nach. Klaus Kurpjuweit

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