S21: Planer und Anwohner diskutieren : Mehr Verkehr im Sprengelkiez?

Die Bauarbeiten für die neue S-Bahnlinie S21 laufen bereits, die Trasse wird auch durch den Sprengelkiez laufen. Die Bewohner, die die Folgen der neuen Verkehrsführung fürchten, diskutierten mit den Planern über das Projekt.

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Neuer Weg durch den Wedding: Logo der Berliner S-Bahn.
Neuer Weg durch den Wedding: Logo der Berliner S-Bahn.Foto: dpa

Die Proteste gegen das Projekt „Stuttgart 21“ machten bundesweite Schlagzeilen. Nun hat seit einiger Zeit auch der Wedding sein „S21“, wobei in diesem Falle der Bau der neuen Trasse für die S-Bahnlinie 21 gemeint ist, die den Stadtteil über den Nordring direkt mit dem Hauptbahnhof (und später mit dem Potsdamer Platz) verbinden soll.

Neben der Verlängerung des Nordufers bis zur Fennstraße ist die Zerteilung der Tegeler Straße die wohl größte Veränderung im Sprengelkiez – sie wird in zwei Wendehämmern künftig von Norden und Süden an der neuen S-Bahntrasse enden. Am Donnerstagabend hatte das Quartiersmanagement Sparrplatz zu einer Info-Veranstaltung in die Osterkirche eingeladen. Rund 30 Interessierte kamen zu der Diskussion mit sechs Vertretern der Planungsseite, u. a. vom Bezirk Mitte, dem Berliner Senat und der Deutschen Bahn.

Größter Streitpunkt zwischen Planern und Anwohnern ist derzeit die vermutete künftige „Lieblingsroute“ der Autofahrer, die über Fennstraße und erweitertes Nordufer Richtung Norden wollen (derzeit nutzen sie vorwiegend die Tegeler Straße). Während von Senatsseite davon ausgegangen wird, dass ein Schleichweg durch den Kiez nicht attraktiv genug für Taxis, Lastwagen oder auch Privat-PKW wird, befürchten Kiezbewohner, dass eine Abkürzung z.B. über die Samoastraße sowie Sprengelstraße ohne lästige Ampeln sich in der Praxis doch durchsetzen wird – mit entsprechender Lärmbelästigung für die dortigen Anwohner und Nutzer.

Bauarbeiten an der neuen S-Bahnlinie S21 in Mitte.
Bauarbeiten an der neuen S-Bahnlinie S21 in Mitte.Foto: dpa

Streit um den Begriff "Durchgangsverkehr"

„Unser Ziel ist es schon, den meisten Verkehr künftig über das Friedrich-Krause-Ufer zu leiten und nicht über die Schleichwege, die Sie befürchten“, sagte Horst Wohlfarth von Alm von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Wohlfarth von Alm verwies auch darauf, dass es in der Stadt immer durchfahrende Fahrzeuge gebe. „Wir Verkehrsplaner mögen das Wort ‚Durchgangsverkehr’ nicht. Wenn Sie in ihr Auto einsteigen, sind Sie 50 Meter weiter schon Durchgangsverkehr.“ Generell versuche man, Hauptverkehrsströme auch über Hauptverkehrsstraßen zu leiten.

Einer kompletten Entwidmung der Tegeler Straße, wie sie von einem Besucher vorgeschlagen wurde, erteilte Wohlfarth von Alm derweil eine klare Absage: „Sie müssen verstehen, dass wir in einer Stadt leben, in der die Leute Verkehrsbedürfnisse haben, die mitunter auch mit Kraftverkehr zu lösen sind. Wir versuchen die Bürgerinnen und Bürger dazu zu bewegen, alternative Verkehrsformen zu benutzen, aber wir werden das nicht durch die Versperrung von Straßen tun.“ Die Möglichkeit, durch Bremsschwellen (sog. Moabiter oder Berliner Kissen) die Durchfahrt zusätzlich unattraktiv zu machen, werde man dagegen in Erwägung ziehen. Die klammen Kassen beim Bezirk Mitte könnten einige Maßnahmen jedoch erschweren.

Interessant zu beobachten sein wird der Fluss der rund 40.000 Fahrzeuge, die aus dem Tiergartentunnel kommend täglich nach Norden fahren. Sie sollen dann zwischen Seller- und Fennstraße (ostwärts) und dem derzeit noch wegen anderer Bauarbeiten gesperrten Friedrich-Krause-Ufer (westwärts) geteilt werden, allerdings eher zu Lasten der östlichen Verbindung, wie es vonseiten der Entwickler der Europacity nördlich des Hauptbahnhofs hieß. Prompte Reaktion aus dem Publikum: „Dann sindse bei uns im Kiez!“

Die Bagger rollen: Arbeiten an der S21 in Berlin-Mitte.
Die Bagger rollen: Arbeiten an der S21 in Berlin-Mitte.Foto: dpa

Heidestraße soll attraktiver werden

Die Heidestraße (B96) soll im Zuge der Gebietsentwicklung u.a. durch drei Baumreihen und breite Radwege attraktiver werden. Während der Bauzeit wird sie auf je eine Spur pro Richtung verengt. Wie sich das auf die Zuverlässigkeit des Bus 142 auswirken wird, blieb offen. Er verbindet den Sprengelkiez derzeit zur Hauptgeschäftszeit montags bis samstags mit dem Hauptbahnhof.

Bereits seit einem Jahr laufen die Vorbereitungen für die Überbrückung des Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanals. Die Gründungsarbeiten für die Brückenpfeiler sollen Anfang Oktober beginnen und bis März abgeschlossen sein, teilte der zuständige Projektingenieur der DB ProjektBau mit. Ab 1. April sei mit Baustellenverkehr an der Tegeler Straße sowie „Vibrationen, Geräusche durch Bohr- und Abbrucharbeiten“ zu rechnen, hieß es. Bevor dann die Sperrung der Tegeler Straße erfolge, müsse jedoch das Nordufer fertig gestellt werden. Bis Dezember 2017 sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein und die S21 zunächst bis zum Hauptbahnhof in Betrieb genommen werden. Für den weiteren unterirdischen Verlauf bis Potsdamer Platz, der viel wichtiger ist als der derzeitig im Bau befindliche Stummel, hat die Bahn im August die Ausschreibung gestartet.

"S21: Konsequenzen für den Sprengelkiez" - ausführlicher Beitrag beim "Weddingweiser" (März 2013)

Dieser Beitrag erscheint auf dem Wedding Blog, dem Online-Magazin des Tagesspiegel.

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