Berlin : „Saddam muss weg“

Exil-Iraker hassen den Diktator und fürchten den Krieg

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Nein, die große Freude ist unter den ExilIrakern nicht ausgebrochen, als George W. Bush den Krieg angekündigt hat. Sie sind gegen Saddam, natürlich. Sie sind vor ihm geflohen, viele haben Verwandte verloren, Geschwister, Eltern. Aber wer freut sich schon über einen Krieg, der die Heimat zerstört?

„Wir sind traurig, wir haben Angst“, sagt Gelawesh Al-Jaaf. „Aber es muss jetzt sein. Saddam muss endlich weg, anders geht es nicht.“ Deshalb seien die meisten Iraker, die sie kennt, für den Krieg. Und können sich doch nicht darüber freuen.

Frau Al-Jaaf ist Apothekerin in der Kantstraße, sie lebt seit 20 Jahren in Berlin, und: Sie ist Kurdin. Bei allen Zweifeln, was wohl nach dem Krieg kommen mag ist sie sicher: „Der Krieg ist richtig. Denn wir haben viel mehr Angst vor Saddam als vor den Amerikanern.“

Darek Taha wird am Tag des Kriegsausbruchs um 17 Uhr auf dem Alexanderplatz stehen und gegen den Krieg demonstrieren. Dabei ist er 1969 vor Saddam geflohen und konnte seitdem nicht mehr in seine Heimat. Dabei wartet er sehnlich auf den Augenblick, in dem er wieder hin kann, seine Verwandten und Freunde sehen. Das wird nun schneller möglich sein, dank den Amerikanern. Aber um welchen Preis? „Verwandte aus Bagdad haben mir erzählt, dass jetzt Panzer und Flugabwehrraketen in ihrem Wohngebiet stehen. Was denken denn Sie, wohin die Amerikaner schießen?“, sagt er. Noch immer litten die Menschen unter den Folgen des letzten Golfkrieges. „Wie wird das erst nach diesem Krieg dort aussehen?“

Dass etliche seiner Landsleute hier in Berlin immer noch für den Krieg seien, vor allem die Kurden, das kann Herr Taha verstehen, „aber die sind blind vor Hass gegen den fürchterlichen Diktator. Man muss doch wissen, was Krieg bedeutet!“

Der 65-Jährige wird einer von vielen Irakern sein, die heute um 17 Uhr gegen den Krieg demonstrieren. Und viele werden zu Hause sitzen und traurig sagen: endlich. dae

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