Berlin : Säugling auf der Straße ausgesetzt

Sechs Monate alter Junge wurde sofort notoperiert

André Görke

Der kleine Santino R., knapp sechs Monate alt, lag wimmernd neben dem Bürgersteig auf der Straße. Es war kurz vor 12 Uhr am Donnerstagmittag, als eine 51-Jährige das Baby allein vor einem geparkten Ford fand. Die Frau lief in eine Optiker-Filiale und alarmierte die Feuerwehr. Der Junge kam mit lebensbedrohlichen Kopfverletzungen ins Krankenhaus. Ein Sprecher des Klinikkonzern Vivantes teilte mit, dass das Baby sofort notoperiert worden sei. Auch am Abend war der Zustand des kleinen Jungen noch kritisch.

Eine Mordkommission übernahm sofort die Ermittlungen. Die Spurensicherung sperrte die Gegend ab und untersuchte akribisch den Fundort. Hinweise von befragten Zeugen, so ein Polizeisprecher am Abend, konnten den Jungen schließlich identifizieren. Doch von der Mutter – die 22 Jahre alte Sabrina R. – fehlte vorerst jede Spur. Nach ihr wird gefahndet. Die Mutter lebt nur wenige Meter vom Fundort des Babys entfernt, ebenfalls in der Brückenstraße in Schöneweide. Die Polizei ermittelt jetzt wegen versuchten Mordes. Hätte der Fahrer des Wagens, der nur kurze Zeit später eintraf, das kleine Kind auf der Straße übersehen, „wäre der Junge wahrscheinlich überrollt worden“, sagte ein Sprecher der Berliner Polizei am Donnerstagabend.

Erst am Sonnabend war in der Toilette eines Baumarktes, ebenfalls in Treptow-Köpenick, ein Neugeborenes mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen gefunden worden. Eine 23-Jährige hatte es dort geboren. Auch dieses Kind wurde in die Kinderklinik des Vivantes-Krankenhauses Neukölln gebracht. Gegen die Mutter wird nun wegen Verdachts des versuchten Totschlags ermittelt.

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