Berlin : Säugling in die Babyklappe gelegt – und zurückgeholt

Eltern fürchteten, finanziell nicht über die Runden zu kommen

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Zum ersten Mal haben Eltern im Zehlendorfer Krankenhaus Waldfriede einen zuvor von ihnen in einer „Babyklappe“ abgelegten Säugling wieder zu sich nach Hause geholt. Das Baby war drei Tage vor Weihnachten im Krankenhaus in der dafür vorgesehenen Klappe abgelegt worden. Heiligabend rief die Mutter im Krankenhaus an und bat, ihr Kind wieder mitnehmen zu dürfen. Nach den Bestimmungen können Eltern ihr Kind bis zu acht Wochen nach dem Zurücklassen in der Babyklappe wieder abholen, ohne eine Strafe befürchten zu müssen. Damit will man Eltern die Chance geben, ihren Schritt rückgängig machen zu können.

Bei dem von den Schwestern des Krankenhauses Thomas genannten Kind haben die Eltern diese Möglichkeit genutzt. Das Kind war in der Wohnung entbunden worden, der Vater hatte es abgenabelt. Die Eltern hatten nach ihren Angaben das Kind in die Babyklappe gelegt, weil sie nicht wussten, wie sie finanziell über die Runden kommen sollten. Die Mutter soll erst vor kurzem eine Ausbildungsstelle bekommen haben. Doch bereits wenig später hätten die Eltern ihren Schritt bereut.

Die Babyklappen in Krankenhäusern seien „eine extreme Lösung in einer extremen Notsituation“, hatte Gabriele Stangl, die Initiatorin der Anlage im Krankenhaus Waldfriede, bei der Einführung im September 2000 gesagt. Damit soll verhindert werden, dass verzweifelte Mütter und Väter ihr ungewolltes Baby aussetzen oder gar töten. Die Klappe garantiert den Eltern Anonymität. Erst nach acht Wochen wird für das Kind ein Vormund bestellt und ein Adoptionsverfahren eingeleitet. Inzwischen gibt es in Berlin vier Babyklappen. Bisher waren in diesem Jahr vier Babys abgegeben worden.

Am 8. Juli war im Krankenhaus Waldfriede ein mit 15 Messerstichen umgebrachter Säugling in der Babyklappe entdeckt worden. Die Suche nach den Eltern war bis heute erfolglos. kt

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