Berlin : Salomonisch

Andreas Conrad

beglückwünscht Kirchenstörer zum ruhigen Jesustag Eine Augenklappe schließt Weitsicht nicht aus, mancher Piratenkapitän hat das bewiesen. Selbst beidseitig verbundenen Augen trauen wir im Falle Justitias einen klaren Blick zu, sie werden geradezu als Voraussetzung der Gerechtigkeit angesehen. Und gelingen ihr besonders kluge Urteile, in denen Paragrafen und individuelles Rechtsempfinden zur Deckung kommen, so wird gerne an die biblische Weisheit des Königs Salomon erinnert. Das Juristische und das Religiöse haben eben seit jeher manche Berührungspunkte, das dürften nicht mal die Kirchenstörer Roy und Arnold bestreiten. Ansonsten taten sie so ziemlich alles, um die Grenzen christlicher Toleranz auszuloten. Zumindest gelang es ihnen, mitunter den Eindruck zu erwecken, sie genössen Narrenfreiheit – nicht de jure, aber doch de facto. Ein Irrtum: Justitia mag etwas träge wirken, aber dann bewegt sie sich doch und weist mit dem Schwert den Weg in den Polizeigewahrsam – unter streng reglementierten Voraussetzungen und auf Anordnung eines Richters. Nennen wir ihn der Einfachheit halber Salomon.

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