Berlin : Salon der Freiheit

Elisabeth Binder

In aller Welt gelten das Brandenburger Tor und der Pariser Platz als Symbole der Freiheit. Natürlich denken Berliner daran nicht immer. Aber das Richtfest der US-Botschaft, die nun die letzte Lücke füllt an diesem geschichtsträchtigen Ort, rief viele Erinnerungen wach, an eine Zeit, in der Berlin schlechter dran war als heute. US-Botschafter William Timken erinnerte in seiner Rede an die langen Jahre, als dieser Platz ein Niemandsland war.

Kaum zu glauben, dass die Luftaufnahme oben erst 15 Jahre alt ist. Damals, 1991, erinnerten die leeren Flächen, die einsamen Baumreihen noch an die Wunden, die erst der Zweite Weltkrieg und dann die Mauer der Stadt geschlagen haben. Die friedliche Revolution in der DDR und die daraus folgende Wende haben auch die konstruktiven Kräfte freigesetzt, die den einst verlassenen Platz zu dem gemacht haben, was er heute ist: der Salon der Stadt.

Vom Balkon des Liebermann-Hauses aus glaubt man heute, das Brandenburger Tor anfassen zu können. Auf der Terrasse der Akademie der Künste kommt die Schönheit des Blicks auf diesen Platz immer wieder zur Sprache. Im Haus der Commerzbank treffen sich regelmäßig Botschafter aus allen Ländern der Erde. Im Adlon werden glanzvolle Feste gefeiert, während schräg gegenüber die Gäste des französischen Botschafters durch eine elegante Bibliothek flanieren.

Einst sahen Berliner von scheinbar unüberwindlichen Seiten auf dieses Tor, auf diesen Platz, der hinter dem Eisernen Vorhang lag. Heute ist er ein guter Ort, um dankbar zu sein dafür, dass Geschichte auch einen positiven Verlauf nehmen kann. Dass friedliche Lösungen, wenn sie sich durchsetzen können, wunderbare Folgen haben.

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