Berlin : Sammler und Jäger

Investor will einen Art-Club am Bode-Museum bauen Doch für das Grundstück gibt es viele Interessenten

Ralf Schönball

Diese Lage regt die Fantasie an: Direkt an der Spree, mit Blick auf das Bode-Museum, in unmittelbarer Nachbarschaft des Weltkulturerbes – was also liegt näher, als die dort zum Verkauf stehenden Baudenkmäler der Charité in einen „Art-Club“ für Sammler zu verwandeln?

Mit diesem Ziel geht der kanadische Investor Michael Tippin in das Bieterrennen um ein 12 500 Quadratmeter großes Grundstück, das vom Liegenschaftsfonds des Landes Berlin angeboten wird. Tippin ist aber nicht der einzige Interessent: Auch der frühere Pizza-König Ernst Freiberger sowie eine Tochter der Aktiengesellschaft Orco zählen dazu.

Würde allein die Nutzung über den Zuschlag entscheiden, dann wäre der Kanadier Tippin wohl schwer zu schlagen. Da aber einzig die Höhe des Gebots den Ausschlag gibt, bleibt es ungewiss, wer Mitte März neuer Eigentümer des begehrten Grundstücks sein wird.

„Mehrere bekannte Sammler aus Europa und Übersee sind begeistert von unserem Vorhaben“, sagt Tippin. Und der Berliner Berater des Kanadischen Investors, Albrecht von Rheinbaben, ergänzt: „Die Sammler brauchen Ausstellungsflächen für ihre Kunstwerke, die bieten wir ihnen mitten in Berlin.“ Die Unternehmer wollen aber nicht einfach nur eine Gallerie eröffnen, sie wollen die Sammler als Mieteigentümer des Areals zwischen Monbijou-, Ziegler- und Tucholskystraße gewinnen. Dort würden neben den Ausstellungsräumen auch Wohnungen in den Baudenkmälern entstehen.

Käme es so, dann würde die Nachbarschaft der Museumsinsel um eine weitere private Sammlung reicher: Am Kupfergraben entsteht bereits eine große Privatsammlung, die der britische Architekt David Chipperfield für den Berliner Kunstsammler Heiner Bastian baut.

Da aber allein der Preis entscheidet, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Für den landeseigenen Liegenschaftsfonds ist das eine gute Nachricht: „Es ist ein scharfer Wettbewerb um diese Immobilie entbrannt“, sagt deren Chef Holger Lippmann. Beim Gutachterausschuss wird ein „Richtwert“ von 1300 Euro pro Quadratmeter für Boden in dieser Lage genannt. Doch aus Bieterkreisen heißt es: Doppelt so viel werde sicher bezahlt – das wären dann über 30 Millionen Euro. Die nächste Bieterrunde ist eingeläutet. Schon im März soll nach abschließenden Gesprächen mit den zwei höchsten Bietern der Käufer ausgewählt werden.

„Die Lage, die Ausrichtung nach Süden und die Baudenkmäler – hier stimmt einfach alles“, sagt Christian Köhler, Niederlassungsleiter von Viterra. Die Firma aus der Orco-Gruppe ist einer der Bieter und würde die Krankenhausbauten zu Wohnungen umbauen. Auch für einen kleinen Neubau an der Spreeseite des Areals sei noch Platz, so Köhler. Die Investitionskosten beziffert der Entwickler mit rund 70 Millionen Euro. Baustart ist für den Bieter, der sich durchsetzt, erst im Jahr 2010, denn bis dahin kann die Charité die frühere „Frauenklinik“ noch nutzen.

Zu den Kaufwilligen zählt dem Vernehmen nach auch der frühere Pizza-König Ernst Freiberger. Dieser hatte nicht nur beim Verkauf seiner Firma, sondern auch bei früheren Immobiliengeschäften an den Ufern der Spree ein glückliches Händchen: In seinen Neubau in Moabit zog das Innenministerium des Bundes – der beste erdenkliche Mieter. Freiberger besitzt bereits ein Grundstück unmittelbar gegenüber dem Charité-Gelände – aber ohne Spreeblick.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben