Sammlung Pietzsch : Surrealisten kommen ins Kulturforum

Kulturstaatssekretär André Schmitz hält an den Plänen fest, das Kulturforum zu einem Zentrum für die Kunst des 20. Jahrhunderts auszubauen.

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Zu Hause in der Kunst. Das Sammlerpaar Heiner und Ulla Pietzsch hat zahlreiche Werke in seiner Grunewalder Villa zusammengetragen,...Foto: Thilo Rückeis

„Hier wäre auch der dauerhafte Ort für die Sammlung Pietzsch“, sagte Schmitz gestern dem Tagesspiegel. „Berlin ist begeistert von der Sammlung des Ehepaares Pietzsch, deshalb wollen wir sie unbedingt in der Stadt halten“, so Schmitz weiter. Die Exponate seien „eine wundervolle Ergänzung der Berliner Sammlungen“. Das Ehepaar hat angeboten, die Sammlung dem Land Berlin zu schenken, so fern die Stadt geeignete Räume stellt.

Schmitz begrüßte die Bemühungen der Staatlichen Museen zu Berlin, eine Zwischenlösung für die Exponate des Ehepaares Pietzsch in Räumen der Neuen Nationalgalerie zu finden. Dadurch sollen diese auch in den kommenden Jahren für Museumsbesucher zugänglich bleiben. Diskutiert wird dem Vernehmen nach der Ausbau von Räumen im Untergeschoss der Neuen Nationalgalerie.

Die im Juni 2009 eröffnete Ausstellung der 200 Werke von Miro, René Magritte, Max Ernst und anderen in der Neuen Nationalgalerie wurde wegen des Andrangs um sechs Wochen verlängert und zählte 190 000 Besucher. Schmitz hatte zusammen mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit die Kunstwerke bereits vor der öffentlichen Schau in der Villa des Sammler-Paares besichtigt und ist seitdem begeistert von der Sammlung.

Schmitz zufolge könnten die Werke der Sammlung Pietzsch zu einem der Höhepunkte einer „dauerhaften Schau von Kunstwerken des 20. Jahrhunderts auf dem Kulturforum“ werden – sobald die dort bisher ausgestellte Kunst des 19. und früherer Jahrhunderte umgezogen ist. Der Staatssekretär fordert weiterhin die Umsetzung der Pläne des früheren Generaldirektors der Staatlichen Museen Peter-Klaus Schuster, wonach die Werke der „Klassik“ auf der Museumsinsel versammelt werden sollen und die Kunst des 20. Jahrhunderts auf dem Kulturforum.

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sagte dem Tagesspiegel: „Die Neue Nationalgalerie wäre ein hervorragender Ort für die Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch, solange es noch keine Galerie des 20.Jahrhunderts gibt“. Mies van der Rohe habe die Nationalgalerie größer geplant und die zusätzlichen 1300 Quadratmeter Nutzfläche seien auch gebaut, zunächst aber „verfüllt“ worden. Die Kosten für die Wiederherstellung dieser Flächen würden zurzeit ermittelt. „Völlig unabhängig davon verfolgt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz den Plan einer Zusammenführung von Malerei und Skulptur, wobei ein Umzug der Alten Meister in einen Neubau beim Bode-Museum das Ziel ist“, sagte Parzinger weiter. Realisiert werde dies aber nicht „in den nächsten paar Jahren angesichts der anderen Baugroßvorhaben der Stiftung“.

Christina Weiss, Vorsitzende des Vereins der Freunde der Nationalgalerie, sagte: „Es ist ein unschätzbarer Glücksfall für die Nationalgalerie, dass das Ehepaar Pietzsch bereit ist, diese Sammlung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zu schenken“. Der Verein hatte die Ausstellung in den Räumen der Neuen Nationalgalerie möglich gemacht. Weiss sagte weiter: „Ein Museum des 20. Jahrhunderts fehlt in der Tat, da die Neue Nationalgalerie immer wieder dringend für wechselnde Ausstellungen benötigt wird.“ Für ein entsprechendes Bauvorhaben oder die neue Nutzung vorhandener Räume „sind jetzt Politik und Stiftung Preußischer Kulturbesitz gefordert“, so Weiss. „Der Verein kann laut Satzung Baukosten nicht übernehmen, unterstützt das Vorhaben aber nachdrücklich“, sagte sie.

Die Nationalgalerie hatte vom Juni vergangenen Jahres bis vor wenigen Tagen 200 Kunstwerke der Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch ausgestellt. Die Bilder waren bisher nur den Gästen des Paares in deren Dahlemer Haus oder den Besuchern einer ersten Ausstellung in Dresden bekannt. Die Werke sind die Ausbeute einer vierzig Jahre andauernden Sammelleidenschaft. Die Sammler, beide in den Siebzigern, wollen Berlin die Werke nur überlassen, wenn sie nicht in dunklen Depots verschwinden.

Der neue Direktor der Nationalgalerie Udo Kittelmann möchte die Nationalgalerie zu einem „Tempel der Klassischen Moderne“ umgestalten. Dadurch könnte auch die bereits bestehende Sammlung der Nationalgalerie aus den Lagern hervorgeholt werden und angemessen ausgestellt werden. Ralf Schönball

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