Sanierung der Staatsoper : „Wünsch-dir-was“ ohne „Geht-denn-das“

Mittlerweile ist die Staatsoper Sinnbild für die berüchtigte Berliner Baukultur. Der Grund: Vor der Sanierung fehlte es an grundsätzlichen Überlegungen. Ein Gastbeitrag der grünen Kulturpolitikerin Sabine Bangert.

Sabine Bangert
Teurer geht immer - (nicht nur) bei der Staatsoper.
Teurer geht immer - (nicht nur) bei der Staatsoper.Foto: dpa

Die Staatsoper ist ein Aushängeschild für die Kulturhauptstadt Berlin. Wer die Inszenierungen besucht, der weiß: Die Aufführungen zählen zu den Hochleistungen unserer Stadt. Ensemble und Leitung gehören zur Spitzenklasse der Kulturszene.

Mittlerweile ist die Staatsoper aber leider auch Sinnbild für die berüchtigte Berliner Baukultur. Und das liegt nicht nur am Sumpfboden. Seit bald fünf Jahren wird die Staatsoper grundsaniert, angeblich in diesem Ausmaß unvorhersehbar. Heute liegen die Kosten bei mindestens 389 Millionen Euro, 150 Millionen Euro mehr als geplant. Und fertig wird die Oper frühestens Ende 2017, vier Jahre nach dem ursprünglichen Eröffnungstermin.

Ursächlich an der Misere sind Exzellenz-Hascherei, mangelndes Augenmaß, unnötige Eile und vor allem eine fehlende Grundsatzdiskussion. Einerseits wurde das Bedarfskonzept für die Sanierung im Vorfeld kaum auf Wirtschaftlichkeit und Machbarkeit geprüft. Die Planungs- sowie Sanierungszeiten und damit die Kosten waren wissentlich viel zu niedrig angesetzt.

Kulturpolitik bleibt außen vor

Andererseits – und das ist von Bedeutung – wurde auf eine inhaltliche, kulturpolitische Diskussion verzichtet. Unbehandelt blieb etwa die Frage, welche Rolle einzelne Kulturhäuser künftig in Berlin haben sollen. Ein Beispiel: In unserer Stadt gibt es drei hoch angesehene Opern. Muss jedoch jedes Haus alles bieten können und das um jeden Preis, oder wäre ein überarbeitetes Gesamtkonzept sinnvoll gewesen, in dem die Stärken der einzelnen Institutionen herausgearbeitet worden wären? In Kulturmetropolen wie Paris ist Letzteres längst der Fall – und das mit Erfolg. Mit solch grundsätzlichen Überlegungen am Anfang wäre man in Berlin vielleicht zu einem anderen Plan für die Staatsoper gekommen.

Sabine Bangert, 59, ist Sprecherin für Kulturpolitik der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin.
Sabine Bangert, 59, ist Sprecherin für Kulturpolitik der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin.Foto: promo / B. Dietl

Nun wird nicht nur das historische Gebäude saniert, sondern auch die gesamte Decke für eine minimal bessere Akustik angehoben, ein Tunnel zum Transport der riesigen Bühnenbilder gegraben sowie die Hinterbühne und der Bühnenturm komplett erneuert und erweitert – und dies alles unter Denkmalmaßstäben.

„Wünsch-dir-was“ ohne „Geht-denn-das“

Schwierig wird es grundsätzlich, wenn nach dem Motto „Wünsch-dir-was“ ohne „Geht-denn-das“ regiert wird. Beides gehört zusammen: Vision und Verantwortung. Die Verantwortung wollen wir mit einem Untersuchungsausschuss zur Staatsoper wieder stärker in den Vordergrund bringen und aufzeigen, wo es wann an welchen Stellen gehapert hat. Dann können Großprojekte künftig besser organisiert und hausgemachte Probleme vermieden werden.

Fest steht schon jetzt: In Berlin muss künftig länger und sorgfältiger geplant werden, anstatt am Ende draufzuzahlen. Sicherlich, das erfordert viel Mut – sich selbst und seinen Plänen gegenüber. Denn wenn die tatsächlichen Kosten auf dem Tisch sind, kann das auch das Aus eines Vorhabens bedeuten. Wie appellierte der neue Regierende Bürgermeister Michael Müller zum Jahresanfang an die Berlinerinnen und Berliner: „Lassen Sie uns gemeinsam die Probleme anpacken. Und lassen Sie uns auch in die Zukunft schauen.“ Wir sind bereit.

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