Sanierung : Die Bürger wollen ihre Bäume behalten

Der Luisenstädtische Kanal in Kreuzberg soll saniert werden. Eine Initiative macht dagegen mobil, denn wird der Plan in die Tat umgesetzt, müssen 150 Bäume weichen.

Wieder sind in Kreuzberg Bäume in Gefahr – zumindest fürchtet das die Initiative „Bäume für Kreuzberg“. 150 müssten unter Umständen gefällt werden, wenn der Luisenstädtische Kanal umgestaltet wird. Die Initiative hat mehr als 1000 Unterschriften gegen die von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und vom Bezirksamt geplante Sanierung des Kanals gesammelt. „Hier wird ein gut genutzter Grünzug für viel Geld vernichtet“, sagte Claudia Peter, Sprecherin der Initiative. 600 000 Euro sind für die Umgestaltung aus dem Bund-Länder-Programm Städtebaulicher Denkmalschutz vorgesehen. Das Geld solle lieber in die Pflege der vorhandenen Bäume investiert werden, fordert Peter.

Wasserstraße, Gartenanlage, Teil des Todesstreifens und heute Gartendenkmal – die Nutzung des Luisenstädtischen Kanals hat sich oft gewandelt. Heute ist der 22 Meter breite Streifen mit Bäumen bewachsen und von unbefestigten Wegen durchzogen. Die Sanierung soll den Grünzug zwischen Waldemarstraße und Ritterstraße attraktiver für die Anwohner machen. Eine mögliche Variante: Den Kanal so wiederherstellen, wie er Anfang der 30er Jahre durch den Landschaftsarchitekten Erwin Barth gestaltet worden war. Damals gab es hier eine Promenade mit Sitzecken, Brunnen und Blumenbeeten. Dafür müsste der Kanal um 1,60 Meter tiefer gelegt werden. Das Landesdenkmalamt favorisiert diese Lösung.

„Der historische Zustand ist ein Stück Stadtgeschichte. Darüber muss man nachdenken“, sagte der grüne Bezirksbürgermeister Franz Schulz. Am Sonnabend konnten Anwohner ihre Ideen mitteilen. Die Ergebnisse sollen Ende Oktober im Bezirksamt zu sehen sein. Konkrete Maßnahmen werden dann von der Bezirksverordnetenversammlung beschlossen. Schulz beruhigt: Das Abholzen von Bäumen sei vorerst „kein Thema“. Die Initiative traut den Zusagen nicht. Claudia Peter schloss auch ein Bürgerbegehren nicht aus. „Uns wurde eine Leitbilddebatte zugesagt“, sagte sie. Im Rahmenplan seien aber die Denkmalaspekte vorgegeben. „Das ist doch schon ein Leitbild. Wozu haben wir uns dann getroffen?“ mj

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