Sanierung nach zehn Jahren : An der Spandauer Schleuse bröckelt der Beton

Zehn Jahre ist es her, dass das Bauwerk in Betrieb genommen wurde, nun wird schon saniert. Das aber soll kein Baumangel sein, sondern Folge normaler Abnutzung. Gearbeitet wird in einem beheizten Zelt.

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Zehn Jahre nach ihrer Inbetriebnahme muss die Spandauer Schleuse bereits umfangreich saniert werden. Noch bis Ende März sind die Schiffe gezwungen, den rund dreistündigen Umweg über Spree und Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal mit den Schleusen Charlottenburg und Plötzensee fahren.

An den Fugen der Betonblöcke, aus denen die 115 Meter lange Schleusenkammer gebaut wurde, bröckelt es. Das seien keine Baumängel, sondern normaler Verschleiß, sagt Michael Scholz, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Berlin. Als die neue Schleuse zwischen 1998 und 2002 gebaut wurde, habe man noch keine Erfahrung mit der verwendeten Betonart gehabt.

Nun ist die Schleuse bereits seit dem 22. Oktober gesperrt. Über der freigepumpten Kammer wurde ein beheiztes Zelt errichtet, denn die Betonarbeiten müssen bei Trockenheit und Temperaturen über fünf Grad stattfinden. Die Sanierung wurde extra in den verkehrsschwachen Winter gelegt. Da auch die Kohlelieferungen für das Kraftwerk Reuter derzeit überwiegend aus dem Hamburger Raum kommen, hält sich die Zahl der Binnengüterschiffe, die den Umweg nutzen müssen, in Grenzen.

Im Rahmen der laufenden Sanierung werden noch zwei weitere Arbeiten erledigt. Im Bereich des Oberwehrs erhält ein Bereich, an dem die Schiffe besonders häufig anecken, eine Stoßschutzanlage. Zudem wird der Korrosionsschutz für die aus Metall bestehenden Schleusenteile erneuert. Er besteht aus kleinen Metallpaketen. Sie dienen als „Futter“ für die aufgrund der unterschiedlichen Legierungen entstehenden Ströme, die sonst an der Substanz nagen würden.

Rund 600 000 Euro kosten die Arbeiten, die laut Scholz gut im Plan liegen. Rechtzeitig zur neuen Saison, spätestens Ende März, soll die Anlage wieder in Betrieb gehen. Sie gleicht den je nach Pegelstand 1,80 bis 2,40 Meter großen Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterhavel aus. Die Schleuse ist ein bedeutender Bestandteil des Binnenschifffahrtnetzes zwischen Elbe und Oder. Im letzten vollen Betriebsjahr 2011 wurden hier 6168 Güter- sowie 758 Fahrgastschiffe und 12 970 Sportboote gezählt. Drei Viertel der Güterschiffe kommen aus Polen, Haupttransportgüter waren flussabwärts Kohle und flussaufwärts Baustoffe. Vier Fünftel des Gütervolumens werden auf der sogenannten Talfahrt flussabwärts transportiert, aus Berliner Sicht also in Richtung Süden.

Der Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterhavel war um 1250 durch den Bau des Mühlendammes zum Betrieb der Spandauer Wassermühlen entstanden. Behalf man sich zunächst mit einer Flutrinne, soll hier bereits um 1572 eine erste Kammerschleuse entstanden sein. Die vorletzte, 1911 in Betrieb genommene Schleuse musste 1993 wegen Einsturzgefahr gesperrt werden, nachdem es bereits seit 1927 Pläne für den Bau einer neuen, größeren Kammer östlich davon gegeben hatte. Diese sahen anfangs sogar vor, die Zitadelle unterhalb der Bastion Kronprinz zu untertunneln.

In den siebziger Jahren war dann ein Neubau im Zitadellenvorfeld geplant, die Idee stieß aber im Bezirk auf vehemente Ablehnung, denn es wurden Beeinträchtigungen und eine Gefährdung der benachbarten Festung befürchtet. 1998 schließlich wurde die alte Kammer behutsam gesprengt, anschließend wurde an ihrer Stelle unter größter Vorsicht die neue Schleuse errichtet.

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