Sanierung : Schöneberg geht ein Licht auf

Am Gasometer in Schöneberg wird eine große Leuchttafel errichtet. Auf 700 Quadratmetern wird Werbung Richtung Stadtautobahn flimmern – um Geld für die Sanierung zu bringen.

Christian van Lessen
Gasometer
Nächtliche Botschaften Am Gasometer wird eine riesige Leuchttafel errichtet, um Geld für die Sanierung zu bringen. -Foto: dpa

Über Schöneberg wird es ab Ende August hell in den Nachthimmel leuchten: Vom oberen Drittel des alten Gasometers strahlt eine der weltgrößten elektronischen Werbewände auf einer Fläche von fast 700 Quadratmetern in Richtung Stadtautobahn Steglitz. Das Geld aus den Einnahmen soll in die Sanierung des Gasometers gesteckt werden, die voraussichtlich nächstes Frühjahr beginnt. Der Gasometer wird Bestandteil des geplanten europäischen Energieforums (Euref).

Installiert wird die „Nightscreen“-Anlage aus 27 500 Leuchtdioden von der Firma Ströer Megaposter. Deren Geschäftsführer Gerd Henrich teilte mit, man habe mit dem Bauherren und dem Bezirksamt eine Lösung gefunden, die das Industriedenkmal optisch nicht verschandele und tagsüber kaum sichtbar sei. Ein Mega-Poster hätte den Bau geradezu verhüllt. Die Lichtwerbung strahle nicht auf Wohnhäuser aus, bei einer vierwöchigen nächtlichen Testphase im vergangenen Jahr habe sich auch niemand beschwert. Die Leuchtwand solle fünf Jahre bleiben, gleichzeitig wird der Gasometer abschnittsweise saniert. Seitens der Grundstückseigentümer sagte Reinhard Müller, Euref-Vorstand und Chef des Projektbüros Rem + tec, die Installation der Leuchtanlage, die Geld einspielen müsse, diene dazu, das Baudenkmal langfristig am Leben zu erhalten. Gut 20 Prozent der nächtlichen Ausstrahlungen beschäftigten sich mit Kultur und Sozialem.

Mit Werbeeinnahmen von etwa drei Millionen Euro wird gerechnet, genaue Angaben über die Sanierungskosten des Gasometers machte Müller nicht. Das Euref-Projekt mit Forschungs- und Bildungsstätten startet vermutlich im nächsten Jahr nach Abschluss des Bebauungsplanverfahrens. Es soll rund 500 Millionen Euro kosten. Baustadtrat Bernd Krömer (CDU) betonte, an der Genehmigung der Leuchtwand gebe es keinen Zweifel, hier werde es „kein Mediaspree geben“. Auch das Umweltamt habe die Verträglichkeit des Projekts geprüft. Die Sorge der Grünen-Fraktion, die eine nächtliche Belästigung von rund 10 000 Anwohnern der näheren Umgebung befürchte, sei völlig unbegründet. Deren Fraktionssprecher Ralf Kühne sah das anders. Es gebe viele Anwohner im Bereich Sachsendamm, Innsbrucker Platz, Vorarlberger Damm bis zur Feuerbachbrücke. Die angebliche Testphase im letzten Jahr lasse sich nicht vergleichen, vieles sei noch unklar, etwa die Helligkeit. Hier gehe es nicht um öffentliches, sondern um rein wirtschaftliches Interesse. Der Denkmalschutz für den Gasometer hätte auch ohne Werbung durchgesetzt werden können. Die Bürgerinitiative Gasometer Schöneberg warnte, wenn künftig Autofahrer von der Straße abkämen, „ist vielleicht die Werbung Schuld daran“.

Der 78 Meter hohe Gasometer, einer der größten Europas, war 1910 fertiggestellt worden. Seit 13 Jahren ist er außer Betrieb. Künftig soll im Innenbereich des Baudenkmals ein gläsernes Gebäude für das Euref-Projekt errichtet werden.

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