Sanierung : Streit um ICC-Fassade

Neue Kleider für die Messe? Die Messegesellschaft denkt bei der Sanierung über eine Veränderung der Außenhaut des ICC nach. Senat und Architekten sind allerdings gegen eine bauliche Veränderung.

Matthias Oloew

BerlinDie Architekten des ICC wehren sich gegen Pläne, bei der anstehenden Sanierung des Kongresszentrums auch die Außenhaut aus Aluminium zu ersetzen. "Als Urheber werden wir eine Veränderung der Fassade nicht zulassen", kündigte Ralf Schüler am Montag auf Anfrage an. Den Komplex instand zu setzen und eine zusätzliche Dämmung anzubringen, sei ohne Weiteres möglich: "Zwischen dem Betonkorpus und den Alu-Elementen ist genügend Platz", so Schüler.

Die Messegesellschaft lässt hingegen offen, ob die markante Alu-Fassade bleibt, wenn eine zusätzliche Wärmedämmung aufgebracht werde. Voraussichtlich ab 2011 soll das ICC saniert werden. Die vierjährigen Arbeiten sind mit rund 260 Millionen Euro veranschlagt. Um die künftigen Betriebskosten zu senken, wäre eine neue Fassade denkbar. Denn das bisherige Material sei empfindlich und müsse mit großem Aufwand gepflegt werden.

Die zuständige Stadtentwicklungsverwaltung stützt die Ansicht des Architekten. "Eine Veränderung der Fassade ist nicht geplant", sagte Behördensprecherin Manuela Damianakis. Grundlage dafür sei ein Gutachten, das im November 2008 festgestellt habe, dass die Fassade insgesamt in einem guten Zustand sei: "Wir werden etwas an der Fassade machen müssen", so Damianakis, "aber nur an den Teilen, die von außen nicht sichtbar sind."

Die Messegesellschaft reinigt die Fassade nicht mehr

Damit die hellgraue Metalloberfläche glänzt, müsse sie zweimal im Jahr abgewaschen werden. "Zwei Leute reichen aus, um das in sechs Monaten hinzukriegen", sagte Architekt Schüler, "wenn sie hinten fertig sind, können sie vorne wieder anfangen." Damit das mit möglichst wenig Aufwand vonstattengeht, hat Schüler zusammen mit seiner Frau seinerzeit die Fassadenelemente so entworfen, dass sie als Lamellen nach innen gedreht und dort geputzt werden können. Allerdings habe die Messegesellschaft seit acht Jahren diese Reinigung eingestellt, so Schüler. Daher sehe die Fassade schmuddelig und heruntergekommen aus, und es seien durch Verunreinigungen und Korrosion Schäden entstanden. Die Messegesellschaft wies diese Darstellung allerdings zurück. "Das ICC ist insgesamt in einem perfekten Zustand", sagte ihr Sprecher Hofer.

Dass eine Alu-Fassade durchaus zeitgemäß sei, so Schüler, belege der Turm des Fernsehzentrums des RBB am Theodor-Heuss-Platz oder das Bürogebäude der Rentenversicherung am Fehrbelliner Platz. Schüler: "Dort wird gereinigt, und die Fassade glänzt." Bei den Planungen für die anstehende Sanierung des ICC sind die Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte bislang außen vor.

Messechef Raimund Hosch hatte am Wochenende erklärt, die Instandsetzung solle während des laufenden Betriebs erfolgen. Neben einer neuen Fassade werde geprüft, ob auf dem Dach Solaranlagen montiert werden. Das ICC, das die Messe wegen hoher Betriebskosten am liebsten losgeworden wäre, wurde vor 30 Jahren eröffnet.

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