Sanierungsbedarf in Berlin : Adventskalender der maroden Schulen

Elternvertreter aus Steglitz-Zehlendorf veröffentlichen wieder ihren Adventskalender der maroden Schulen. Den Anfang macht eine alte Bekannte.

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Deckenplatten im Naturwissenschaften-Fachraum der Alt-Lankwitzer Grundschule.
Deckenplatten im Naturwissenschaften-Fachraum der Alt-Lankwitzer Grundschule.Foto: Karin Retzke

Jetzt wird es wieder ungemütlich für die Bau- und Schulstadträte in Steglitz-Zehlendorf. Es ist Advent, und das heißt, dass der Bezirkselternausschuss ihnen jeden Tag eine neue Ungeheuerlichkeit aus den maroden Schulen unter die Nase reiben wird – in ihrem mittlerweile über die Bezirksgrenzen bekannten Adventskalender auf dem Blog „Einstürzende Schulbauten“.

Den Anfang macht eine alte Bekannte: die Alt-Lankwitzer Grundschule. Das ist die Schule, in der Knöterich durch undichte Fugen ins Klassenzimmer wuchert und Efeu in den Turnhallenduschen wächst. Die Klassenzimmer sind in über 30 Jahre alten provisorischen Bauten untergebracht. Im Naturwissenschaftenraum hängen nach einem Wasserschaden seit vier Jahren kaputte Deckenplatten. Anfang November berichteten wir ausführlich über den desolaten Zustand der Schule.

Schon 2008 wiesen die Eltern auf den Knöterich hin

Die Eltern beschweren sich seit Jahren. Schon im Adventskalender des Jahres 2008 wiesen sie auf den Knöterich hin. In diesem Jahr schreiben die Elternvertreter außerdem: „An unserer Schule wird den Kindern weiterhin nahegelegt, das Wasser aus dem Hahn nicht zu trinken, da wiederholt Legionellen nachzuweisen waren.“

Marode Schulen
Im Dezember 2010 ist die Hufeland-Oberschule in den Plattenbau in Buch eingezogen. Bis 2008 war dort das Gauss-Gymnasium, das schließen musste - weil sich zu wenig Schüler angemeldet hatten.Weitere Bilder anzeigen
1 von 14Foto: Kitty Kleist-Heinrich
14.06.2011 11:30Im Dezember 2010 ist die Hufeland-Oberschule in den Plattenbau in Buch eingezogen. Bis 2008 war dort das Gauss-Gymnasium, das...

Konkrete Aussagen, wann an der Schule etwas passiere, sind aus dem Bezirksamt schwer zu bekommen. „Für die Zukunft plant das Schulamt, die Grundschule neu zu ordnen und den Abriss von zwei mobilen Unterrichtsräumen für die Investitionsplanung anzumelden“, teilte Immobilienstadtrat Michael Karnetzki (SPD) im November mit.

Steglitz-Zehlendorf hat nach bisherigen Schätzungen den berlinweit größten Sanierungsbedarf in den Schulen, mindestens 400 Millionen Euro wären nötig. So genau weiß man das im Bezirk aber nicht. „Eine Bestandsaufnahme würde zuviel kosten“, hatte Karnetzki im Sommer gesagt. Die Elternvertreter fordern die Einführung eines professionellen transparenten Gebäudemanagements.

Den Adventskalender der Eltern findet man unter wunschzettel.stiftungbildung.com

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