Sanierungsbedarf in Berlin : Senat setzt auf Modularbauten bei Feuerwehren

Modularbauten bauen sich schneller, sind billiger und damit schwer im Trend. Auch die Berliner Feuerwahr hat das Prinzip für sich entdeckt und baut ihre Wachen nun in Konfektionsgrößen.

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Auf 170 Millionen Euro hat Innensenator Andreas Geisel den Sanierungs- und Neubaubedarf bei den Wehren der Stadt beziffert.
Auf 170 Millionen Euro hat Innensenator Andreas Geisel den Sanierungs- und Neubaubedarf bei den Wehren der Stadt beziffert.Foto: imago/ Seeliger

Modular ist gerade en vogue, bei Flüchtlingsbauten, an Schulen und jetzt auch bei den Einsatzgebäuden der Freiwilligen Feuerwehr. Modular kostet weniger und geht schneller. Nach zähem Ringen zwischen den beteiligten Verwaltungen kann jetzt der Bau der ersten neuen modularen Musterfeuerwache in der kleinen Siedlung Rauchfangswerder im äußersten Südosten Berlins ausgeschrieben werden. Nur drei Millionen Euro soll die nagelneue Wache plus Hubschrauberlandeplatz kosten und noch in diesem Jahr bezugsfertig sein. Schöne neue Modulbauwelt.

Die Feuerwachenmodule gibt es laut Berliner Immobilien-Managment (BIM) in den Konfektionsgrößen M, L und XL. Je nach Bedarf werden die Module etwas größer oder kleiner bestellt und zusammengebaut. Wie das am Ende aussieht, kann man schon in einigen brandenburgischen Dörfern besichtigen. Dort sei man mit dem Bau neuer Wachen weitgehend fertig, sagt Lutz Großmann, Landesbeauftragter für die Berliner Freiwilligen Feuerwehren. „Dort sind alle zufrieden damit.“

34 zumeist Neubau- und Sanierungsvorhaben aus SIWA-Sondervermögen

Nach Rauchfangswerder sind das benachbarte Schmöckwitz und die Wache in Frohnau dran. Insgesamt seien sieben neue Wachen geplant, fünf davon in Treptow-Köpenick, sagte Bezirksbürgermeister Oliver Igel. Allerdings gab es dafür aus der Verwaltung von Innensenator Andreas Geisel keine Bestätigung. Neben den drei genannten Vorhaben wird noch ein Modulbau an der Feuerwehr- und Rettungsdienstakademie in Reinickendorf finanziert. Längerfristig soll die Akademie in die Flugzeug-Hangars von Tegel umziehen.

2015 wurden aus dem Sondervermögen Wachsende Stadt (SIWA) 21 Millionen Euro für die Feuerwehr bereitgestellt, inzwischen wurde das Programm um zehn Millionen Euro aufgestockt. In diesem Jahr werden daraus 34 zumeist kleinere Neubau- und Sanierungsvorhaben finanziert. 2019 soll der Neubau der Berufsfeuerwache Hohenschönhausen für zwölf Millionen Euro beginnen. Bis 2020/21 erhält die Freiwillige Feuerwehr in Altglienicke eine neue Rettungswache für rund 5,9 Millionen Euro. Zwei Jahre später sollen Feuer- und Rettungswache für Prenzlauer Berg an zwei Standorten gebaut sein. Das geht aus der Antwort der Innenverwaltung auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Danny Freymark hervor.

Sanierungsbedarf von 170 Millionen Euro bei den Wehren

Auf 170 Millionen Euro bezifferte Geisel zuletzt den Sanierungs- und Neubaubedarf bei den Wehren der Stadt. Im Vergleich zu den Milliardenbeträgen an Schulen- und Polizeigebäuden sind das fast Peanuts. Die Feuerwehrleute selbst bleiben skeptisch, ob alles so kommen wird wie angekündigt. Um die Wache Rauchfangswerder durchzusetzen, musste der Revierleiter zweimal mit der Stilllegung des Betriebs drohen. Zuletzt ging es um die Frage, ob für einen Hubschrauberlandeplatz Bäume gefällt werden dürfen und das Baugrundstück richtig vermessen und eingetragen ist. „Berlin übt noch Feuerwachen bauen“, sagte Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) nach einer Krisensitzung mit den zuständigen Verwaltungen.

„Kleene Zuständigkeitsscharmützel“ nennt das Lutz Großmann. Der Informationsfluss zwischen der BIM, die als Bauträger auftritt, und den betroffenen Wehren gerate oft ins Stocken.

In Schmöckwitz sei der Bau auch noch nicht in trockenen Tüchern. Dort gebe es noch Probleme mit der BVG, die ein Grundstück nicht abgeben könne, solange es Streitigkeiten mit dem Alteigentümer gebe. Ein anderes Grundstück komme aber nicht in Frage, weil man eine Freiwillige Feuerwehr nicht einfach verpflanzen könne, ohne die Kameraden zu vergraulen, sagt Großmann. Und die Sicherheit der Berliner besonders in den innenstadtfernen Randlagen hänge eben vom Funktionieren des freiwilligen Einsatzes ab.

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