Berlin : Sarah Wiener, Köchin

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Neuntausendeinhundertvierzig Ergebnisse liefert Google zu diesem Namen. Darunter ist eine witzige Internetseite über ihre drei Berliner Restaurants, ihr „Tracking Catering“ oder den „Sarah Shop“. Da sitzt die schlanke, junge und ansteckend dynamische Unternehmerin mit der Wiener Farbe in ihrer Stimme in ihrem „Café Restaurant“ hinterm Hamburger Bahnhof am Kanal und es sprudelt nur so aus ihr: über ihre Kindheit in Wien. Eng und wie ein Gefängnis hat sie diese Stadt später empfunden. Sie erzählt von ihren unvollendeten Schulversuchen, von Scharmützeln mit der Polizei, von ihrer „Flucht aus Wien“ mit 16 nach Sizilien – und bald nach Berlin.

Dort verbrachte ihr Vater Ossi, eigentlich Wissenschaftler, viele Nächte in seinem Restaurant „Exil“ in Kreuzberg. Und Sarah arbeitete bei ihm als Küchenhilfe. Schon damals wollte sie „alles wissen“. Reisen, reisen – auch mal auf den Flügeln von berauschenden Stoffen. Zwei Ehen in sieben Jahren und ein Sohn.

Mit dem Fall der Mauer begann ihr Aufstieg und der ihrer Marke „Sarah Wiener“. Nichts gelernt habe sie, aber sie hatte eine geniale Geschäftsidee, eine ideale Verbindung von dem, was sie mag und kann: Reisen und Kochen. Ihre Klientel sind die Stars, Starlets, Statisten und die vielen hungrigen Techniker und Assistenten, die bei Dreharbeiten versorgt werden wollen. „Nach Sarah Wieners Kochkünsten leckt sich nicht nur Kate Moss die Lippen“, schrieb einer. Mit einer Gulaschkanone und dem Film „Wild Party“ fing alles an, heute umsorgen gut 200 Mitarbeiter die Gäste „in Berlin und Europa“, die dafür pro Jahr „ein paar Millionen“ ausgeben.

Im Herbst erscheint ihr erstes Kochbuch. Zunächst eins für die Winterküche „mit Mehlspeisen und so“ – und dann was für den Sommergaumen, mediterran und asiatisch. In fünf Jahren wird die Marke „Sarah Wiener“ so groß sein, „dass sie sich genieren wird zu sagen, dass sie Sarah Wiener sei“. Dann will sie Rezepte sammeln in entlegenen Regionen, die zu verkümmern drohen oder Kinderbücher schreiben. Sie wird in Berlin wohnen und irgendwo ein „Haus im Süden“ haben.

Berlin, das sei „eine schwierige Liebe“. Lange Zeit habe sie weder den Dialekt noch den Humor der Berliner verstanden. „Ihre Direktheit ist schockierend.“ Heute findet sie die Stadt „toll, freigeistig“. Jeder könne machen, was er will. „Nur traurig, dass hier so wenig Geld ist.“

Heik Afheldt war Herausgeber von „Handelsblatt“, „Wirtschaftswoche“ und des Tagesspiegel.

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