• Sarrazin bleibt beim Preis fürs Metropol hart Finanzsenator würde lieber gar nicht verkaufen statt zu billig

Berlin : Sarrazin bleibt beim Preis fürs Metropol hart Finanzsenator würde lieber gar nicht verkaufen statt zu billig

Ulrich Zawatka-Gerlach

Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) will sich nicht irgendwann vorwerfen lassen, er habe Anfang 2004 das Metropol-Theater leichtsinnig verschleudert. „Vor dem Hintergrund der extremen Haushaltsnotlage lasse ich mir nicht anhängen, ein Grundstück in bester Lage mit einem Verkehrswert von 15 Millionen Euro weit unter Wert verkauft zu haben“, sagte er am Montag dem Tagesspiegel. Sarrazin sprach sich dafür aus, das Metropol erneut auszuschreiben. „Mit deutlich abgemagerten Denkmalschutzauflagen“ im Vergleich zum ersten Verkaufsangebot.

Der Finanzsenator weiß, dass der Berliner Immobilienmarkt am Boden liegt. Aber der Senat solle wenigstens den Versuch wagen, „diesen wertvollen Vermögensgegenstand“ zu einem angemessenen Preis zu veräußern. „Zur Not sollten wir den Mut haben, das Grundstück eine Weile liegen zu lassen und dem Markt die Chance zu geben, sich zu erholen.“ Das hätten die Stadtväter im Berlin des späten 19. Jahrhunderts in vergleichbarer Situation ebenso gemacht. Sarrazin verwies auf die zentrale Lage des Grundstücks in der Friedrichstraße direkt neben dem S-Bahnhof.

Zudem hat der Finanzsenator das Nachbarareal im Auge, das ebenfalls dem Land gehört und – bisher ohne Erfolg – zum Verkauf ausgeschrieben ist. „Das ist ja nur ein Handtuch.“ Gemeinsam mit der Metropol-Liegenschaft sei die Verwertungschance größer. Den Vorwurf des Kulturveranstalters Falk Walter, der Finanzsenator habe sein Wort gebrochen, wies Sarrazin zurück. Walter betreibt in Treptow erfolgreich die Veranstaltungshalle „Arena“, und er will für eine Million Euro das 4785 Quadratmeter große Grundstück kaufen, auf dem das sanierungsbedürftige Metropol-Theater, der einstige Admiralspalast und ein Betriebsgebäude stehen. Dort will Walter „modernes großstädtisches Volkstheater“ und Konzerte anbieten, einen Club einrichten, das alte Thermalbad erneuern und mit dem Kabarett „Distel“ zusammenarbeiten.

Der landeseigene Liegenschaftsfonds hatte, mit Zustimmung des vom Senat eingesetzten Lenkungsausschusses, dem Arena- Chef im Juli 2003 den Zuschlag erteilt. Der Vertrag war unterschriftsreif, doch Sarrazin intervenierte. Er sieht sich gegenüber Walter nicht im Wort, denn der Liegenschaftsfonds arbeite unabhängig von der Finanzverwaltung. Das Verfahren sei gewiss „ordentlich verlaufen“, aber unter dem Gesichtspunkt der Grundstücksverwertung sei das Ergebnis unzulänglich. Selbst unter der Bedingung, die historische Fassade des Hauses zu erhalten, betrage der Verkehrswert 15 Millionen Euro.

Der Senat, der den Metropol-Verkauf heute auf der Tagesordnung hat, wird sich der Meinung Sarrazins voraussichtlich nicht anschließen. Die Waage neige sich zugunsten der Arena-Leute, hieß es gestern in Senatskreisen. Am Ende könnte die Haltung des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit ausschlaggebend sein, der sich bis jetzt – auch intern – neutral verhalten hat. Wowereit ließ sich gestern von Walter dessen Betreiberkonzept für das Metropol erklären.

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