Sarrazin : Keine Einigung zwischen Haus der Kulturen und Festivalleitung

Im Streit um die geplante Buchvorstellung von Thilo Sarrazin bleiben die Akteure bei ihren Positionen. Der Migrationsrat kündigt weitere Proteste an.

Stephanie Kirchner
Das Haus der Kulturen der Welt in Berlin.
Das Haus der Kulturen der Welt in Berlin.Foto: dpa

Die Diskussion um den Auftritt des ehemaligen Finanzsenators Thilo Sarrazin im Haus der Kulturen der Welt scheint beendet: Sarrazin wird nach Aussagen des Intendanten des Hauses, Bernd Scherer, und des Festivalleiters Ulrich Schreiber definitiv nicht im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Berlin im Haus der Kulturen auftreten.

Scherer hatte gestern nach Protesten des Migrationsrates Berlin-Brandenburg damit gedroht, Sarrazin wieder auszuladen, sofern kein kritischer Gesprächspartner die Bühne mit ihm teile. Den Vorschlag der Festivalleitung, den ZDF-Journalisten Christhard Läpple als Moderator zu engagieren, wurde mit der Begründung abgelehnt, es handele sich nicht um eine Gegenstimme "auf Augenhöhe". Schreiber wehrte sich empört gegen den Vorwurf, das Literaturfestival sei nicht an einer kritischen Konterkarierung von Sarrazins Thesen interessiert. Vielmehr halte man es für wichtig, "die Position des Andersdenkenden" in einem kulturpolitischen Forum zu diskutieren. "Wir dürfen dieses Terrain nicht den Rechten überlassen," so der Festivalchef am Mittwoch.

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07.02.2012 08:19"Wenn die Energiekosten so hoch wären wie die Miete, würden sich die Leute überlegen, ob sie nicht mit dicken Pullovern bei 15, 16...

Nun teilte Schreiber mit, man werde sich nach einem anderen Ort für die Veranstaltung umsehen. Das Haus der Kulturen der Welt käme nicht mehr in Frage. "Das Thema ist durch. Das HKW hat sich weder vom Stil her noch in der Sache adäquat verhalten".

Auch das Haus der Kulturen rückt nicht von seiner Position ab. "Wenn Herrn Sarrazin kein politisches Gegengewicht zur Seite gestellt wird, wird die Veranstaltung nicht bei uns realisiert". Läpple als Moderator akzeptiere man weiterhin nicht. "Wir müssen sicher stellen, dass der Ruf des Hauses auch durch Veranstaltungen von Dritten nicht beschädigt wird," begründete Scherer seine Entscheidung. Er wolle sich allerdings noch heute mit Schreiber treffen, um die gegenseitigen Positionen zu erörtern. Eine Änderung der Situation erwartet der Festivalchef sich davon nicht.

Der Migrationsrat Berlin-Brandenburg reagiert erwartungsgemäß positiv auf die Entscheidung des HDW, Sarrazin auszuladen. "Wir begrüßen, dass unser kritischer Protestbrief das Haus der Kulturen offenbar zum Nachdenken gebracht hat, und es sich nicht der Komplizenschaft mit Rassimus schuldig macht," so die Sprecherin des Migrationsrates, Nuran Yigit. Dennoch würde man die Proteste gegen Sarrazins Auftritt im Rahmen des Literaturfestivals fortsetzen. Schreibers Argument, man müsse der Migrationsdebatte eine andere Plattform bieten, kann Yigit nicht nachvollziehen: "Das Literaturfestival würde ja auch keinen NPD-Funktionär einladen, um sich kritisch mit ihm auseinanderzusetzen". Für Montag wolle man sich zudem einer Demonstration gegen die für Montag geplante Buchvorstellung im Tagungshaus des Bundespresseamts anschließen.

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