Sauber Sache - Gemeinsame Sache : Schöneweide: Schöner fliegen

Beste Rampen und BMX-Tracks – dafür steht der Mellowpark. Am Aktionstag packen alle gemeinsam an.

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Hoch hinaus. An der BMX-Piste, wo 2014 ein Weltcup stattfand, sollen am Aktionstag Schäden ausgebessert werden.
Hoch hinaus. An der BMX-Piste, wo 2014 ein Weltcup stattfand, sollen am Aktionstag Schäden ausgebessert werden.Foto: picture alliance / dpa

Seit gut sechs Jahren kommt der 18-jährige Shawn mit seinem BMX-Rad fast jeden Tag zum Mellowpark in Oberschöneweide. Auf dem 66 000 Quadratmeter großen, wild bewachsenen Gelände trainiert er Sprünge und verfeinert seine Tricks. Früher war hier das Paul-Zobel-Stadion, dann war das Gelände mit 400 Meter Spree-Ufer mit Blick auf die Köpenicker Altstadt ungenutzt – bis auf einen Angelverein.

Heute surren hier die BMX-Räder nebeneinander, auf den Rampen rattert und rumpelt es. Aber Shawn kommt nicht nur zum Üben her, er hat selbst viele der Rampen mit aufgebaut. Erst letztens wieder mitten in der Hitzewelle im August: Drei Meter ist sie hoch, sagt Shawn stolz, und neun Meter breit. „Man fliegt länger“, beschreibt er ihren Reiz.

Der Mellowpark geht auf die Initiative von ein paar BMX-versessenen Berliner Jugendlichen zurück und zeigt, was entstehen kann, wenn man Jugendliche machen lässt. Am Anfang haben sie in der Nachbarschaft Sandhügel aufgeschüttet, erinnert sich Jan Bekurtz, 34 Jahre alt, dann heimlich im Wald erste kleine Rampen gebaut.

Strecke muss gewartet werden

Dann, im Jahr 1994, taten sich zehn Jugendliche im Verein All1 im Allende-Viertel zusammen, um Hallen und Gelände anmieten zu können. Sie fingen an, BMX-Veranstaltungen zu organisieren, und gestalteten in der Friedrichshagener Straße ein erstes Gelände für die verschiedenen BMX-Disziplinen. „Dirt“ zum Beispiel, bei dem die Fahrer Tricks ausführen, während sie über Erdhügel springen; oder „Flatland“, wo es um die Kombination von Figuren geht, vergleichbar mit Breakdance.

Mit Jugendlichen, die im Mellowpark Trainingscamps besuchen, gibt es regelmäßig Touren durch Berlin: Für die Disziplin „Street“ braucht es Hauswände und Treppengeländer, der öffentliche Raum dient als Rampe.

Seit 2012 gibt es im Mellowpark eine 450 Meter lange Supercross-Strecke, auf der auch das BMX-Nationalteam trainiert. Seit den Sommerspielen 2008 ist BMX olympische Disziplin. Die Strecke muss gewartet werden. Deswegen werden zum Aktionstag zahlreiche Helfer gesucht, um gemeinsam die Rennstrecke zu pflegen.

Mitglieder über Verein versichert

Es gilt, Unkaut zu beseitigen und Steine zu sammeln, um die Kante der Strecke zu befestigen, damit sie auf Dauer nicht wegbricht. Auch eine Bewässerungsanlage und naturnahe Tribünen sollen gebaut werden. Und hinter den Rampen sammelt sich immer wieder Müll.

Im Mellowpark legen die Jugendlichen immer wieder selbst Hand an. Sie arbeiten im Radverleih mit, helfen im Büro oder im Café und bekommen dafür Eintritt gutgeschrieben. Die 140 Mitglieder des Sportvereins entscheiden, ob sie einen Air-Hockey-Tisch brauchen und wie sie ihn auftreiben.

Auch Ausflüge zu BMX-Geländen in anderen Städten werden organisiert. Ein paar Jugendliche haben im Jugendverein auch schon ihre Ausbildung gemacht. Dass die Älteren den Jüngeren ihre Tricks zeigen, gehört für Shawn selbstverständlich dazu. Für Einsteiger wird jeden Sonntag eine Einführung angeboten, wie man die Rampen und Lehmhügel richtig fährt. Das Verletzungsrisiko ist hoch. Über den Verein sind die Mitglieder versichert.

Keine Unterstützung für Jugendarbeit

Für die Kombination, auf einem Gelände Subkultur, Jugendarbeit und olympische Disziplin zusammenzubringen, ist der Mellowpark weit über Berlin hinaus bekannt. 2014 starteten hier zum Weltcup 180 internationale Fahrer. Manche Jugendliche kommen extra wegen des Mellowparks in die Stadt. So Simon, zwölf Jahre, aus Braunschweig. Im Sommer besucht er schon zum zweiten Mal seine Großtante in Berlin und verbringt dann seine Tage im Mellowpark.

Was die Förderung betrifft, macht der Sport- und Jugendverein einen Spagat: Einerseits sponsern große Unternehmen Veranstaltungen wie 2012 die Red Bull R.Evolution. Für die Basisarbeit mit den Jugendlichen gibt es aber keine laufende Unterstützung. Allein die Kosten für die Straßenreinigung des langen Grundstücks zu tragen, sei eine Herausforderung.

Hoffen auf den Senat

Ein Förderverein wurde gegründet, damit Eltern finanziell unterstützen können. Das Mellowpark-Team hofft aber auch auf den Senat, der nach der gescheiterten Olympia-Bewerbung ankündigte, stärker „urbane“ Sportarten zu fördern.

Längerfristig geht es für das Team und die Jugendlichen auch um den Verbleib auf dem Gelände. Schon Ende 2008 mussten sie vom ursprünglichen Gelände an den Standort an der Wuhlheide ausweichen und alles neu aufbauen, sie hatten die Nachbareigentümer gestört. Das jetzige Gelände wurde bereits 2009 auf sechs Millionen Euro geschätzt, entlang der Spree wird viel gebaut. Bis 2020 läuft der Vertrag. Das Team des Mellowparks hofft, dass das Gelände langfristig für Sport- und Jugendarbeit gesichert wird.

Aktion: Sa, 19. 9., 11–16 Uhr, An der Wuhlheide 250, Infos: www.mellowpark.de. Werkzeug kann gerne mitgebracht werden.

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