Berlin : Saubere Idee für die Spree

Im Fluss wäre das Baden wieder unbedenklich, wenn man den Kanalisationsdreck wegfiltert. Eine neue Studie zeigt, wie es geht

Matthias Oloew

Die Idee ist so simpel wie faszinierend. Große Behälter am Boden der Spree sammeln das Dreckwasser, das nach starken Regengüssen bisher ungeklärt in den Fluss gelangt. Das passiert, weil die Kanalisation diese plötzlichen Wassermengen nicht aufnehmen kann. Die in die Behälter geleitete Brühe bleibt so lange dort, bis in der Kanalisation wieder Platz ist. Dann wird das Dreckwasser zurückgepumpt und gelangt so zum Klärwerk. Die Folge: Die Spree wäre deutlich sauberer. Vielleicht sogar so sauber, dass man wieder darin baden kann.

Ralf Steeg heißt der Mann, der glaubt, dass es so funktionieren kann. Der Landschaftsplaner ist kein Fachmann. Aber einer, der viel Energie für seine Idee verwendet. Rückenwind spürt er durch eine jetzt fertiggestellte Studie, die seine Überzeugung stützt: Technisch ist alles machbar. „Spree 2011“ nennt er sein Projekt. Bis 2011 soll der Fluss sauberer sein. „Der nächste Schritt ist der Bau einer Pilotanlage“, sagt Steeg, „damit wir zeigen können, dass es wirklich funktioniert.“

Ein Jahr sollen die Forschungen daran dauern, die Steeg in Zusammenarbeit mit TU, TFH und Fachingenieuren machen will. Danach will er im Osthafen die ersten Pontons zu Wasser lassen. 26000 Kubikmeter sollen sie fassen und das Wasser zwischen Elsen- und Oberbaumbrücke reinigen helfen. Ein Antrag auf Förderung beim Bundesforschungsministerium sei auf dem Weg, die Chancen stünden gut, sagt Steeg. Auf 1,7 Millionen Euro beziffert er die Kosten. Außerdem gebe es ernsthafte Gespräche, die Fläche oberhalb der Pontons zu nutzen: schwimmende Cafés, Bars oder Freilichtbühnen, alles sei denkbar, so Steeg.

Eine Vermietung soll helfen, die Kosten für den Bau der Anlage aufzufangen. Die ersten Behälter will er vor den Studios von MTV ins Wasser bauen. „Zunächst dachten wir an Pontons aus Stahl“, sagt Steeg. Ein Hersteller von Autoreifen brachte ihn aber auf die Idee, stattdessen einen Industriekautschuk zu verwenden. „Der ist extrem belastbar, langlebig und günstig.“ Um 70 Prozent könnten die Baukosten der Pontons gesenkt werden. Jetzt seien sie konkurrenzlos billig gegenüber konventionellen Lösungen.

Eine solche besteht aus Rückhaltebecken für das Regenwasser, die aus Beton errichtet und im Erdreich versenkt werden. Oder aber in computergestützten Wehren, die in den Rohren der Berliner Kanalisation eingebaut werden. Auf diese Weise könnten ungenutzte Kapazitäten in dem unterirdischen System verwendet werden. Das Wasser staute sich und würde nach und nach an die Klärwerke abgegeben.

Die Experten der Berliner Wasserbetriebe sind skeptisch, was Steegs Ideen angeht. „Trotzdem haben wir die jetzt fertiggestellte Studie unterstützt und begleiten das Projekt weiterhin“, sagt ihr Sprecher Stephan Natz. Geld würden die Wasserbetriebe nicht investieren, sondern das Projekt durch Know-how der eigenen Fachleute unterstützen. Die Pilotanlage würde man nur mitfinanzieren, wenn auch die Stadt sich daran beteilige.

Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Die für sauberes Wasser zuständige Stadtentwicklungsverwaltung geht deutlich auf Distanz. „Ich glaube nicht, dass die Pontons eine Alternative sind“, sagt Wolfgang Bergfelder, zuständiger Abteilungsleiter. Und: „Ich lasse mich nicht unter Druck setzen.“ Er hält an dem bislang festgelegten Sanierungsplan für die Berliner Kanalisation fest. Der sieht vor, das Rohrleitungssystem für rund 80 Millionen Euro zu renovieren. Ralf Steeg sagt, und das ist auch das Ergebnis der Studie, die Ponton-Idee könne der Stadt Millionen an Investitionen sparen.

Langsam drängt die Zeit. Bis 2015 muss Berlin eine Wasserrichtlinie der EU umgesetzt haben, und das geht nur, wenn das ungefilterte Regenwasser nicht mehr in die Spree gelangt. Ralf Steeg sagt, mit seiner Lösung könne die Stadt viel Geld sparen. Er glaubt trotz der Bedenken unbeirrt an seine Idee. „Wir denken jetzt daran, sie industriell zu vermarkten“, sagt er, „das wäre innovative Wassertechnik, made in Berlin.“

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