Saubere Sache - Gemeinsame Sache : Friedrichshain: Berlin hilft uns, wir helfen Berlin

Für die Mitarbeiter von Immobilienscout24 hat Helfen schon Tradition. Jetzt engagieren sie sich für ein Flüchtlingsheim.

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Scouties sind dabei. Sonja May (v. li.), Jessica D’Ovidio, Christian Gisy, Viola Raddatz und Mareen Walus.
Scouties sind dabei. Sonja May (v. li.), Jessica D’Ovidio, Christian Gisy, Viola Raddatz und Mareen Walus.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Es ist nicht unüblich, dass Unternehmen Geld für soziale Zwecke stiften. Dass alle Mitarbeiter selber regelmäßig Hand anlegen und dafür von ihrem Arbeitgeber frei bekommen, ist dagegen eher ungewöhnlich. Beim Internetunternehmen Immobilienscout24 haben Social Days eine fünfjährige Tradition.

Dann werden bei Kinderhilfswerken Räume tapeziert, Bienenhotels gebaut und Gärten neu bepflanzt. Rentner in ihren Rollstühlen spazieren gefahren oder die Gräber auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee gepflegt. „Der Social Day ist keine von oben verordnete Initiative, sondern eine Idee der Mitarbeiter“, sagt Geschäftsführer Christian Gisy.

In den USA haben Mitarbeiter des Internetkonzerns die Idee aufgeschnappt. Die Teilnahme ist freiwillig, darauf legt Gisy Wert. Mehr als 400 der in Friedrichshain ansässigen 550 Mitarbeiter haben am letzten Ehrenamtstag teilgenommen.

So wurden für einen Tag aus IT-Spezialisten Gärtner, aus Buchhaltern Pflegekräfte und aus Kaufleuten Handwerker. 12 der Scouties, wie sich die Mitarbeiter auch nennen, halfen dem Nabu bei der Biotoppflege der Sanddüne Wedding – Berlins einziger eiszeitlichen Binnendüne. Sie befreiten sie von Unkraut und machten das Naturdenkmal für Besucher wieder sichtbar.

„Wir sind als Unternehmen in Berlin groß geworden und möchten der Stadt deshalb etwas zurückgeben“, erklärt Gisy. Genauso wolle das Unternehmen etwas für die eigenen Mitarbeiter tun. „Der Social Day fördert die Motivation“, sagt Gisy. Viele Mitarbeiter des Unternehmens hätten den Drang, sich gesellschaftlich zu engagieren.

Mitarbeiter schmücken Wunschbäume

„Bei allen Projekten arbeiten wir seit Jahren mit festen Partnern zusammen, da uns die Nachhaltigkeit besonders wichtig ist“, sagt Mareen Walus, die sich um alle sozialen Projekte kümmert. Dazu gehört neben dem Social Day auch eine jährliche Kleidersammel- sowie Wunschbaum-Aktion. Und sie organisiert auch die Social Academy, eine Initiative Berliner Unternehmen, die in Seminaren ihr Fachwissen an gemeinnützige Organisationen weitergeben.

Ein fester Partner ist auch der Berliner Verein Sozialhelden, dem das Unternehmen seit fünf Jahren kostenlos seine Büroräume zur Verfügung stellt und das auch vom technischen Personal des Hauses unterstützt wird.

Ab dem 14. September sammeln die Mitarbeiter an fünf Tagen Kleiderspenden für Flüchtlinge. Ein Mitarbeiter hat den Kontakt zu einem Flüchtlingsheim in Marzahn-Hellersdorf hergestellt und hat mit den Mitarbeitern besprochen, was den Flüchtlingen fehlt und was ihnen wirklich nützt, damit die Spendenbereitschaft nicht ins Leere läuft. Am 18. September, am Aktionstag der „Gemeinsamen Sache“ sollen die Kleider dem Heim übergeben werden.

Mehr Spaß als beim Betriebsausflug

Doch ist ein einziger Tag im Jahr nicht zu wenig, um wirklich große Dinge zu bewirken? Dem widerspricht Gisy: „Man kann unglaublich viele Gartenmöbel streichen, wenn 15 Menschen gemeinsam anpacken“, sagt er. Es gebe auch Kollegen, die einem Verein beigetreten sind, den sie beim Ehrenamtstag kennengelernt hatten.

Beim Social Day, der einigen Angestellten mehr Spaß bereitet als ein Betriebsausflug, kann man eben auch Kontakte knüpfen. „Man kommt unverkrampft mit Kollegen ins Gespräch, die in anderen Abteilungen arbeiten“, sagt Mitarbeiterin Jessica D’Ovidio. Der Social Day öffne den Blickwinkel, betont Werkstudentin Viola Raddatz. „Man lernt andere Lebenswelten kennen und trifft auf Personen, zu denen man im Alltag kaum Kontakt hat.“

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