Saubere Sache in Kreuzberg : Muss das weg, oder ist das Kunst?

Nachhaltigkeit kann Spaß machen - und gut aussehen, meint Carolin Oelsner von der Kreuzberger „Thinkfarm“. Am Aktionstag Saubere Sache möchte die Initiative mit freiwilligen Helfern Müll sammeln und daraus ein Kunstobjekt herstellen.

Jana Scholz
Müll ist nicht gleich Müll, wissen Carolin Oelsner (links) und Annekathrin Otto von der Thinkfarm.
Müll ist nicht gleich Müll, wissen Carolin Oelsner (links) und Annekathrin Otto von der Thinkfarm.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Dass man nicht nur das eigene Heim, sondern auch den öffentlichen Raum sauber machen kann, wissen Carolin Oelsner und Anne-Kathrin Otto aus der Aktionskunst. Der Künstler Ursus Wehrli räumte bereits Parkplätze auf, indem er die dort parkenden Autos nach Farben sortiert umstellte. Mit seinen Happenings inspirierte er die beiden Initiatorinnen zu dem Workshop „Eco-Street-Art“ im Rahmen der Aktion „Saubere Sache“. „Wir wollten diese Art der Kunst mit einem ökologischen Mehrwert verbinden“, sagt Oelsner. Also kamen sie auf die Idee, beim Aufräumen nicht nur Kunst zu schaffen, sondern auch das öffentliche Bewusstsein für nachhaltiges Handeln zu stärken.

Zum Aktionstag am 13. September sammeln Oelsner und Otto mit den Freiwilligen im Umkreis der Kreuzberger Thinkfarm Müll und verarbeiten diesen anschließend zu einem Gesamtkunstwerk. Bei den letzten Workshops dieser Art fanden sich sogar Kuriositäten wie gebrauchte Hamsterkäfige, alte Unterwäsche und natürlich jede Menge Plastiktüten. Am Ende wurden diese zu riesigen Installationen zusammengesetzt. Mitmachen kann jeder – Anwohner, Aktivisten und Passanten. „Ich finde es toll, dass Menschen über eine spielerische Aktion mit dem Thema Nachhaltigkeit in Berührung kommen“, so Oelsner. Als Höhepunkt der Aktion wird das Kunstwerk fotografisch festgehalten, um es danach gemeinsam zu recyceln.

Dabei erhalten die Initiatorinnen Unterstützung von der BSR, aber auch von dem Verein „ReUse-Computer“, der gebrauchte IT-Technik vor der Vernichtung rettet. Der eingesammelte organische Müll wiederum wird von den benachbarten Prinzessinnengärten verwertet.

Achtlos weggeworfener Müll stört den Kreislauf der Natur

Carolin Oelsner und Anne-Kathrin Otto sind in der Thinkfarm tätig. Hier entwickeln sie Ideen, die nicht nur von einem ökologischen Bewusstsein zeugen. Auch das Leben der Menschen in den Berliner Kiezen liegt ihnen am Herzen. Oelsner ist eigentlich ausgebildete Designerin. Sie hat sich spezialisiert auf Kommunikationsdesign für Unternehmen, die sich zu ökologischen Werten bekennen. Den Workshop „Eco-Street-Art“ setzte sie bereits für verschiedene Bildungsinstitutionen um. Beim letzten Mal kreierte sie zusammen mit den Teilnehmern ein Kunstwerk aus eingesammeltem Abfall in Weißensee.

Sehen Sie hier Bilder aus dem vergangenen Jahr
Geschafft. Christine Thumm (links), Gründerin der Initiative "Serve the city", freut sich mit einer Freiwilligen über den gesammelten Müll. Wie tausende andere Freiwillige haben die beiden Frauen für unsere Aktion "Saubere Sache" selbst angepackt. An mehr als 180 Orten in der gesamten Stadt haben Bürgerinnen und Bürger die Stadt geputzt und verschönert. Wir waren fast überall dabei und haben für Sie fotografiert. Einen Überblick über alle Aktionen finden Sie hier.Weitere Bilder anzeigen
1 von 222Foto: Bettina Malter
15.09.2013 12:32Geschafft. Christine Thumm (links), Gründerin der Initiative "Serve the city", freut sich mit einer Freiwilligen über den...

In der Thinkfarm in der Oranienstraße sind solche innovativen Konzepte Programm. Die Kreuzberger Einrichtung bietet Menschen einen Arbeitsort, die mit ganz verschiedenen Projekten sozial-ökologischen Wandel schaffen wollen. Die Thinkfarm versteht sich als Co-Working-Space rund um das Thema Nachhaltigkeit. Sie beherbergt Start-ups, die etwa fair gehandelten Kaffee aus Guatemala vertreiben oder Bier, durch dessen Verkauf soziale Initiativen im Kiez unterstützt werden.

Auch mit der Bio Company gibt es eine Kooperation: Nicht verkaufte Lebensmittel überlässt der Biomarkt der Thinkfarm. Daraus wird jeden Mittwoch ein günstiger Mittagstisch zubereitet. Den Flüchtlingen, die bis vor kurzem auf dem Oranienplatz lebten, spendete das Gemeinschaftsbüro übrig gebliebenes Brot.

„Die Aktion soll ein Mahnmal sein, das zeigt, wie achtlos weggeworfener Müll den Kreislauf der Natur stören kann.“ Doch Oelsner möchte nicht mit erhobenem Zeigefinger durch Kreuzberg gehen. Sie will zeigen, dass Nachhaltigkeit Spaß machen und sogar einen ästhetischen Mehrwert besitzen kann.

Interessierte sind herzlich eingeladen, am Sonnabend, dem 13. September, am Workshop Eco-Street-Art teilzunehmen. Zeit: 14–18 Uhr, Treffpunkt: Oranienstr. 183, Aufgang C. Ansprechpartnerin ist Carolin Oelsner (Tel.: 0176 44568234, E-Mail: mail@carolin-oelsner.de), www.thinkfarm.de

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