Saubere Sache in Mitte : Eine himmlische Nachbarschaft

Blumen, Kräuter, Ruhe - und das im Herzen Weddings. Das interkulturelle Projekt „himmelbeet“ ist Garten und Kontaktbörse zugleich und bastelt am Aktionstag "Saubere Sache" kleine Blumenbeete aus ausgewaschenen Tetrapacks.

Johanna Sailer
Hier wird der Großstadtwahnsinn vergessen - Das interkulturelle "Himmelbeet" an der Ruheplatzstraße.
Hier wird der Großstadtwahnsinn vergessen - Das interkulturelle "Himmelbeet" an der Ruheplatzstraße.Foto: promo

„Das Himmelbeet ist ein richtig guter Ort zum Flirten!“, sagt Bernd. Er steht vor dem kleinen Infostand und spricht mit einer Frau, die eine Tomatenpflanze in der Hand hält. Eben noch fragte Bernd sie über ihren Balkon aus und gab ihr Tipps zum Einpflanzen. Er hätte nicht mal einen Balkon und zahle sowieso viel zu viel Miete. Fast zehn Euro pro Quadratmeter. „Und das im Wedding.“

Bernd wohnt in der Maxstraße, direkt nebenan. Er ist vierzig Jahre alt und gehörlos. Vor drei Monaten hat er das Himmelbeet entdeckt. Seither ist er fast täglich hier, hilft beim Gärtnern und Bauen, aber am liebsten knüpft er Kontakte. „Ich habe ja auch schon eine Idee für eine Veranstaltung im Himmelbeet: Ein Gebärdensprachkurs“, erzählt Bernd der Frau mit der Tomatenpflanze.

Das "himmelbeet" füllt eine Lücke im Wedding: Die Ruhe

Die beiden befinden sich in der Ruheplatzstraße in Wedding unweit des Leopoldplatzes. Seit einem Jahr versteckt sich hinter einer Bretterwand auf einer ehemaligen Brachfläche das interkulturelle Gartenprojekt „himmelbeet“, das offen für jeden sein möchte – unabhängig von Altersgruppe, Geschlecht sowie topografischer oder sozialer Herkunft. Der Garten richtet sich besonders an die umliegende Nachbarschaft, doch Besucher aus anderen Bezirken sind ebenso willkommen.

Straßenlärm, Gestank und Stress scheinen hinterm Bretterzaun abgeschnitten zu sein. Das „himmelbeet“ schafft, was dem Wedding bislang noch fehlte: einen ruhigen Ort der Begegnung. Das Gartenprojekt ist nicht nur etwas für Ökonarren, sondern bietet eine Menge mehr, als nur in der Erde zu wühlen. Kinder können unter Anleitung Musikinstrumente basteln, Eltern an Imker-Workshops teilnehmen und die „himmelbeet“-Bienen kennenlernen oder sich beim abendlichen Musikprogramm unter dem Pavillon zu einem Getränk treffen. Am neuen Gartencafé begegnet man dann vielleicht dem Weddinger Kiezpolizisten, der im „himmelbeet“ sein Sonnenblumen-Beet hat. Hannah Lisa Linsmaier, die Gründerin des Gartenprojekts, ist ebenfalls oft zugegen – eifrig bemüht, Kontakte zu vermitteln, Informationen zu geben und neue Ideen zu fördern.

Gemeinsame Sache 2013
Geschafft. Christine Thumm (links), Gründerin der Initiative "Serve the city", freut sich mit einer Freiwilligen über den gesammelten Müll. Wie tausende andere Freiwillige haben die beiden Frauen für unsere Aktion "Saubere Sache" selbst angepackt. An mehr als 180 Orten in der gesamten Stadt haben Bürgerinnen und Bürger die Stadt geputzt und verschönert. Wir waren fast überall dabei und haben für Sie fotografiert. Einen Überblick über alle Aktionen finden Sie hier.Weitere Bilder anzeigen
1 von 222Foto: Bettina Malter
15.09.2013 12:32Geschafft. Christine Thumm (links), Gründerin der Initiative "Serve the city", freut sich mit einer Freiwilligen über den...

"Wir machen den Wedding grün"

Bernd scheint recht zu behalten. Der Garten ist ein guter Ort, um Kontakte zu knüpfen. Nach einem Jahr kennen sich schon viele Besucher und Helfer untereinander, sind aber offen für Neulinge. Fehlende Garten- und Bauerfahrung sind kein Hindernis, um mitzumachen. Aufgaben gibt es immer, und nebenbei auch noch die Möglichkeit, etwas Neues zu lernen. Fast wöchentlich sprießen neue Veranstaltungsreihen aus dem „himmelbeet“: Tangoabende, Kräuter-Workshops, zweisprachige Frauenworkshops, Kinder-Koch-Workshops, Kleinkunstabende ... Zwischen den Veranstaltungen ist das „himmelbeet“ der ideale Ort, die Seele baumeln zu lassen. Unter dem Sonnensegel, umgeben von Sonnenblumen oder auf den selbst gebauten Liegestühlen ist bei einer Flasche Limonade der Großstadtwahnsinn schnell vergessen.

Am Sonnabend, dem 13. September, wird das „himmelbeet“ am Aktionstag „Saubere Sache“ mitmachen. Unter dem Motto „Wir machen den Wedding grün“ soll eine verwahrloste Grünfläche neben dem „himmelbeet“-Gelände von Unkraut und Müll befreit und neu bepflanzt werden. Jeder Helfer ist willkommen. Außerdem wird es im Gemeinschaftsgarten zwei Workshops geben: Einen Seedball-Workshop und einen, bei dem man lernt, Miniblumenbeete aus Tetrapacks zu bauen (Bitte hierzu eigene ausgewaschene Tetrapacks mitbringen). Zusätzlich wird eine Gartenführung angeboten.

Das „himmelbeet“ befindet sich in der Ruheplatzstraße 12 in Wedding. Beginn: 12 Uhr, Infos gibt es auf: http://himmelbeet.com

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