Saubere Sache in Treptow-Köpenick : Wühler in der Wuhlheide

Wie Schnee knirschten die Kronkorken im Volkspark Wilmersdorf unter den Sandalen von Sabine Nebelung. Sie war verärgert und gründete den Verein "Parkengel", der gegen die müllverschneiten Parks vorgeht.

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Engel im Einsatz. Eine Aktion mit Google- Mitarbeitern im Tiergarten.
Engel im Einsatz. Eine Aktion mit Google- Mitarbeitern im Tiergarten.Foto: privat

Wie weiß geschneit lag der Volkspark Wilmersdorf, als Sabine Nebelung eines lauen Morgens über die Wiesen schlenderte. Doch das, was den Rasen weiß sprenkelte, war kein Schneewunder im Sommer. „Überall lagen Papierschnipsel und Plastikverpackungen“, erinnert sie sich. „Ich dachte sofort, da müsste man eine Kampagne starten.“ Also trommelte sie ein Dutzend Freunde zusammen; sie gründeten 2013 den Verein „Parkengel“ und säuberten den Volkspark, bis die Wiesen wieder liegenswert waren.

Die Engel schwirren aus

„Doch das war erst der Anfang.“ Nebelung, selbstständige PR-Beraterin, eine große, elegante Frau Anfang 50, läuft schnurstracks in den Görlitzer Park hinein. Unter ihren Sandalen knirschen Kronkorken und kleine Glasscherben, die wie falsche Diamanten zwischen den Schottersteinchen glitzern. „Gegen diesen Bodenbelag hier richtete sich die nächste Aktion.“

Dabei half ein Kreuzberger Reisebüro: 12 „Viventura“-Angestellte verwandelten sich im Juni für einen Tag in Parkengel und sammelten mit Müllbeuteln und Greifzangen all das ein, was Hundepfoten und Kinderfüße verletzen könnte. Das Reisebüro stellt wie viele andere Firmen seine Mitarbeiter je einen Tag im Jahr für bürgerschaftliche Aktionen frei.

Inzwischen schickte auch ein anderer Konzern dem Verein ein paar Engel. Mitte Juni halfen 15 Mitarbeiter der deutschen Google-Zentrale in Mitte bei einer Reinigungsaktion im Tiergarten. Glaubt man Nebelung, so arbeiteten sie ähnlich akribisch wie der Algorithmus ihrer Suchmaschine. „Die haben wirklich kein Fitzelchen Abfall übrig gelassen“, lobt sie. Die „Googler“ hätten jeden einzelnen Zigarrettenstummel vom Boden aufgelesen, säckeweise Müll aus dem Gebüsch gefischt und Hinweisschilder von Graffiti befreit.

Sehen Sie hier Bilder aus dem vergangenen Jahr
Geschafft. Christine Thumm (links), Gründerin der Initiative "Serve the city", freut sich mit einer Freiwilligen über den gesammelten Müll. Wie tausende andere Freiwillige haben die beiden Frauen für unsere Aktion "Saubere Sache" selbst angepackt. An mehr als 180 Orten in der gesamten Stadt haben Bürgerinnen und Bürger die Stadt geputzt und verschönert. Wir waren fast überall dabei und haben für Sie fotografiert. Einen Überblick über alle Aktionen finden Sie hier.Weitere Bilder anzeigen
1 von 222Foto: Bettina Malter
15.09.2013 12:32Geschafft. Christine Thumm (links), Gründerin der Initiative "Serve the city", freut sich mit einer Freiwilligen über den...

Müllverschneite Parks und mit Zigaretten bepflasterte Straßen

Weil die Ordnung oft nicht lange anhält, möchten die Vereinsmitglieder bald auch die Wurzeln des Problems in Angriff nehmen, statt nur Symptome zu bekämpfen. Sie planen Umweltbildungs-Workshops an Grundschulen und Kitas, die den Kleinen vermitteln sollen, welche Folgen es hat, Müll einfach liegen zu lassen. Etwa, dass das Alu-Papier für die Wurststulle erst nach 700 Jahren verrottet. Und dass eine Glasflasche auch noch im Jahr 8014 fast unverändert im Görlitzer Park liegen wird, wenn niemand sie wegräumt. Für diese Workshops bräuchten sie noch mehr Freiwillige mit pädagogischem Geschick. Ohnehin sind neue Parkengel willkommen. An den „Saubere Sache“-Aktionstagen am 12. und 13. September will der Verein mit ihnen in der Wuhlheide Bänke verschönern, fegen, Müll sammeln, Unkraut zupfen, Graffiti entfernen und die S-Bahn-Unterführung streichen.

Warum findet jede Aktion an einem anderen Ort statt? Nebelung hat dafür ihre Gründe. „Wir wollen mehr sein als eine lokale Stadtteilinitiative. Schließlich gibt es in ganz Berlin müllverschneite Parks.“ Sie hofft, dass der Verein einmal in der ganzen Stadt mehr Bewusstsein für saubere Grünflächen schafft. Ein betuchter Spender, der noch geheim bleiben muss, könnte ihnen bald dabei helfen. Dann könnten sie zum Beispiel in vielen Parks Blumen pflanzen, träumt Nebelung. Oder kostenlos kleine Taschen-Aschenbecher verteilen, damit Raucher die Wiesen nicht mehr mit Zigaretten pflastern. Vielleicht taucht auch mal jemand von ihnen in den Teich im Volkspark Wilmersdorf und fischt Schrott heraus. Nebelung lächelt: „Wir Parkengel wollen auf jeden Fall noch hoch hinaus.“

Die Parkengel werden aktiv am Freitag, 12.9., von 10 –16 Uhr, und Samstag, 13.9., von 10 –15 Uhr. Treffpunkt: Eingang Volkspark Wuhlheide, S-Bahnhof Wuhlheide. E-Mail: info@parkengel-ev.de

Mitmachen und Mitfeiern

Erst werden an den Aktionstagen die Ärmel aufgekrempelt und die Stadt schön gemacht – und eine Woche später wird gefeiert. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin und der Tagesspiegel laden alle Helfer am Freitag, dem 19. September zur Danke-Party in das Verlagsgebäude am Askanischen Platz 3 am Anhalter Bahnhof. Ab 17 Uhr sind alle Aktiven herzlich willkommen: Im Erdgeschoss gibt es ein Kulturprogramm mit Theater und Musik, dazu gibt es Getränke und Snacks. Begrüßt werden unsere Gäste von der Staatssekretärin für bürgerschaftliches Engagement, Hella Dunger-

Löper, der Vorsitzenden des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Barbara John, und der Tagesspiegel-Chefredaktion. Das Haus ist behindertengerecht. Der Eintritt ist frei. Wenn Sie mitfeiern wollen, schreiben Sie uns: sauberesache@tagesspiegel.de

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