Saubere Sache in Charlottenburg : Ein Leben mit dem Lietzensee

Die "Dienstags-Gruppe" um Irene Fritsch trifft sich einmal wöchentlich zur Parkpflege, hält Vorträge und Lesungen zu ihrer grünen Liebe: dem Park am Lietzensee. Beim Aktionstag Saubere Sache hofft sie auf Helfer.

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„Es ist immer schön, wenn man sieht, was man getan hat“, sagt Irene Fritsch, 70, pensionierte Lateinlehrerin und Parkverehrerin.
„Es ist immer schön, wenn man sieht, was man getan hat“, sagt Irene Fritsch, 70, pensionierte Lateinlehrerin und Parkverehrerin.Foto: Thilo Rückeis

Da, wo am Morgen noch zwei Meter hohes Unkraut wuchs, ist der Blick jetzt frei auf das Schilf und die Lilien am Ufer. „Es ist immer schön, wenn man sieht, was man getan hat“, sagt Irene Fritsch beim Gang durch den Lietzenseepark in Charlottenburg. Gemeinsam mit fünf anderen Helfern hat sie das Ufer vom Wildwuchs befreit. Seit neun Jahren gibt es den Verein Bürger für den Lietzensee e.V. zum Erhalt des Parks. Der Gründer Klaus Döring hatte Irene Fritsch gleich zu Beginn kontaktiert, weil er ihr Sachbuch „Leben am Lietzensee“ kannte. Sie, die damals noch als Lateinlehrerin arbeitete, machte sofort mit. „Ich habe mich gewundert, dass ich selbst noch nicht auf die Idee gekommen war.“ Sie rief die sogenannte „Dienstags-Gruppe“ ins Leben, die sich seither einmal wöchentlich zur Parkpflege trifft. Zudem organisiert Fritsch den monatlichen Lietzenseetreff mit Vorträgen im Piano Café in der Neuen Kantstraße. „Der Park gehört zu mir“, sagt Fritsch. Seit 1950 lebt sie in einem Zwanziger-Jahre-Bau am Lietzenseepark, zunächst als kleines Mädchen, heute mit ihrem Mann – die zwei Kinder sind inzwischen ausgezogen.

Sie hat alles gesammelt, was es über die Gegend zu wissen gibt, hat Sachbücher dazu verfasst und Krimiromane wie „Finale am Lietzensee“ und „Die Tote vom Lietzensee“. Der letzte Titel war „Charleston in der Drachenburg“. „Da habe ich mir den Lietzensee im Titel einmal verkniffen“, sagt Fritsch. Der Roman spielt aber selbstverständlich auch im und um den geliebten Park. Als Siebenjährige war sie mit den Eltern hierher gezogen. Damals gab es noch zwei Parkwächter. „Wenn wir im Gebüsch gespielt haben, kamen die Wächter mit der Trillerpfeife“, sagt Fritsch. Doch gespielt haben sie trotzdem, im Schutz der Hecken, die es damals noch gab. Heute hat Fritsch eine große Bibliothek in ihrer Wohnung, mit mehreren Reihen Literatur allein über Charlottenburg. Auch Archivalien sind hier untergebracht, die seit den siebziger Jahren bei der Arbeit in Bibliotheken, Archiven und nach Gesprächen mit Anwohnern zusammengekommen sind – lange, ohne dass Fritsch dabei einen Gedanken an Veröffentlichungen hegte. Erst 30 Jahre später erschien „Leben am Lietzensee“.

Danach schrieb Fritsch die Romane zu den unterschiedlichen geschichtlichen Phasen. Zudem hat Irene Fritsch als Herausgeberin und Autorin von drei Kapiteln soeben in ehrenamtlicher Arbeit die Chronik „100 Jahre Evangelische Kirchengemeinde Am Lietzensee“ fertiggestellt. Mit dem ehemaligen Gemeindepfarrer Bernd Beuster, der ebenfalls zur Chronik beigetragen hat, ist Fritsch zur Schule gegangen. Seit Jahren singt sie schon im Kirchenchor. Irene Fritsch bleibt nicht viel Zeit neben so viel Engagement und Familie. Wenn sie aber mal frei hat, sagt sie, „dann schreibe ich meinen nächsten Roman zu Ende.“ Da soll der Lietzensee wieder im Titel stehen.

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