Gemeinsame Sache in Friedrichshain-Kreuzberg 2014 : "Dürfen Nazis Döner essen?"

„Störungsmelder“ wie Dunja Hayali besuchen Schulklassen und engagieren sich gegen Rassismus. Spielerisch zeigen sie, wie Vorurteile entstehen und wie man dagegen vorgeht.

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Wo habe ich Vorurteile im Kopf? Diese Frage versucht ZDF-Moderatorin Dunja Hayali mit verschiedenen Schulklassen zu klären.
Wo habe ich Vorurteile im Kopf? Diese Frage versucht ZDF-Moderatorin Dunja Hayali mit verschiedenen Schulklassen zu klären.Foto: Promo

Seit sie fürs ZDF arbeitet, bekommt Dunja Hayali häufig Post von anderen Menschen mit Migrationshintergrund. Sie fragen, wie sie es geschafft hat. Die Eltern der Moderatorin des Morgenmagazins stammen aus dem Irak, sie selbst wurde im Ruhrgebiet geboren. Obwohl sie persönlich keinen Rassismus erlebt hat, engagiert sich die 40-Jährige im Verein „Gesicht Zeigen!“ mit anderen Prominenten wie Iris Berben und Günter Jauch für ein weltoffenes, tolerantes Deutschland. Mit seiner Dauerausstellung „7xjung“ in den Bahnbögen am S-Bahnhof Bellevue über Erfahrungen mit Ausgrenzung, Antisemitismus und Diskriminierung wurden Tausende von Jugendlichen erreicht.

Ihr dürfte geholfen haben, dass sie aus einem christlichen Akademikerhaushalt stammt, sagt Dunja Hayali. „Aber ich kenne genug Leute, die andere Erfahrungen gemacht haben“, begründet sie ihr Engagement. „Ich möchte nicht wegschauen, denn wer wegschaut, macht sich schuldig“, sagt die Moderatorin.

Schon in der Schule sei sie immer dazwischengegangen, wenn es Streit unter ihren Mitschülern gab. So war Dunja Hayali sofort bereit, als sie gefragt wurde, ob sie am Vereinsprojekt „Störungsmelder on Tour“ teilnehmen möchte. „Störungsmelder“ ist ein Weblog gegen Rechtsextremismus, und „on Tour“ gehen die prominenten Akteure in Schulen, um Aufklärungsarbeit bei Kindern und Jugendlichen zu leisten.

„Wenn ihr nicht selbstbewusst mit euren Wurzeln umgeht, wie sollen es dann andere tun?“

Schulen können sich um einen Besuch der „Störungsmelder“ bewerben. Ein Prominenter geht mit einem Team des Vereins in eine Klasse und diskutiert mit den Jugendlichen über deren Erfahrungen mit Rechts-, aber auch Linksradikalismus. Auch darüber, wie man sich verhält, wenn jemand angegriffen oder beschimpft wird, spricht man. Spielerisch wird aufgezeigt, wie unterschwellig Rassismus durch Klischees und Vorurteile beginnt. Beim Ja-Nein-Spiel müssen die Kids Fragen beantworten wie „Dürfen Nazis Döner essen?“ oder „Sollten alle Menschen, egal welcher Herkunft, die gleichen Rechte besitzen?“.

Gemeinsame Sache 2013
Geschafft. Christine Thumm (links), Gründerin der Initiative "Serve the city", freut sich mit einer Freiwilligen über den gesammelten Müll. Wie tausende andere Freiwillige haben die beiden Frauen für unsere Aktion "Saubere Sache" selbst angepackt. An mehr als 180 Orten in der gesamten Stadt haben Bürgerinnen und Bürger die Stadt geputzt und verschönert. Wir waren fast überall dabei und haben für Sie fotografiert. Einen Überblick über alle Aktionen finden Sie hier.Weitere Bilder anzeigen
1 von 222Foto: Bettina Malter
15.09.2013 12:32Geschafft. Christine Thumm (links), Gründerin der Initiative "Serve the city", freut sich mit einer Freiwilligen über den...

„Das ist unsere Zukunft, wir haben schon eine Generation verloren, wir dürfen die nächste Generation nicht wieder versauen“, sagt Dunja Hayali. Grundsätzlich wird mit den Jugendlichen auf Augenhöhe diskutiert. Jeder Prominente bringt bei den Schultreffen auch Elemente aus seiner Arbeit ein. So wird Hayali nach der Ausgewogenheit der Berichterstattung in den Medien gefragt und warum bei Meldungen über Muslime immer Bilder von Frauen mit Kopftüchern gezeigt werden. Fußballer Thomas Hitzlsperger wird nach seinem Outing eher auf Sport und Homosexualität eingehen, während Comedian Michael Mittermaier erklären muss, wie weit Humor gehen darf.

Aktuell hat „Gesicht Zeigen!“ auch Spenden gesammelt für das Spiel „VOR?urteile!“, dass die Sinne schärfen soll, um Äußerungen und Thesen mit rassistischen Inhalten zu erkennen, den Unterschied zwischen Vorurteilen und Klischees wahrzunehmen und Fakten gegen Vorurteile zu bieten.

„Wir geben den Schülern auch Anstöße, um sich selbst zu hinterfragen“, betont Hayali. „Wo habe ich Vorurteile im Kopf, wie kann ich mein Umfeld durch Änderung des eigenen Verhaltens verändern?“ Viele Jugendliche würden nicht zu ihren Wurzeln stehen, weil sie sich wegen ihrer Abstammung benachteiligt sehen. Denen sagt sie: „Wenn ihr nicht selbstbewusst mit euren Wurzeln umgeht, wie sollen es dann andere tun?“

Am 12. September wird im Rahmen der „Sauberen Sache“ von „Störungsmelder“ Peter Ruhenstroth-Bauer im Max-Planck-Gymnasium das Spiel „VOR?urteile“ übergeben. Weitere Informationen auf www.gesichtzeigen.de

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