Saubere Sache in Neukölln : „Das ist unser Wohnzimmer“

Der Verein Pro Schillerkiez will sein Viertel in Neukölln sauber halten – und mit Kultur beleben.

Jessica Tomala

Am 15. September um 11 Uhr beginnt die Putzaktion in der Okerstraße 36 in Neukölln, vor den Vereinsräumen des Pro Schillerkiez e. V. Kontakt können Sie zu den Initiatoren dieser Veranstaltung über einen Klick auf die Karte oben aufnehmen. Sie wollen sich an der Aktion beteiligen, aber an anderer Stelle aktiv werden? Hier können Sie Ihre eigene "Saubere Sache"-Aktion anmelden und mit dem Tagesspiegel in Kontakt treten.

Zum Beispiel Baumscheiben. Mike Kneisel, Beate Hanke und Regina Kownatzki (von links) engagieren sich mit anderen Anwohnern im Schillerkiez Neukölln.
Zum Beispiel Baumscheiben. Mike Kneisel, Beate Hanke und Regina Kownatzki (von links) engagieren sich mit anderen Anwohnern im...Foto: Georg Moritz

Mülleimer sind im Schillerkiez Mangelware, weiß Beate Hauke vom Verein Pro Schillerkiez. „Einmal ging ein kleines Mädchen vor mir her, das einen Kuchen einfach auf dem Boden werfen wollte“, sagt Hauke. „Doch im selben Moment, als ich sie darauf hinweisen wollte, den Kuchen doch einfach in einen Mülleimer zu werfen, fiel mir auf – da war gar keiner in nächster Nähe, der noch nicht überfüllt gewesen wäre.“ Seit diesem Erlebnis schaut sich die 59-Jährige lieber erst einmal nach einem leeren Mülleimer um, bevor sie die Spaziergänger dazu bewegen will, ihren Abfall doch in den dafür vorgesehenen Eimer zu werfen.

Beate Hauke liegt ihr Kiez am Herzen, obwohl sie seit 1980 ihren Lebensmittelpunkt in Heiligensee hat. Ihre Eltern haben vor vielen Jahren das Haus an der Okerstraße 36 gekauft, in dem der Verein seinen Sitz hat. „Ich habe das Haus mit ausgesucht, es ist mein Zuhause. Ich habe alle Veränderungen im Kiez miterlebt und mich aktiv eingesetzt. Der Schillerkiez gehört einfach zu mir“, erzählt Hauke. Die beiden Vereinsmitglieder Mike Kneisel (47) und Regina Kownatzki (54) stimmen ihr zu: „Außerdem bist du ja jeden Tag hier und die Leute kennen dich.“ Der Verein Pro Schillerkiez existiert seit sechs Jahren, gegründet wurde er aus einer Initiative der Haus- und Wohneigentümer heraus, die 1996 vom Quartiersmanager einberufen wurde. „Wir haben damals Fragebögen verteilt an die Anwohner und gefragt, was den Bewohnern fehlt, wofür wir uns einsetzen sollten – einfach was diesen Kiez schöner machen soll“, erzählt Hauke. Darauf gab es eine Menge Rückmeldungen und der Verein hat schon viel für den Schillerkiez unternommen. Hundekot-Tütenspender, Baumscheibenbegrünung, Reinigungs- und Entrümpelungsaktionen, Kiezfeste.

„Auch eine Wohnungsbörse haben wir 2004 aufgebaut“, sagt Kownatzki, die bis zu ihrem zwölften Lebensjahr im Schillerkiez wohnte, dann eine Pause von Neukölln brauchte und sich 1995, als sie ihren Kiez immer mehr vermisste, wieder hier niederließ. „Damals wollten sehr wenige Menschen hier hinziehen, der Schillerkiez war verpönt, Neukölln erst recht.“ Die Eigentümer der Wohnungen und Häuser halfen sich gegenseitig, vermittelten Mietern größere oder kleine Wohnungen – kümmerten sich.

Sehr stolz ist der Verein darauf, dass er den Wochenmarkt am Herrfurthplatz wiederbeleben konnte. „Die älteren Leute haben immer schwärmend vom alten Markt gesprochen, wie schön der doch gewesen sei“, sagt die in Kiel aufgewachsene Beate Hauke. 2008 gehörte der Verein zu den Gewinnern des Wettbewerbs für Stadtteil-Initiativen „Mittendrin Berlin“. Mit dem dort gewonnen Geld wurde der „Schillermarkt – Markt der Vielfalt“ im Mai 2009 wiedereröffnet. „Wir wollten keinen reinen Wochenmarkt, sondern einen Kunst- und Kulturmarkt, bei dem sich alle 164 in Neukölln lebenden Kulturen vorstellen können“, erzählt Hauke. Mit dem Ergebnis sind sie zufrieden.

Am Aktionstag des Tagesspiegels hoffen die 15 Mitglieder des Vereins auf viele fleißige Hände und Unterstützer. „Die wir aber natürlich auch sonst immer gut gebrauchen könnten“, sagt Kownatzki. „20 Besen und Greifzangen stehen bereit und warten nur darauf, benutzt zu werden.“ Ihr Ziel ist nicht nur, dass die Okerstraße am Aktionstag glänzt und vom Müll befreit wird. Hauke: „Wir wollen mit den Anwohnern auch ins Gespräch kommen und ihnen einfach sagen, dass die Okerstraße das Wohnzimmer von uns allen ist. Und wenn jeder nur ein bisschen anpackt – dann kann es hier noch schöner werden.“

Am 15. September um 11 Uhr beginnt die Putzaktion in der Okerstraße 36 in Neukölln, vor den Vereinsräumen des Pro Schillerkiez e. V. Kontakt können Sie zu den Initiatoren dieser Veranstaltung über einen Klick auf die Karte oben aufnehmen. Sie wollen sich an der Aktion beteiligen, aber an anderer Stelle aktiv werden? Hier können Sie Ihre eigene "Saubere Sache"-Aktion anmelden und mit dem Tagesspiegel in Kontakt treten.

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