Saubere Sache in Neukölln : Ordnung im Paradies

2007 gründete Christian Hoffmann, Leiter einer Umweltfirma und überzeugter Neuköllner, die Pyramidengärten am Columbiadamm. Die seien so international wie Neukölln auch, sagt Hoffmann, mit Grünpflanzen aus aller Welt. Auch mit anderen Projekten will der 49-Jährige den Bezirk verschönern helfen.

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Am 15. September, dem Aktionstag des Tagesspiegels, treffen sich Christian Hoffmann und das Quartiersmanagement um 12 Uhr in der Emserstr. 15 zur Pflanz- und Räumaktion. Helfer sind willkommen - klicken Sie einfach auf die Karte. Sie wollen sich an der Aktion beteiligen, aber an anderer Stelle aktiv werden? Hier können Sie Ihre eigene "Saubere Sache"-Aktion anmelden und mit dem Tagesspiegel in Kontakt treten.

Das Paradies von Christian Hoffmann liegt hinter einer roten Backsteinmauer. Und natürlich in Neukölln. Kurz durch das Gittertor hindurch, den kleinen Weg aus Rindenmulch entlang, und schon grinst Hoffmann, als hätte er sein Glück gefunden. Er steht im Pyramidengarten am Columbiadamm – überall Sonnenblumen, Gezirpe und massig Grünpflanzen. „So international wie Neukölln auch“, ruft der Fast-Zwei-Meter Mann stolz, während er wie ein Riese durch die Gemüsebeete stapft. Der Fingerhut ist aus Tschechien, die Maulbeeren aus Iran, Estragon aus Frankreich. Hier gärtnern Menschen aus allen Ecken der Welt.

Der 49-Jährige gerät vor lauter Begeisterung ein bisschen ins Wanken, die gewaltigen Arme rudern durch die warme Sommerluft. Es sieht aus, als sei er ein flatternder Paradiesvogel.

Den Pyramidengarten gibt es bereits seit 2007. Christian Hoffmann – Millimeterfrisur, verwaschenes blaues T-Shirt und getönte Franz Beckenbauer Brille – ist einer der Gründer, von Beruf Umweltberater. Seine Firma Umweltconsulting betreut eine Reihe von Projekten im Neuköllner Kiez. Teilweise mit eigenwilligen Namen. „Attacke gegen Hundekacke“ nennt sich zum Beispiel eine Initiative gegen Hundehaufen, die Hoffmann zusammen mit Schülern der Peter-Petersen-Schule organisiert.

Man kann fast sicher sein: Wenn im Norden Neuköllns große Umweltaktionen stattfinden, hat Hoffmann seine Finger im Spiel. „Ich habe eben einen grünen Daumen“, sagt er, als er sich ein paar Minuten später auf den Fahrersitz seines Autos fallen lässt. Er macht heute den Kiezführer und will am liebsten alle seine Projekte zeigen. Nächster Halt: Körnerkiez.

„Das kann doch nicht sein!“ Hoffmann hat die langen Arme jetzt ärgerlich in die Hüfte gestemmt. Er läuft über den Emser Platz. Erst vor ein paar Monaten haben er und seine Leute hier eine Fläche begrünt. Jetzt haben Hunde die kleine grüne Insel auf dem asphaltierten Platz bereits ordentlich umgegraben. „Über solche Halter könnte ich mich tierisch aufregen.“ Hoffmann schnaubt noch immer, als er kurze Zeit später wieder in seinem VW sitzt. Doch das alles ist kein Grund zur Entmutigung, immerhin ist er ein Vollblutoptimist und Naturverrückter. „Ich fühle mich als Mensch, der andere Menschen mitnimmt“ , sagt er, während er den Wagen durch die Thomasstraße lenkt. Am Straßenrand stehen Eimer mit Bauschutt. Viele würden hier wie in der Siegfriedstraße aus Bequemlichkeit einfach ihren Müll abladen, erzählt Hoffmann. Durch den angrenzenden Friedhof und den Parkplatz ist die Stelle günstig, um sich anschließend ungesehen aus dem Staub zu machen. Der Müll bleibt dann erst einmal liegen.

„Hier werden wir auch im Einsatz sein“, sagt Christian Hoffmann. Gemeint ist der große Kiezputz, der am 15. September im Körnerkiez stattfinden soll. Die Aufräumaktion veranstalten Hofmann und das Quartiersmanagement bereits seit 2005. 80 bis 100 Menschen packen jedes Jahr mit an, davon allein sind ein Drittel Kinder aus der Nachbarschaft. „Wir machen Neukölln“, steht dann auf ihren orangen T-Shirts. In diesem Jahr wollen sie im gesamten Körnerkiez Müll sammeln und eine kleine Pflanzaktion am Emser Platz starten. Es soll die Leute dazu motivieren, sich für ihren Kiez zu engagieren, sagt Hoffmann.

Engagement ist sein Lieblingswort und Engagement lebt er vor. Vielleicht hat das mit der Begeisterung zu tun, die Christian Hoffmann empfindet, wenn er durch sein Heimatviertel fährt. Irgendwie ist dieser Mann wie Neukölln und Neukölln ein wenig wie Hoffmann: herzlich, nicht übermäßig elegant, aber eben auch schön bunt. Er sagt: „Wir wollen Neukölln noch schöner machen.“

Am 15. September, dem Aktionstag des Tagesspiegels, treffen sich Christian Hoffmann und das Quartiersmanagement um 12 Uhr in der Emserstr. 15 zur Pflanz- und Räumaktion. Helfer sind willkommen. Anmeldung unter info@umweltconsulting.biz. Sie wollen sich an der Aktion beteiligen, aber an anderer Stelle aktiv werden? Hier können Sie Ihre eigene "Saubere Sache"-Aktion anmelden und mit dem Tagesspiegel in Kontakt treten.

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