Saubere Sache in Neukölln : We kehr for the Square

Gymnasiasten verschönern den Albert-Schweitzer-Platz in Neukölln vor ihrer Schule. Unter dem Titel „We kehr for the Square“ werden am 14. September Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums ab 14 Uhr ihren Vorplatz verschönern.

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Treffpunkt ist am 14. September vor dem Albert-Schweitzer-Gymnasium ab 14 Uhr. Helfer aus der Nachbarschaft sind herzlich willkommen. Kontakt können Sie zu den Initiatoren dieser Veranstaltung über einen Klick auf die Karte oben aufnehmen. Sie wollen sich an der Aktion beteiligen, aber an anderer Stelle aktiv werden? Hier können Sie Ihre eigene "Saubere Sache"-Aktion anmelden und mit dem Tagesspiegel in Kontakt treten.

Da wächst was. Die Schülergruppe „Die 12 Veränderer“ möchte den Platz vor ihrem Gymnasium gemeinsam mit den Nachbarn zu einem Schmuckstück machen. Hier gießen die Schüler Aylin und Burak gemeinsam mit dem Künstler Adam Page das vor den Sommerferien angelegte Pflanzbeet.
Da wächst was. Die Schülergruppe „Die 12 Veränderer“ möchte den Platz vor ihrem Gymnasium gemeinsam mit den Nachbarn zu einem...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Einer muss ja anfangen“, sagt Aylin und schaut auf die selbst gepflanzten Glanzmispeln am Albert-Schweitzer-Platz. Die 16-Jährige ist Schülerin am Albert-Schweitzer-Gymnasium und gehört zu den „12 Veränderern“. Die Schülergruppe engagiert sich seit 2010 für die Gestaltung des Platzes vor ihrer Schule. Die Kerngruppe besteht aus 18 Schülern eines Geschichts-Leistungskurses, dazu kommen Schüler einer Kunstklasse und einer Arbeitsgemeinschaft. Gemeinsam mit dem Künstlerduo Adam Page und Eva Hertzsch haben die Schüler erarbeitet, wie man Stadtraum gestalten und Bürger dabei beteiligen kann. Dabei arbeiten sie mit Nachbarn, Ladeninhabern, dem Bau- und dem Grünflächenamt zusammen. Kurz vor den Sommerferien haben die Schüler in einem Beet mit Mispel-Bäumchen einen Anfang gesetzt, haben gejätet und Müll weggebracht. Für die Aktion „Saubere Sache“ wollen sie gemeinsam mit Nachbarn aktiv werden. „Nicht jeder hat so einen Platz vor der Schule, das ist etwas Besonderes“, meint Aylin.

Der Albert-Schweitzer-Platz liegt in einer kleinen Nische der stark befahrenen Karl-Marx-Straße in Neukölln. Hübsch ist er nicht. Jeden Schultag sei der Hausmeister erst mal damit beschäftigt, Flaschen und Unrat wegzuräumen, erzählt Schulleiter Georg Krapp. „Dieser Platz ist Teil des Schulweges, Teil des Alltags“, sagt Krapp. Natürlich mache es einen Unterschied, ob es dort blüht oder ob man am liebsten die Augen zumachen und wegrennen will. „Das ist eine permanente psychologische Beeinflussung“, sagt er.

„Es geht auch um Prestige“, meint Yusuf, 17 Jahre alt und auch ein „Veränderer“. Er möchte sich auf dem Vorplatz wohlfühlen. „Wir wollen den Platz verschönern, dass man Lust hat, sich hinzusetzen und zu reden“, sagt auch die 17-jährige Adelina, die das Projekt gerade in Venedig bei einem Symposion der Architekturbiennale vorgestellt hat. Die Karl-Marx-Straße soll in den nächsten Jahren saniert werden, die Schüler wollen den Albert-Schweitzer-Platz dabei gerne mitgestalten. In Umfragen haben sie schon Wünsche der Anwohner für den Platz abgefragt, haben Flugblätter in Briefkästen gesteckt und mit Tee auf der Straße das direkte Gespräch mit den Neuköllnern gesucht. In Rollenspielen haben sie sich die unterschiedlichen Perspektiven der Ladenbesitzer und Mieter erarbeitet und von der Technischen Universität Berlin, vom Quartiersmanagement, und von Künstlern Anregungen geholt. Eine Reise führte sie nach London, um im Vorfeld der Olympischen Spiele mit Stadtplanern und Bewohnern zu sprechen.

„Hier ist jahrelang nichts passiert, obwohl der Platz Potenzial hat, ein ‚Kiez-Platz’ zu sein“, sagt Projektleiter Adam Page. Nachhaltigkeit heißt für ihn, auch Kompromisse zu schließen und zu verstehen, dass nicht alles auf Knopfdruck geschieht und man andere Menschen braucht, auf die man sich verlassen kann – so wie auf einige der Schüler. Architekten und Künstler loben das Projekt, von den Ämtern in Berlin fühlen sich manche Schüler aber nicht so ernst genommen, erzählen sie. Ein Pavillon, den die Schüler gestaltet haben, darf aus Sicherheitsbedenken nicht auf dem Platz aufgestellt werden. Nun bemühe man sich, ob es für die Einzelteile eine Genehmigung gibt. Die alten Büsche würde man gerne entfernen und Blumenbeete bepflanzen, mehr Farbe auf den Platz bringen, aber sie sind eben nicht Schuleigentum.

Mittlerweile haben die Schüler Erfahrung mit lokaler Politik und Verwaltung. Sie sagen sich, dass es ein langer Prozess sei, bei dem man nicht die Motivation verlieren dürfe. Dass man manchmal 20 bis 30 Mal anrufen müsse, um etwas zu bewirken. Dass sie es für sich tun, auch wenn sie selbst als Schüler von einer Neugestaltung wohl nicht mehr profitieren werden. „Wir wollen wirkliche Beteiligung, keine Feigenblattaktion“, sagt auch Schulleiter Krapp, der viel dafür getan hat, dass aus einer schlecht beleumundeten Lehranstalt ohne Zukunft wieder ein nachgefragtes Gymnasium geworden ist. Im Schuljahr 2013/2014 sollen die Schulhöfe renoviert werden; ein Teil der Mittel könnte man für den Albert-Schweitzer-Platz verwenden, sagt er.

„Wir brauchen die Unterstützung von außen“, sagt Aylin. Das war schon erfolgreich beim Gießen der neue gepflanzten Mispeln. Weil die Schule in den Sommerferien zu ist, gab es kein Wasser. Doch zwei Nachbarn übernahmen die Aufgabe.

Treffpunkt ist am 14. September vor dem Albert-Schweitzer-Gymnasium ab 14 Uhr. Helfer aus der Nachbarschaft sind herzlich willkommen. Kontakt können Sie zu den Initiatoren dieser Veranstaltung über einen Klick auf die Karte oben aufnehmen. Sie wollen sich an der Aktion beteiligen, aber an anderer Stelle aktiv werden? Hier können Sie Ihre eigene "Saubere Sache"-Aktion anmelden und mit dem Tagesspiegel in Kontakt treten.

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