Gemeinsame Sache in Pankow 2014 : Urlaubsgefühle am Stierbrunnen

100 000 Euro kostet allein die Müllbeseitigung im Mauerpark - für den Arnswalder Park dagegen bleibt in der Bezirkskasse fast nichts übrig. Seit dem Aktionstag "Saubere Sache" 2012 reinigt die „Gärtnerinitiative Arnswalder Platz“ regelmäßig ihren Park.

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Mach schön! Carsten Meyer (hinten, 3. v.l.) hat anlässlich des ersten Aktionstages „Saubere Sache“ 2012 mit vielen andern Helfern die „Gärtnerinitiative Arnswalder Platz“ gegründet.
Mach schön! Carsten Meyer (hinten, 3. v.l.) hat anlässlich des ersten Aktionstages „Saubere Sache“ 2012 mit vielen andern Helfern...Foto: Thilo Rückeis

Auf dem Arnswalder Platz rund um den Stierbrunnen liegen Menschen im Gras – der Bötzowkiez an der Grenze von Prenzlauer Berg zu Friedrichshain macht Urlaub im Park. Der ganze Kiez? Nein! Etliche Gestalten in schwarz-grünen T-Shirts wuseln zwischen den Beeten hin und her, jäten Unkraut, fegen Laub, sammeln weggeworfene Trinkpäckchen und wässern die Blumen. Regelmäßig räumt die „Gärtnerinitiative Arnswalder Platz“ auf.

Jeden 3. Samstag pflegen etwa 30 Leute die Grünflächen

„Vor drei Jahren lag noch überall Müll, Familien haben den Platz nicht gern betreten“, erinnert sich Carsten Meyer. Den Lehrer ärgerte, dass es 2010 nach der 1,3 Millionen Euro teuren Sanierung schnell wieder dreckig wurde. „Da wurde der Platz erst feierlich eingeweiht, mit Orchester und Bezirksbürgermeister – und dann nicht mehr gepflegt.“

Zum ersten Aktionstag „Saubere Sache“ 2012 trommelte Meyer deswegen 60 Erwachsene und viele Kinder zusammen. Seitdem ist die Initiative zum Dauerbrenner geworden. Jeden dritten Samstag im Monat trifft man sich, oft kommen bis zu 30 Leute. Zwei Sommer-Kulturfeste stiegen schon, die Blumenbeete leuchten nun rosa bis violett.

„Wir Helfer sind fast alle zugezogen“, sagt Meyer, „deswegen gab es hier keine gewachsene Nachbarschaft. Aber beim Gärtnern sind echte Freundschaften entstanden“. Der Wunsch, sich mehr zu vernetzen, motivierte auch Jenny Bluhm und Annette Pampel. „Man hat gemeinsam kleine Erfolgserlebnisse, einige Parkbesucher haben sich sogar schon bei uns bedankt“, freut sich Bluhm.

Helfer sind immer Willkommen

Während die Frauen Unkrautbüschel aus dem Rosenbeet rupfen, sprudelt über ihnen der Brunnen, dessen massige Stiere der Bildhauer Hugo Lederer Anfang der dreißiger Jahre in roten Porphyr-Stein meißelte. „Der Brunnen ist leider auch eine perfekte Plakatwand für Sprayer“, ärgert sich Meyer. „Der Bezirk entfernt die Graffitis aber viel schneller, seitdem wir hier präsent sind.“ Auch sonst gebe es mittlerweile eine „gedeihliche Zusammenarbeit“ zwischen ihnen und dem Bezirk. Und das, obwohl sie mit ihrer Arbeit eigentlich dessen Pflichten übernehmen – doch Pankow ist zu knapp bei Kasse für die Pflege seiner Grünflächen. Auch, weil bereits ein Großteil der Mittel für touristisch wichtigere Kieze draufgeht: 100 000 Euro im Jahr gibt der Bezirk allein für die Müllbeseitigung im Mauerpark aus. Für den Arnswalder Platz bleibt fast nichts übrig. Doch die Helfer geben nicht auf. Auch am heutigen Sonnabend treffen sie sich um 13 Uhr. Helfer sind willkommen.

Helfer treffen sich am 13. September um 13 Uhr am Stierbrunnen. Ende: 18 Uhr. Gern mitbringen: Gartenhandschuhe, Hecken- und Rosenscheren, Hacken

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