Saubere Sache in Pankow : Aufstand der Anlieger

Die Oderberger Straße ist repariert, das Grün wollte der Bezirk gleich mit wegsanieren. Oskar Neumann wehrte sich – und mit ihm eine ganze Initiative.

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Treffpunkt am 15. September: Hirschhofeingang, Oderberger Straße 19, 12 Uhr. Kontakt können Sie zu den Initiatoren dieser Veranstaltung über einen Klick auf die Karte oben aufnehmen. Dort erfahren Sie auch den genauen Treffpunkt. Sie wollen sich an der Aktion beteiligen, aber an anderer Stelle aktiv werden? Hier können Sie Ihre eigene "Saubere Sache"-Aktion anmelden und mit dem Tagesspiegel in Kontakt treten.

Siegerlächeln. Die Bürgerinitiative Oderberger Straße hat das Grün im Kiez erhalten. Und Oskar Neumann hat das Ganze angezettelt. Foto: Mike Wolff
Siegerlächeln. Die Bürgerinitiative Oderberger Straße hat das Grün im Kiez erhalten. Und Oskar Neumann hat das Ganze angezettelt.Foto: Mike Wolff

Oskar Neumann macht einen entspannten Eindruck. Zur beigen Schirmmütze trägt er ein verschmitztes Grinsen. Noch vor ein paar Minuten hat er sich mit einem Bekannten unterhalten, den er zufällig auf der Oderberger Straße getroffen hat, und hat dessen Hund gestreichelt. Nun sitzt er im Café „Entweder Oder“ in Prenzlauer Berg, auf dem Tisch eine Apfelschorle, und blickt zufrieden zu den Hochbeeten mit den bunten Stauden.

„Hätte schlimmer kommen können“, sagt Oskar Neumann. Um zu veranschaulichen, was er meint, benutzt der 41-Jährige einen Vergleich. „Wie die Fußgängerzone von Castrop-Rauxel.“ Wer sich darunter nichts vorstellen kann, findet im Internet Fotos von rot gepflasterter Tristesse. Pflanzen, Bäume? Sind zumindest auf den Bildern nicht zu erkennen. Aufnahmen, menschenleer und erschreckend leblos.

Wäre es nach den Plänen des Bezirksamts Pankow gegangen, sähe es heute in der Oderberger Straße wohl ähnlich aus. Sämtliches Grün hätte der anstehenden Gehwegsanierung zum Opfer fallen sollen. Bäume, Sträucher, Pflanzenkübel. All der von den Anwohnern liebevoll gepflegte Wildwuchs, durch den die Straße erst so idyllisch wirkte, der ihr einen besonderen Charme verlieh. Dass es anders gekommen ist, liegt an Oskar Neumann. Als er im Herbst 2007 von den Umbauplänen erfuhr, gründete er mit ein paar Nachbarn die Bürgerinitiative Oderberger Straße, kurz BIOS.

Mit ein paar Mitstreitern verteilte Neumann Flyer und organisierte Protestaktionen, klebte Zettel an die Pflanzenkästen mit der Aufschrift „Gefährdet. Stehen lassen. Sanierung 2010.“ Im „Entweder Oder“ trafen sich die Aktivisten regelmäßig, um ihr Vorgehen zu besprechen. Schließlich schaltete sich der zuständige Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner von den Grünen ein und versuchte, im Konflikt zwischen Tiefbauamt und Anwohnern zu vermitteln. Das Ergebnis: Die Aktivisten erhielten ein Mitspracherecht bei der Umgestaltung ihrer Straße. Im Gegenzug verpflichteten sie sich, für die Pflege der Pflanzen und Bäume selbst aufzukommen und dafür auch Patenschaften zu übernehmen.

Zwei Jahre hat die Sanierung gedauert. Vor kurzem erfolgte die Abnahme der 2,5 Millionen Euro teuren Ausbesserung von Fahrbahn, Gehwegen und Leitungen. Die Schlaglöcher sind beseitigt, die schiefen Gehwegplatten liegen nun gerade. Viele der Götterbäume, Zieräpfel und Amberbäume sind erhalten geblieben. Entlang des Straßenrands stehen in regelmäßigen Abständen graue Faserbeton-Kübel, die von den Bewohnern bepflanzt worden sind. Erlaubt ist, was gefällt. Nur dornig und giftig darf der Inhalt dieser Kübel nicht sein, lautet die Auflage.

Der Eindruck: schon schön hier, wenn auch fast ein bisschen zu glatt, zu ordentlich. „Patina braucht Zeit“, sagt Oskar Neumann und trinkt einen Schluck Apfelschorle. Wildwuchs auch. Die meisten Kübel seien vorerst provisorisch bepflanzt und sollen im nächsten Frühjahr üppiger gestaltet werden. Wie auch die Hochbeete mit den Stauden, die das „Entweder Oder“ säumen. Dort wuchs bis vor kurzem noch ein riesiger Bambus, den Neumann vor 30 Jahren gepflanzt hatte und von dem er immer wieder Ableger für Freunde abnahm.

Dass sich der studierte Biologe so für die Oderberger Straße engagiert, hat einen Grund: Sie ist seine Heimat, in einem der Häuser kam er zur Welt, die Wohnung seiner Eltern befand sich direkt neben dem Café. Noch heute leben Neumann und seine Mutter in der Straße, längst natürlich in getrennten Wohnungen. Die von Oskar Neumann befindet sich schräg gegenüber dem Café in einem Hinterhaus. Um die Begrünung des Innenhofes kümmert er sich persönlich.

Einen Bambus, sagt Neumann, will er auf der Oderberger Straße bald wieder pflanzen, vielleicht erneut neben den Eingang des „Entweder Oder“. Dass es den alten Bambus nicht mehr gibt, hat übrigens nichts mit den Umbaumaßnahmen zu tun. Nach 30 Jahren trieb der Blüten und starb danach ab. Es lag also einfach in der Natur der Sache.


Treffpunkt am 15. September: Hirschhofeingang, Oderberger Straße 19, 12 Uhr. Kontakt können Sie zu den Initiatoren dieser Veranstaltung über einen Klick auf die Karte oben aufnehmen. Dort erfahren Sie auch den genauen Treffpunkt. Sie wollen sich an der Aktion beteiligen, aber an anderer Stelle aktiv werden? Hier können Sie Ihre eigene "Saubere Sache"-Aktion anmelden und mit dem Tagesspiegel in Kontakt treten.

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