Aktion in Tempelhof-Schöneberg : Der Gärtner in der Asphaltwüste

Rudolf Hampel bepflanzt seit drei Jahren ein Beet auf dem Nollendorfplatz – das einzige Grün dort.

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Die Riege von „Mann-O-Meter“ ist am 15. September ab 14 Uhr am Nollendorfplatz aktiv. Wollen Sie mitmachen? - Helfer sind herzlich willkommen. Sie wollen sich an der Aktion beteiligen, aber an anderer Stelle aktiv werden? Hier können Sie Ihre eigene "Saubere Sache"-Aktion anmelden und mit dem Tagesspiegel in Kontakt treten.

Auch im Bezirk Tempelhof-Schöneberg soll es im September "sauber zur Sache" gehen. Foto: dpa
Auch im Bezirk Tempelhof-Schöneberg soll es im September "sauber zur Sache" gehen.Foto: dpa

Ein farbenfroher Kontrast zum tristen Nollendorfplatz: Die roten Blüten der Stockrose überragen das leuchtende Gelb des Sonnenhuts, darunter wölbt sich dichtes Grün. Nebenan die Regenbogenstele des Berliner Künstlers Salomé, eine schmale, bunte Skulptur als Tor zum schwul-lesbischen Kiez in Schöneberg. Um die wenige Quadratmeter große Verkehrsinsel vor dem Club Goya kümmert sich Rudolf Hampel. Er wohnt hier, hat eine winzige Oase am Rande des vom U-Bahnhof dominierten Areals geschaffen. „Der Platz ist scheußlich“, sagt er. „Aber man kann ja versuchen, was da ist aufzuhübschen.“

Alle zwei Wochen schaut er nach „seinem“ Beet, pflanzt nach, rupft aus. Wenn es mal wochenlang nicht regnet, bringt er das Gießwasser aus einer benachbarten Kneipe herüber. „160 Liter, das ist eine Schlepperei.“ Hampel setzt fast nur Stauden, weil die pflegeleicht sind und Jahr für Jahr wiederkommen. Im Frühling blühen Tulpen, Narzissen, Krokusse und Schwertlilien, im Herbst dann Astern. Wenn er Nachschub benötigt, fährt er zu Gärtnereien oder nimmt einfach Ableger aus dem Hochbeet auf der anderen Seite des Nollendorfplatzes.

Dort, in der Bülowstraße nördlich des Bahnhofs, wachsen Sommerflieder, Stockrosen und Sonnenhut. Das lange, schmale Beet befindet sich vor dem Eingang des schwul-lesbischen Vereins Mann-O-Meter, in dem sich der Hobbygärtner und IT-Fachmann Hampel ehrenamtlich engagiert. Als der Verein 2001 aus der Motzstraße an den Nollendorfplatz zog, nahm Rudolf Hampel das Beet in seine Obhut. „Vorher war das ein Hundeklo. Und vor unserem Eingang sollte es netter sein, wir stellen bei gutem Wetter Tische und Stühle raus.“

Ab in die Stauden. Rudolf Hampel und die Initiative Mann-O-Meter sorgen seit Jahren dafür, dass es am tristen Nollendorfplatz von Frühjahr bis Herbst blüht. Foto: Thilo Rückeis
Ab in die Stauden. Rudolf Hampel und die Initiative Mann-O-Meter sorgen seit Jahren dafür, dass es am tristen Nollendorfplatz von...Foto: Thilo Rückeis

Seit drei Jahren kümmert er sich nun um die Verkehrsinsel vor dem „Goya“. Eigentlich sollte das die Aufgabe des „Regenbogenfonds“ sein, einem Verein schwuler Wirte aus der Gegend, der die Regenbogenstele im Jahr 2000 spendiert hatte. Das 4,50 Meter hohe Denkmal mit der rosa Spitze stand die ersten sieben Jahre noch auf der Mittelinsel des Platzes und wurde dann auf die Insel an der Motzstraße umgesetzt. Der vom Regenbogenfonds beauftragten Gärtnerei sei es nicht gelungen, die Fläche ansprechend zu bepflanzen, sagt Hampel. „Da wuchs gar nichts.“ Als sie dann das Beet durch Beton ersetzen wollten, sprang Hampel ein. „Gebt mir 300 Euro und ich übernehme“, hat er gesagt. Geld für Material bekommt er jedes Jahr vom Regenbogenfonds.

Die Schöneberger lieben das wilde Stadtbeet. „Wenn große Lilien dastehen, die nach Blumenvase aussehen, geht schon mal was weg“, sagt Hampel. Als ein Filmteam ein Werbeplakat zwischen den Blumen in den Boden rammte, waren die Anwohner sauer. „Einer hat sich sogar ins Bild gestellt.“ Rudolf Hampel, aufgewachsen in einer Bergarbeitersiedlung im Ruhrpott, gärtnert als Autodidakt. „Wenn man sich die ganzen Gartensendungen im Fernsehen ansieht, kriegt man schon was mit.“ Nun nimmt er den dritten Ort am Nollendorfplatz in Angriff. 25 „Mann-O-Meter“-Vereinsmitglieder, alle zwischen 50 und 80 Jahre alt, werden ihm helfen – und wollen auch am 15. September bei der Tagesspiegel-Aktion dabei sein. Dann nimmt sich die Gruppe die Grünfläche im Südwesten der Mittelinsel vor, deckt das Unkraut mit Folie und Rindenmulch zu und pflanzt Stauden. Freizeitgärtner Hampel wünscht sich, dass sich mehr Anrainer engagieren auf dem riesigen Platz. „So würden wir den hässlichen Nolle in den Griff kriegen.“

Die Riege von „Mann-O-Meter“ ist am 15. September ab 14 Uhr am Nollendorfplatz aktiv. Wollen Sie mitmachen? - Helfer sind herzlich willkommen. Sie wollen sich an der Aktion beteiligen, aber an anderer Stelle aktiv werden? Hier können Sie Ihre eigene "Saubere Sache"-Aktion anmelden und mit dem Tagesspiegel in Kontakt treten.

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