Saubere Sache in Lichtenrade : Gewachsene Gemeinschaft

Die Aktiven haben den Lichtenrader Volkspark zur grünen Oase gemacht – und packen am Aktionstag an.

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Grüne Offensive. Der Nollendorfplatz soll schöner werden, dafür setzt sich Rudolf Hampel ein. Foto: Thilo Rückeis
Grüne Offensive. Der Nollendorfplatz soll schöner werden, dafür setzt sich Rudolf Hampel ein. Foto: Thilo Rückeis

Wolfgang Spranger zeigt auf eine der Tannen im Volkspark, die einmal in einem Lichtenrader Wohnzimmer standen. „Die sind heute bestimmt neun Meter hoch“, sagt Spranger. 1979 hatte eine Initiative die Lichtenrader dazu aufgerufen, zu Weihnachten Tannen mit Wurzeln zu kaufen und sie nach dem Fest dem Park zu spenden. Auch einige Bäume aus Wolfgang Sprangers Garten stehen inzwischen hier. Er sagt: „Jeden Baum, jeden Strauch haben wir selber gepflanzt. Davor war hier nichts als Felder und Brache mit festgefahrenem Lehmboden.“

Anfang der siebziger Jahre entstand in der Nähe eine Hochhaussiedlung. Zunehmend fehlte den Anwohnern eine große Grünfläche. Die Bürgerinitiative Lichtenrade-Ost beschloss schließlich, sich den fehlenden Park einfach selbst zu machen. Wolfgang Spranger war schon damals als Helfer dabei, heute ist der 68-Jährige der Vorsitzende des Trägervereins Lichtenrader Volkspark e. V. Der Verein hat die Fläche von mehr als 40 000 Quadratmetern gepachtet und pflegt den Park.

Immer mittwochs und samstags treffen sich Mitglieder und schneiden Hecken, beseitigen Müll, warten Bänke, mähen den Rasen. Vor fünf Jahren bekam der Verein dafür den Umweltpreis des BUND. Mit seinen 68 Jahren ist Wolfgang Spranger allerdings der Jüngste in der Truppe der Aktivisten. An diesem Tag arbeiten neben Spranger Eva Schimpf, 80, Karl-Heinz Johannsen, 78, Waldemar Porzezinsky, 77, und der stellvertretende Vorsitzende des Trägervereins Peter Gue, 72. Sie machen sich an Ausbesserungsarbeiten am Zaun und an die Blumenpflege – „Eva ist unsere Blumenfee“, sagt Wolfgang Spranger.

Wolfgang Spranger dreht eine Tour durch den Park. In der Nacht zuvor hat es gestürmt, Spranger sucht nach möglichen Schäden. Wege und Hügel sind hier nach bayerischen Vorbildern benannt, wie der sogenannte Kaitersberg, dessen Vorbild im Bayerischen Wald in die Höhe ragt. Die Namensgebung ist ein Dankeschön an den bayerischen Landkreis Cham, der 1983 eine Patenschaft für den Park übernommen hat. Cham spendete fast alle Bänke und Tische im Park, etliche Bäume wurden nach Lichtenrade quer durch die Republik gefahren.

Die vielen Spenden geben dem Park heute seinen Charakter. Hier stehen Bäume der unterschiedlichsten Arten, Blutpflaume neben Essigbaum neben Linde neben Kastanie – je nachdem, was gerade abzugeben war. Eva Schimpf kappt zurück im Werkhof ein paar verblühte Blumen und sagt: „Ich habe einfach Lust auf das Arbeiten in der Natur, statt mein Leben in Wartezimmern zu verbringen.“ „Mich sieht der Arzt nur jedes halbe Jahr“, sagt Waldemar Porzezinsky. Schimpf weiß, warum: „Die Bewegung, die frische Luft hält uns fit.“

Aktion, Samstag, 14. September. Treffpunkt: 10 Uhr, Carl-Steffeck-Straße, Ecke Hanowsteig in Lichtenrade. Anmeldung bei Wolfgang Spranger, Telefon: 745 26 30.

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