Saubere Sache in Tempelhof-Schöneberg : Die Netzwerker

Mit einzelnen Aktionen im Kiez fing es an. Mittlerweile ist die Friedenauer Initiative berlinweit ein Vorbild.

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Die Initiative Friedenau-Netzwerk trifft sich am 15. September um 10 Uhr auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz, dort werden an Helfer Besen und Greifzangen verteilt. Helfer sind selbstverständlich herzlich erwünscht - Kontaktdaten finden Sie in der Karte. Sie wollen sich an der Aktion beteiligen, aber an anderer Stelle aktiv werden? Hier können Sie Ihre eigene "Saubere Sache"-Aktion anmelden und mit dem Tagesspiegel in Kontakt treten.

Ein Herz für den Kiez. An der Linde am Breslauer Platz in Friedenau wird nachgepflanzt: Gregor Mann von der Bürgerinitiative Breslauer Platz, Silke Klimesch und Margit Knapp vom Friedenau-Netzwerk lassen den Mittelstreifen aufblühen.
Ein Herz für den Kiez. An der Linde am Breslauer Platz in Friedenau wird nachgepflanzt: Gregor Mann von der Bürgerinitiative...Foto: Mike Wolff

Auf dem kurzen Weg von ihrer Wohnung zum Breslauer Platz bückt sich Margit Knapp nach einer leeren Packung Taschentücher. „Muss doch nicht sein, oder?“, sagt sie und steckt das Plastik ein. Der einstigen Sonderschulpädagogin liegt ihr Kiez in Friedenau am Herzen. Sie engagiert sich in Initiativen, pflanzt Blumen, besorgt einen Weihnachtsbaum für den Breslauer Platz, organisiert dort den Engelmarkt. Knapp ließ erst die Friedenauer und dann die Berliner in allen Stadtteilen bei einer Putzaktion zu Besen und Müllsack greifen. „Wir wollen die Lebensqualität hier verbessern“, sagt die 70-Jährige.

Das Engagement im Kiez begann, als sie 2004 in Rente ging. Mit einer Freundin stellte sie 2005 erstmals den Weihnachtsbaum am Breslauer Platz auf, ein Jahr später organisierten sie dort den Engelmarkt. „Dann kam mir die Idee, den Stadtteil bekannter zu machen“, sagt Knapp. Mit Mann und Tochter gründete sie das „Netzwerk Friedenau“, eine Internetseite mit Informationen über den Kiez und das Engagement der Anwohner. Für die Aktionen holt sie sich Hilfe und Spenden von Anwohnern, Geschäftsleuten, Sponsoren, Schulen, Kirchengemeinden. Und schon tut sich was: Kinder der Fläming-Grundschule behängen alljährlich den Weihnachtsbaum mit Wunschkarten, beim Gesundheitstag im Rathaus helfen die Ämter. Margit Knapp pflanzte auf der Mittelinsel am Breslauer Platz eine Linde und setzte mit Mitgliedern der Bürgerinitiative Breslauer Platz Rosen. „Wir gehen jeden Tag mit den Kannen zur Pumpe in der Hedwigstraße und dann gießen.“ Bald soll der Mittelstreifen bis zum Rathaus begrünt werden.

In der Bürgerinitiative Breslauer Platz setzt sie sich mit Anwohnern und Architekten für eine Umgestaltung des tristen Areals ein. Der Kreis präsentiert Ideen: Die Lauterstraße soll für den Verkehr gesperrt werden, im Keller des Pavillons mit dem Kiosk könnte ein Kulturtreffpunkt entstehen. Für den Platz selbst wünschen sich die Aktiven einen Brunnen, ein kleines Café vorm Pavillon, einen Pflasterboden mit Muster. „Aufenthaltsqualität eben“, sagt Margit Knapp. Der Bezirk hat die Ideen mittlerweile an das zuständige Planungsbüro übergeben. Das am Breslauer Platz gelegene Rathaus Friedenau soll zum Bürgerhaus werden, auch dafür setzt sich die Initiative ein. Dann könnten dort Veranstaltungen, Theater und Kinderbetreuung einziehen.

Als Knapp letztes Jahr zusammen mit Mitstreitern zum Frühjahrsputz im Kiez aufrief, sammelten die Friedenauer vier Kubikmeter Müll. Kinder der Friedrich-Bergius-Oberschule und der Stechlinsee-Grundschule, Mitglieder der Philippus-Nathanael-Kirchengemeinde und mehr als 100 Anwohner machten den Grazer Platz, den Breslauer, den Friedrich-Wilhelm-Platz und weitere sauber. Einige Leute sammelten nach wie vor. „Eine gute Erfahrung.“ Im Herbst 2011wurde die Aktion mit der Initiative „Wir Berlin“ auf ganz Berlin ausgeweitet. „Die Leute empfinden wie wir: Berlin ist dreckig“, sagt sie. Am 15. September wiederholen sie und ihre Mitstreiter von „Wir Berlin“ die Aktion und kooperieren mit der Tagesspiegel-Kampagne „Saubere Sache“. „Da werden noch viel mehr als bisher mitmachen. Das Bedürfnis bei den Menschen ist ja da, sagt sie. „Sie wollen eine schöne Umgebung. Wir als Bürger müssen begreifen, dass unser Zuhause auch die Umgebung ist, in der wir uns bewegen.“

Margit Knapps Vorbild ist Wien. Die Stadt habe 600 Menschen angestellt, die sich um die Sauberkeit im öffentlichen Raum kümmern. „Berlin hat kein Geld, also ist selbst kümmern angesagt.“ Wenn etwa Einkaufsstraßen gepflegt aussehen, bekommt man auch gute Mieter für die Ladengeschäfte und eben nicht nur Spielcasinos und Ein-Euro-Läden, ist sie überzeugt. Und genau diese Entwicklung wünscht sich Margit Knapp auch für ihren Kiez.

Die Initiative Friedenau-Netzwerk trifft sich am 15. September um 10 Uhr auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz, dort werden an Helfer Besen und Greifzangen verteilt. Helfer sind selbstverständlich herzlich erwünscht - Kontaktdaten finden Sie in der Karte. Sie wollen sich an der Aktion beteiligen, aber an anderer Stelle aktiv werden? Hier können Sie Ihre eigene "Saubere Sache"-Aktion anmelden und mit dem Tagesspiegel in Kontakt treten.

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