Saubere Sache in Steglitz-Zehlendorf : Der Ordnungsbeauftragte

Klaus Spychalski könnte man einen rüstigen Rentner nennen. Er hält die Parks in Lankwitz frei von Müll und Graffiti.

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Auch Klaus Spychalski beteiligt sich an der Aktion „Saubere Sache“ des Tagesspiegels– schon am 14. September. Er lädt Helfer ein, sich um 16 Uhr im Gemeindepark Lankwitz, Eingang Paul-Schneider-Straße, zu treffen, um Graffiti zu beseitigen - Kontaktinformationen gibt es über einen Klick auf die oben eingefügte Karte. Sie wollen sich an der Aktion beteiligen, aber an anderer Stelle aktiv werden? Hier können Sie Ihre eigene "Saubere Sache"-Aktion anmelden und mit dem Tagesspiegel in Kontakt treten.

Der Dreck muss weg. Klaus Spychalski ist eine Ein-Mann-Initiative. Bei seinen Spaziergängen säubert er seinen Kiez – etwa den Spielplatz an der Lankwitzer Kirche. Foto: Thilo Rückeis
Der Dreck muss weg. Klaus Spychalski ist eine Ein-Mann-Initiative. Bei seinen Spaziergängen säubert er seinen Kiez – etwa den...

Einen ausgeprägten Ordnungssinn, ja, den habe er schon, sagt Klaus Spychalski. Es ist 12 Uhr mittags in Lankwitz, Spychalski hat seinen Hund Tekko, einen goldbraunen Mischling, angeleint und dreht seine Runde – so wie jeden Tag. Vorbei am Indianerspielplatz, an der im Juli eingeweihten Grünfläche mit den roten Parkbänken und der neuen Tischtennisplatte bis zur alten Dreifaltigkeitskirche. Wer hier entlang spaziert, glaubt gar nicht mehr, in Berlin zu sein. Es ist eine Kleinstadtidylle und Klaus Spychalski will, dass es so idyllisch bleibt.

Der 76-Jährige ist, was man einen rüstigen Rentner nennt. Seit 2007 arbeitet er ehrenamtlich als Baumpate fürs Grünflächenamt, beseitigt abgebrochene Äste oder repariert Parkbänke. Außerdem engagiert er sich bei „Nofitti“ einer Bürgerinitiative aus Steglitz-Zehlendorf, die Graffiti beseitigt. Für ihn ist das eine Mentalitätsfrage. „Die jungen Leute achten da vielleicht weniger drauf als wir Alten.“ Klaus Spychalski ist kein Mann für halbe Sachen. Wenn er etwas macht, dann richtig.

„Was ist das für ein Dreck?!“, stutzt Spychalski, als er ein paar vergammelte Zigarettenschachteln und Taschentücher am Wegesrand entdeckt. Er klaubt den Müll aus dem Gras und entsorgt ihn in einem Papierkorb. Dann geht's weiter zum Spielplatz hinter der Kirche. Eine Schaukel, eine Rutsche und zwei Parkbänke, keine Kinder in Sicht. Spychalski leint Tekko draußen am Zaun an und steuert auf die Rutsche zu, die mit unleserlichen Schriftzügen übersät ist, „eine Schweinerei par excellence“. Auf einen Lappen träufelt er etwas Lösungsmittel und schrubbt über das Metall, bis die Farbreste verschwunden sind. Nur der weiße Fettstift will nicht abgehen, er kratzt mit dem Fingernagel über die Stelle. Da muss er morgen nochmal wiederkommen, mit härterem Zeug.

Danach ist die Parkbank an der Reihe. Zwei Mädchen, vielleicht elf oder zwölf Jahre alt, beobachten ihn skeptisch, als plötzlich Tekko auf den Spielplatz gelaufen kommt. „Was machst du denn hier?“ Ihm ist das sichtlich unangenehm; Hunde sind auf dem Platz nicht erlaubt. Den Mädchen scheint es egal zu sein. Reaktionen bekomme er nur selten, erzählt Spychalski, einmal hätten ihn Spaziergänger gelobt. „Die sagten: Prima, macht ja sonst keiner.“ Mitstreiter hat er keine, auch wenn er sich wünschte, dass mehr Leute für Ordnung sorgten. Bürgerschaftliches Engagement, die Gemeinschaft, das sei ihm wichtig.

Früher arbeitete Spychalski im Verteidigungsministerium in Bonn, leitender Regierungsdirektor a.D. steht auf seiner Visitenkarte. 2001, als er pensioniert wurde, kehrte er nach Berlin zurück, in seine Geburtsstadt. Seitdem hat er viel Zeit, er gärtnert gerne und sammelt Briefmarken. Ordnung muss schließlich sein. Sobald etwas erst einmal dreckig werde, sinke die Hemmschwelle bei den Vandalen, ist er überzeugt. Seit Jahren fordert er deshalb mehr Papierkörbe; er gehe dem Grünflächenamt damit richtig auf den Wecker, sagt Klaus Spychalski und grinst.

Dann sind der Rentner und Tekko zu Hause angekommen: Einfamilienhaus mit gepflegtem Vorgarten, davor ein weißer Holzzaun. Spychalski öffnet die Pforte, Tekko rast zur Haustür. „Mal sehen, wie lange der Spielplatz sauber bleibt“, sagt Spychalski zum Abschied. Vielleicht dreht er heute Abend noch eine Runde.

Auch Klaus Spychalski beteiligt sich an der Aktion „Saubere Sache“ des Tagesspiegels– schon am 14. September. Er lädt Helfer ein, sich um 16 Uhr im Gemeindepark Lankwitz, Eingang Paul-Schneider-Straße, zu treffen, um Graffiti zu beseitigen - Kontaktinformationen gibt es über einen Klick auf die oben eingefügte Karte. Sie wollen sich an der Aktion beteiligen, aber an anderer Stelle aktiv werden? Hier können Sie Ihre eigene "Saubere Sache"-Aktion anmelden und mit dem Tagesspiegel in Kontakt treten.

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