Sauberkeit : Berliner genervt von Müll

Eine Studie hat für die Stadtreinigung erforscht, welcher Schmutz den Berliner am meisten stört. Vor allem Hundekot und fehlende Papierkorbe nerven die Hauptstadtbewohner.

Moritz Gathmann
Straßenreinigung
Besenrein. Die Stadt will verstärkt den Schmutz auf Bürgersteigen und Spielplätzen ins Visier nehmen.Foto: ddp

BerlinDer Kamera im Helm entgeht kein Blick, kein Zögern. Nur Zehntelsekunden hält sich der Proband mit den Graffiti auf, ein kurzer Moment geht für die ungepflegte Baumscheibe verloren, aber den Hundehaufen auf dem Gehweg und den Müll auf dem Spielplatz kann kaum ein Spaziergänger übersehen. Nun soll das Experiment mit dem Kamera-Helm die Strategie der Stadtreinigung beeinflussen. „Wir wissen durch die Gewichtung der einzelnen Sauberkeitskriterien, was jetzt in Angriff genommen werden muss“, sagte Sabine Thümler, Sprecherin der Berliner Stadtreinigung, als sie gestern die Studie „Wahrnehmung und Bewertung von Sauberkeit in Großstädten“ vorstellte.

Mit Helm und Rechner waren die Psychologen von der Humboldt-Universität unterwegs, um zu untersuchen, was die Menschen beim Spaziergang über den Boxhagener Platz oder den Crellemarkt besonders stört. Dabei zeichneten spezielle Kameras genau auf, an welchen Objekten die Blicke hängen blieben, dem Hundehaufen oder der herrenlosen Zeitung. Verglichen wurden die gemessenen Augenblicke mit den Ergebnissen von Fragebögen, in denen Berliner den schlimmsten Schmutz bewerten sollten.

Jetzt ist gewissermaßen wissenschaftlich erwiesen: „Besonders im Handlungsbereich stören Verschmutzungen.“ Das heißt, dass die Nachbarn über eine bunte Schmiererei an der Hauswand schon mal hinwegsehen, aber auf Müll in der unmittelbaren Umgebung allergisch reagieren. Auch die Art der Verschmutzung spielt laut Studie eine Rolle. So werden laut Studienergebnissen Fäkalien, herumliegender Müll und fehlende Papierkörbe als besonders negativ bewertet.

Kostenlose Hundekotbeutel zeigen Wirkung

Zu großen Umbrüchen wird das Experiment bei der BSR wohl nicht führen – im Gegenteil. Vera Gäde-Butzlaff, Vorstandsvorsitzende und Mitinitiatorin der Studie, sieht die Ergebnisse als Bestätigung des bereits eingeschlagenen Kurses. Die Studie habe eine hohe Zufriedenheit mit der BSR ergeben. Sie erreichte auf einer Skala von 1 (bestmöglicher Wert) bis 7 einen Wert von 3,6. Gut angekommen seien bei den Kunden auch die Werbeaktionen. "Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Humor.“ Ziel sei es, so viele Einwohner wie möglich davon zu überzeugen, "dass es cool ist, wenn die Stadt sauber ist“.

Zur Lösung der ewigen Berliner Hundekotplage (rund 45 Tonnen pro Tag) fordert die BSR-Chefin mehr Eigenverantwortung. Allerdings habe sich die Lage in den Problembezirken in letzter Zeit gebessert. Gute Erfahrungen habe man mit den Beutelspendern gemacht, die das Projekt „Stadt und Hund“ seit einiger Zeit in den Kiezen aufstellt. Handlungsbedarf sieht die BSR für die "Schaufenster Berlins“ wie beispielsweise den Spreebogen, den sich BSR und Grünflächenämter beim Saubermachen teilen. "Da, wo Flächen zusammenhängen, sollte die Zuständigkeit in eine Hand gelegt werden“, sagt Vera Gäde-Butzlaff.

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