Berlin : Sawis’ Eltern droht Entzug des Sorgerechts

Weil sie die Prügelorgie ihres Sohnes verteidigten, erwägt das Jugendamt einen Antrag beim Familiengericht zu stellen

Christoph Stollowsky

Die Eltern des 16-jährigen Sawis J. müssen um ihr Sorgerecht fürchten: Nachdem ihr Sohn am vergangenen Donnerstag fünf Lehrer verprügelt hatte, prüft nun das Jugendamt Tempelhof-Schöneberg, ob es den Entzug der elterlichen Sorge beantragt. Das forderte auch Innensenator Ehrhart Körting (SPD). Aus Sicht von Familienrichtern sind die Voraussetzungen erfüllt.

Wie berichtet, griff Sawis J. die Lehrer auf dem Pausenhof der Gustav-Heinemann- Oberschule in Tempelhof an, um eine Beleidigung seiner Freundin zu rächen. Seither sitzt er wegen „gefährlicher Körperverletzung“ in Untersuchungshaft. Die Eltern verteidigen dagegen ihren Sohn. „Ich bin stolz, dass er sich gewehrt hat“, sagte sein Vater, ein gebürtiger Iraner, nach dem spektakulären Vorfall. Sawis’ deutschstämmige Mutter soll das Kollegium der Gustav-Heinemann-Oberschule bedroht haben, ihr Ehemann werde sich um die Lehrer kümmern, falls Sawis nicht freikomme. Und an seiner eigenen Schule, der Leistikow-Hauptschule in Zehlendorf, hat der Jugendliche nach Aussagen von Lehrern geprahlt, sein Vater erlaube ihm das Zuschlagen.

„Wenn das so zutrifft, spricht hier vieles für eine missbräuchliche Ausübung des elterlichen Sorgerechts“, sagte gestern ein vom Tagesspiegel befragter Familienrichter. Man müsse in diesem Falle sogar prüfen, „ob die Eltern ihr Sorgerecht schuldhaft vernachlässigt“ hätten. Das Kindeswohl sieht er in jedem Falle gefährdet. Folglich seien alle Voraussetzungen erfüllt, die einen Entzug des elterlichen Sorgerechts nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) ermöglichen.

Die zuständige Jugendstadträtin für Tempelhof-Schöneberg, Angelika Schöttler (SPD), will nun am Montag „alle Fakten sichten und dann entscheiden, wie wir vorgehen“. Dabei werde auch der Entzug des Sorgerechts geprüft, zumal sich Vater und Mutter möglicherweise „falsch“ verhalten hätten. Dafür spricht aus Schöttlers Sicht auch die bisherige kriminelle Karriere des Jugendlichen: So legt ihm die Polizei 60 weitere Gewalttaten zur Last. Vor einer Entscheidung wolle man auf jeden Fall erneut mit den Eltern und dem Sohn sprechen, sagte die Stadträtin gestern.

Falls das Jugendamt beim zuständigen Familiengericht den Entzug der elterlichen Sorge beantragt, kommen auf Sawis J. und dessen Eltern weitere Anhörungen zu: Dann werden ihnen die Richter viele Fragen stellen. Urteilen sie danach im Sinne der Jugendbehörde, erhält Sawis J. einen Amtsvormund.

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