Berlin : "Schade, dass es damals so kam" - Angeklagter versprach Berlinern einst eine Million

kf

Smart schauen sie aus, die drei Angeklagten - mit ihren dunklen Anzügen, Silberketten und Ohrringen. Als einer von ihnen kurz die Luft einzieht, um mit lässigem Blick seine Hose zurechtzurücken, fühlt man sich unweigerlich an John Travolta und seinen Kollegen in dem Film "Pulp Fiction" erinnert.

Schauplatz sind allerdings nicht die Vereinigten Staaten, sondern der Flur im Kriminalgericht Moabit. Hier hatte der frühere Ballett-Tänzer der Staatsoper Unter den Linden, Domenico Francesco Kaleyta, am Freitag einen Kurzauftritt. Der 32-Jährige muss sich mit seinen zwei Bekannten wegen gemeinschaftlicher Erpressung und Körperverletzung verantworten. Sie sollen im Januar 1998 versucht haben, Gelder von zwei Schuldnern - insgesamt 35 000 Mark - gewaltsam einzutreiben.

Kaleyta war Ende 1995 in die Schlagzeilen geraten, als er tausend bedürftigen Berlinern angeblich eine Million schenken wollte. Der heute 32-Jährige erklärte damals vollmundig, er sei Finanzmanager, Multimillionär und "Präsident" eines weltweiten Firmenkonglomerats mit 433 Millionen Mark Umsatz. Seine geplante Wohltätigkeitsgala platzte allerdings, weil er pleite gewesen sein soll. "Schade, dass es so kam", sagt Kaleyta heute und lächelt gewinnend in die Kameras.

Nach einem Flop in der Immobilienbranche mit Offenbarungseid vor vier Jahren habe er selbst "zwischenzeitlich in Armut gelebt". 1998 wurde Kaleyta von einem Berliner Amtsrichter unter anderem wegen Betruges zu 22 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. "Heute lebe ich als Geschäftsführer einer Modefirma in Florida", sagt der Angeklagte. Ja, seine Millionen-Villa in den Staaten sei inzwischen verkauft. Seine 80 000 Dollar teure Omega-Uhr habe er verloren. Nun trägt Kaleyta eine silberne Christian Dior. "Eine Einzelanfertigung", sagt er.

Die Verhandlung am Freitag wird unterbrochen, bevor sie überhaupt richtig angefangen hat: Der Richter vertagte den Prozess auf den Sommer, weil man mit den zwei anberaumten Terminen nicht auskommen wird.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar