Berlin : "Schade um das wertvolle Grundstück"

MICHAEL BRUNNER

Berliner und Touristen waren gestern geteilter Meinung über die Entscheidung des Bundestags, das Holocaust-Mahnmal nach den Entwürfen von Peter Eisenman zu bauen. Bei einer Blitzumfrage des "Tagesspiegels" gab es Kritik an der Art und Weise der Entscheidung. "Ein Volksentscheid wäre angebracht gewesen", meinten Hildegard und Hans Zucher aus Mitte. Eisenmans Idee fanden die beiden nichtssagend und plakativ. "Wir hätten es vorgezogen, wenn Richard Schröders Idee verwirklicht worden wäre", sagten sie. "Wir in der DDR waren immer Antifaschisten und brauchen auch keinen Nachhilfeunterricht", betonte Hans Zucher. Hildegard Zucher wandte ein, daß es auch nichtjüdische Opfergruppen gebe.

Aus einem völlig anderen Blickwinkel nahm Steven Declercq aus der belgischen Stadt Brügge das Ganze wahr. "Der Holocaust darf nie vergessen werden", sagte Declercq und begrüßte die Entscheidung des Bundestags zugunsten des 2700-Stelen-Feldes von Eisenman. "Was passiert ist, war unheimlich und kann nur durch etwas wirklich Eindrucksvolles widergespiegelt werden", sagte der junge Mann, der sein Geld als Redakteur in Brüssel verdient.

Ewald Volk aus Stuttgart äußerte sich reserviert. "Ich finde es schade um das wertvolle Grundstück", sagte der Handwerker und machte zudem ästhetische Bedenken gegen den Eisenman-Entwurf geltend: "Das erdrückt einen ja schier". Motto: Wenn es unbedingt sein muß, hätte die Schröder-Idee besser gepaßt. Helga Filthaut aus Menden in Westfalen war nachdenklich. "Eigentlich hätte man die Opfer fragen müssen", sagte sie und räumte ein, daß nach ihrem Geschmack der Eisenman-Entwurf auf "eine Wüste" hinsteuere. Hannelore Kretzschmar aus Treptow empfand es als Schande, daß "es so lange gedauert hat". Eisenman sei furchtbar. Es gebe doch schließlich schon genug Beton in Berlins Mitte, sagte sie und sah Verständnisprobleme kommen: "Die Jugend weiß doch später gar nicht, was das bedeuten soll." Besser wäre die von Schröder vorgeschlagene Säule inmitten einer anziehenden Grünanlage.

Walter Piescher aus Hellenthal (Eifel) mochte sich für keinen der beiden Entwürfe erwärmen. "Ich bin ohne Wenn und Aber für das Mahnmal, aber Eisenmans Vorschlag gefällt mir so wenig wie der von Schröder", sagte der Berlinbesucher. Dafür machte Piescher einen eigenen Vorschlag: "Am besten wäre eine Gedenkstätte mit Museum und einem Turm, der nicht höher als 30 Meter sein sollte."

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