Berlin : Schaden, wem Schaden gebührt (Kommentar)

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Für den Amoklauf des Verfassungsschutzes haftet nun also der Steuerzahler. Die 35 000 Mark, die der fälschlich als Scientologe bezeichnete Berliner Polizeidirektor Otto Dreksler erhält, sind für ein "immaterielles Schmerzensgeld" ganz ungewöhnlich hoch. Zum Vergleich: Ein vergewaltigtes 13-jähriges Mädchen hat vor einiger Zeit 40 000 Mark für sein Leid erhalten. Die 35 000 Mark sind das finanzielle Eingeständnis des Landes Berlin, sich massiv an einem Beamten vergangen zu haben - ohne jede Not, fahrlässig, nachlässig und mit der Hilfe eines lächerlichen Zeugen, der früher für die Stasi gearbeitet hat. Sie sind das Eingeständnis eines Versagens. Die Haare sträuben sich bei dem Gedanken, dass der Verfassungsschutz ständig so arbeiten könnten. Und bei dem Gedanken, dass der Innensenator und sein Staatssekretär sowie sein Polizeipräsident sich regelmäßig solchen Zeugen anvertrauen und aus solchen windigen Beweisführungen Schlüsse ziehen. Das Geld für Dreksler kann aber nicht das letzte Wort in dieser Sache sein. Irgendjemand muss für das Desaster die Verantwortung übernehmen, übrigens auch die politische. Schließlich zahlen wir jetzt alle dafür. Gäbe es eine bürokratische Gerechtigkeit, müssten die 35 000 Mark aus dem Etat des Verfassungsschutzes oder des Innensenators persönlich abgezogen werden - Schaden, wem Schaden gebührt. Und dazu auch gleich die 5000 Mark, die der Verfassungsschutz damals einem Konfidenten der Scientologen als Agentenlohn hinterher geworfen hat. Der Mann ist damit verschwunden. Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll: Durch die Tollpatschigkeit der Berliner Geheimen ist also auch noch ein Mitglied jener Sekte bereichert worden, die der Senat doch eigentlich bekämpfen wollte.

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