Schäden auf Berlins Fahrbahnen : Bröckelnde Straßen nach Tauwetter

Erst der Frost, dann kein Vergnügen: Das Tauwetter lässt Berlins Straßen und Stadtautobahnen bröckeln. Ganz aktuell tun sich auf der Avus neue Schlaglöcher auf. Land und Bezirke lassen flicken, so schnell sie können - und setzen sich ein Ziel für den Herbst.

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Vereiste Straße: Erst der Frost, dann der Frust.
Vereiste Straße: Erst der Frost, dann der Frust.Foto: dpa

Auch Autofahrer und Radler kennen eine fünfte Jahreszeit: Die Schlaglochsaison. Sie beginnt stets mit dem Ende des Dauerfrostes und lässt die Straßen in diesen Tagen so heftig bröseln wie sonst im ganzen Jahr nicht. Seit dem Wochenende und wahrscheinlich noch bis heute ist die Greifswalder Straße – eine der wichtigsten Ausfallstrecken nach Nordosten – stadtauswärts zwischen Hufeland- und Danziger Straße komplett gesperrt.

Der Fall ist extrem, aber nur einer von vielen: Nachdem am Montag bereits ein Reparaturtrupp die Überfahrt von der Avus zur Stadtautobahn am Dreieck Funkturm reparieren musste, traf es am Dienstagmittag das andere Ende der Avus: Auf Höhe des Zollamtes Dreilinden wurde nach Auskunft der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ebenfalls eine Sofortreparatur veranlasst, weil sich auf der rechten Spur ein großes Schlagloch aufgetan hatte: drei Meter lang, 60 Zentimeter breit, zwölf Zentimeter tief. Zu gefährlich, um bis zur Nacht zu bleiben, lautete die Diagnose.

Nach Auskunft von Behördensprecherin Petra Rohland gingen allein bis Dienstagmittag acht Schadensmeldungen von den Autobahnen ein – eine auffällige Häufung. Die Meldungen kämen entweder von Streckenkontrolleuren der Autobahnmeisterei oder von der Polizei. Adressat sei eine per Vertrag gebundene Firma, die je nach Ernst der Lage entweder binnen drei Stunden, während der nächsten Nacht oder später loslegen müsse. So sei ein ebenfalls am Dienstag gemeldetes, acht Zentimeter tiefes Loch auf der Rudolf-Wissell-Brücke für noch verantwortbar befunden worden, so dass die Firma es erst in der Nacht mit Kaltasphalt flicken müsse. Dasselbe gelte für einen Schaden auf zwei Spuren der Heerstraße, die zugleich Bundesstraße ist.

Für die Autobahnen gelten wegen der höheren Geschwindigkeiten und Verkehrsdichte besonders strenge Kriterien. Berlin übernimmt als Dienstleister die Unterhaltung der Autobahnen, die der Bund bezahlt. Fürs restliche Straßennetz sind die Bezirke zuständig.

In den Tiefbauämtern herrscht Erleichterung über den starken Temperaturanstieg, weil Tauwetter mit frostigen Nächten den Straßen noch mehr zusetzen würde. „Außerdem können wir die Schäden gleich fachlich korrekt mit Gussasphalt beheben“, sagt Thomas Schuster, in Mitte verantwortlich für die Straßenunterhaltung. Die Arbeiten seien bereits angelaufen. Sperrungen wegen Straßenschäden gebe trotz des weiter gewachsenen Instandhaltungsrückstaus nicht.

In mehreren Bezirken herrscht Frust über das vergangene Jahr: Weil der Landeshaushalt erst im Frühjahr verabschiedet wurde, konnten Arbeiten erst im Sommer ausgeschrieben werden und im Herbst beginnen – überall zugleich und nur zwei Monate vor dem Wintereinbruch. Auch kritisiert der Landesrechnungshof, dass das Sparen an der Substanz zehre.

Schuster betont, dass ein von vornherein höheres Budget wesentlich praktikabler wäre als die kurzfristigen Sonderprogramme des Senats. Der Charlottenburg- Wilmersdorfer Baustadtrat Marc Schulte (SPD) ist allerdings auch über die froh: Drei Millionen extra für dieses Jahr bedeuten eine Verdopplung des regulären Straßenreparaturetats im Bezirk.

Die Steglitz-Zehlendorfer Stadträtin Christa Markl-Vieto (Grüne) betont, dass aus dem Etat von 3,5 Millionen Euro mindestens 200.000 Euro in Radwege investiert würden. Das habe die schwarz- grüne Koalition im Bezirk vereinbart. Verkehrswege seien eben nicht nur Straßen: „Wir haben eine Menge Radrouten, die unter aller Kanone sind.“

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