Berlin : Schah-Kaviar und Bürgermeister-Rummel

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Das Klicken der Fotoapparate klang, als prasselten Hagelkörner auf das Parkett der schweizerischen Botschaft hernieder - Gewitter-Assoziation inklusive Wetterleuchten aus Blitzgeräten. Man war versucht, Klaus Wowereit und Jörn Kubicki einen Schirm zu reichen, zum Schutz vor der stürmischen Aufmerksamkeit, die dem Paar am Dienstagabend beim Dinner im Rahmen des Davidoff-Gourmet-Festivals entgegenschlug. Immerhin hatte der Regierende seinen Freund erst bei der Aidsgala am Sonnabend das erste Mal "vorgeführt".

Erste Fotostation: Im Foyer, samt Gastgeberin Shawne Borer-Fielding, die mutig ein bisschen Deutsch sprach. Dreimal die Woche habe sie Unterricht, berichtete sie. Zweite Fotostation im ersten Salon, Arm in Arm mit Dirigent Justus Frantz, der wohlerzogen mit einer Flasche Wein unterm Arm erschienen war. Bis die Karawane vor dem Speisesaal ankam, war schon fast die Hälfte der Cocktailstunde vergangen, an die sich dann das Dinner im kleinen Kreis anschloss.

Zu Ehren von Sonia Davidoff, der in Zürich lebenden Tochter des Zigarren-Konzern-Gründers Zino Davidoff, hatten Thomas Borer und Shawne Fielding an diesem Abend geladen - was in all dem Bürgermeister-in-love-Rummel fast in Vergessenheit geriet. "Ich bin stolz, dass Sie Schweizerin sind", sagte Shawne Fielding zur Begrüßung, auf einem Hocker stehend. Borer, der normalerweise die Honneurs macht, saß da noch am Flughafen fest und verpasste später prompt die von Starkoch Frank Buchholz zubereiteten Scampi im Vanille-Tabak-Sud.

Während die anderen Gäste, wie Schauspielerin Alexandra Kamp oder Bahn-Chef Hartmut Mehdorn weitgehend unbeachtet blieben, hielten die Kameras hartnäckig den Bürgermeister-Tisch im Fokus. Sabine Christiansen stand auch dort, und alle gemeinsam demonstrierten entschlossen Normalität. Ob man denn den Herrn Kubicki für ein kurzes Gepräch entführen dürfe? Da kam der Herr Kubicki nicht mal bis zum Luftholen, als sich über seine Schulter schon Klaus Wowereit einschaltete. Durchaus charmant sagte er, dass man nicht dürfe. Später erzählt Wowereit dann zwar noch, dass er seinen Freund nie versteckt habe, schließlich war er ja mit ihm auf dem U2-Konzert oder in der Bar jeder Vernunft. Doch es schien, als sollte ein Gespräch mit seinem Begleiter sorgfältig vermieden werden.

Als später Klaus Wowereit neben Sabine Christiansen Platz nehmen soll, trennen sich das erste Mal an diesem Abend die Wege des Paares. Da gibt es plötzlich ein letztes Blitzlichtgewitter im Rücken des Regierenden, alarmiert dreht er sich um - und lächelt, als er sieht, dass alles in Ordnung ist: keine Fragen an den Freund, nur Fotos. Das Privatleben zu organisieren, ist fast so kompliziert wie das Regieren. rcf

Am härtesten kam es für Eckart Witzigmann kurz vor Beginn des Menüs. Da stand nämlich plötzlich ein Journalist neben ihm in der Küche und fragte, wer er denn sei, und was er da so mache? Da musste der "Koch des Jahrhunderts" ein wenig knurren, nahm einen Schluck Dom Perignon - und wandte sich wieder den Vorbereitungen zu. Die hatten es in sich, denn was Witzigmann zusammen mit seinem einstigen Schüler, dem Adlon-Küchenchef Karlheinz Hauser, im Rahmen des Davidoff-Festivals im "Lorenz Adlon" plante, war ein Menü mit dem Besten, was die Welt an Delikatessen hergibt, kombiniert mit mehreren Champagnern des Hauses Moet & Chandon. Champagner zum Essen ist heikel: Vollgaskochen mit Risikowürzung ist da nicht drin, weil sonst die feinen Nuancen untergehen. Die beiden feilten also bis in den Abend, stülpten die ursprünglich geplanten Rezepturen noch ein wenig um, und so mutierte der Rohmilchbrie zu Ziegenkäseravioli, und die für den Hummer-Eintopf vorgesehenen Jacobsmuscheln machten Maronen Platz und ruhten dafür einen Gang später, gebacken und aufgespießt, ziemlich unvermittelt quer über dem Steinbutt. 660 Mark hatten die Gäste bezahlt - dafür kann man die eine oder andere Sensation erwarten, und eine davon war das Auftauchen des blassgelben, superseltenen Schah-Kaviars, ein Teelöffel für jeden Gast auf einer Rolle von Störfleisch. Moet-Önologe Georges Blanck kommentierte dezent, eine leichte Aufgabe besonders beim 1990er Dom Perignon, der gern für sich allein spricht. Dazu Birnen-Délice und Dom-Perignon-Eissoufflée - die Herren Köche durften die Küche verlassen und sich den verdienten Beifall abholen.

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