Berlin : Scharfe Sache Ökosenf

Kühne-Werk in Reinickendorf erhielt den Berliner Umweltpreis

Anselm Waldermann

Wirtschaftswachstum und Umweltschutz müssen sich keineswegs ausschließen – wie der traditionsreiche Senfhersteller Kühne in seinem Berliner Werk beweist: Bei dem Unternehmen gehören wirtschaftlicher Erfolg und saubere Produktion zusammen. Dafür hat das Kühne-Werk in Reinickendorf gestern den Berliner Umweltpreis des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erhalten. „Das Engagement der Firma ist beispielhaft“, sagte BUND-Sprecherin Carmen Schultze. „Wir hoffen auf viele Nachahmer.“

Die Carl Kühne KG wurde 1722 in Berlin gegründet und befindet sich seitdem in Familienbesitz. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlegte das Unternehmen seinen Hauptsitz zwar nach Hamburg, in Reinickendorf gibt es aber nach wie vor ein Werk mit – je nach Saison – 220 bis 250 Mitarbeitern. An diesem Standort stellt Kühne vor allem Gemüsekonserven, Feinkostwaren und Soßen her.

Als in den vergangenen Jahren größere Investitionen anstanden, setzte Kühne bewusst auf mehr Umweltschutz. Vor allem bei der Energieeffizienz, beim Klimaschutz und bei der Wasserreinhaltung ging die Firma dabei laut BUND „weit über gesetzliche Standards hinaus“. So hat sich das Unternehmen auf abfallarme Verpackungen umgestellt und eine moderne Abwasserreinigungsanlage installiert. Darüber hinaus verwendet Kühne halogenfreie Kältetechnik, was im Vergleich zu herkömmlichen Kältemitteln ein 1000 Mal geringeres Treibhauspotenzial bedeutet.

„Die Investitionen waren ein hohes Risiko“, sagte Jochen Neumann, der technische Leiter des Berliner Werkes. „In dieser Größenordnung war das vorher noch nicht erprobt.“ Immerhin 1,1 Millionen Euro hat Kühne von 2002 bis Mitte 2005 investiert. Aber es habe sich gelohnt: „Alles klappt hervorragend.“

Nun soll die Produktion bis 2006 im Vergleich zu 2002 um 20 bis 30 Prozent gesteigert werden. „Kühne zeigt, dass sich Umweltschutz und Standortsicherung sinnvoll ergänzen“, hieß es beim BUND. Das sieht auch Neumann so: „Natürlich haben wir durch die Maßnahmen Mehrkosten, aber der Umweltpreis hilft uns, den Standort Berlin zu sichern.“

Kühne spart durch die Umweltinvestitionen jährlich 800 Megawattstunden Energie ein. Das entspricht einem Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid von rund 520 Tonnen – so viel wie 50 Personen in Deutschland pro Jahr verursachen. Beim Trinkwasser hat Kühne seinen Bedarf um 8000 Kubikmeter gesenkt; das entspricht dem Jahresverbrauch von 125 Personen. Außerdem werden 20 Tonnen Verpackungsmaterial vermieden.

Der Berliner Umweltpreis wurde in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben. In der Kategorie „Wirtschaft“ hatten sich elf Unternehmen beworben. Im Bereich „Umweltengagement“ wurden der Solarverein Berlin und die Interessengemeinschaft pro Rehwiese ausgezeichnet. Sieger in der Kategorie „Jugend und Umweltbildung“ wurde der Arbeitskreis Umwelt und Bildung Lichtenberg.

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