Berlin : Schatzkammer an der Spree

Mit dem Münzkabinett wird im Oktober ein erster Teil des Bodemuseums wieder eröffnet. Neu gebaut werden soll ein Zentraldepot

Bernhard Schulz

Noch ist das Innere der großen Kuppel des Bodemuseums von Gerüsten verstellt. Doch der künftige Glanz des Entrees ist bereits zu erkennen. „Das ist ein Überwältigungsraum“, jubelt Peter- Klaus Schuster, Generaldirektor der Staatlichen Museen. Es handele sich beim Bodemuseum um die „Wiedergewinnung eines Gebäudes durch Sanierung“.

Noch steht die Wiedereröffnung des 1904 fertiggestellten Hauses aus. Am 25. November kommenden Jahres soll das Haus an die Museumsleute übergeben werden, die Eröffnung ist für Sommer 2006 geplant. Doch bereits am 22. Oktober dieses Jahres wird ein kleiner, feiner Teil des Museums wieder eröffnet: das Münzkabinett, verschwiegen im Untergeschoss des Gebäudes an der Kupfergrabenseite untergebracht. Gestern ließ sich Kulturstaatsministerin Christina Weiss – als Vertreterin des Bundes, der für die Baumaßnahmen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mittlerweile allein aufkommt – von Schuster und Stiftungs-Präsident Klaus-Dieter Lehmann die Baufortschritte auf der Museumsinsel zeigen – mit dem Münzkabinett als Höhepunkt.

Eine halbe Million Münzen und Medaillen hütet das Kabinett. Sein lang gestreckter Tresorraum, durch eine gewaltige Stahltür gesichert, birgt an der Längswand 48 Schränke mit jeweils 160 kupfernen „Tabletts“ – Ausziehtafeln, in denen die einzelnen Münzen ruhen, „vom 7. Jahrhundert vor Christi bis zum Euro“, wie Münz-Direktor Bernd Kluge betonte. Rund 100000 Stück Papiergeld ergänzen die Sammlung, deren Anfänge auf den Großen Kurfürsten (reg. 1640-1688) zurückgehen – dessen berühmtes Reiterstandbild von Andreas Schlüterzumindest als Abguss die Mitte des großen Kuppelraumes einnimmt. Wilhelm von Bode, der allmächtige Museums-„General“ der Kaiserzeit, erdachte das Kaiser-Friedrich-Museum als Folge unterschiedlicher „Epochenräume“. So folgt auf die barocke Eingangskuppel die nach Florentiner Vorbild gestaltete Renaissance-„Basilika“. Ihre Sandsteinverkleidung, bislang unter einem Anstrich verborgen, liegt wieder frei. Zur Eröffnung des Münzkabinetts Ende Oktober – sinnigerweise durch Bundesfinanzminister Hans Eichel – erhält die Öffentlichkeit Gelegenheit, die Restaurierungsmaßnahmen für einige Tage in Augenschein zu nehmen.

Vorbereitet ist das Bodemuseum bereits für den Anschluss an die „Archäologische Promenade“, das ehrgeizige Kernstück des Schusterschen „Masterplans“ für die Museumsinsel. Mit dieserVerbindungspassage sollen die vier archäologischen Museen verbunden werden: vom Alten Museum über das Neue Museum zum Pergamon- und zum Bodemuseum.

Als ob die Baumaßnahmen auf der „Insel“ noch nicht genug seien, überraschte Stiftungspräsident Lehmann gestern mit einem weiteren Vorhaben: Die Staatlichen Museen wollen ihre sämtlichen, als unzureichend angesehenen Depoträume – auf der „Insel“, am Kulturforum und in Dahlem – räumen und ein zentrales Depotgebäude „in der Nähe von Köpenick“ errichten. Das aber hat Folgen für das – derzeit in Feinplanung befindliche – Vorhaben, das Berliner Schloss wiederzuerrichten. Es soll unter anderem die ethnologischen Sammlungen aus Dahlem beherbergen – die ohne die bislang vorgesehenen Magazine 12000 Quadratmeter Fläche weniger beanspruchen würden. Dadurch, so Lehmann, könnten die Flächen für kommerzielle Nutzung wachsen – und somit auch die Chancen zur Finanzierung. „Das ist doch ein Angebot“, meinte Lehmann. Die Kulturstaatsministerin neben ihm lächelte schweigend.

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