Berlin : Schatzkammer der Mode

Die Sammlung des West-Berliner Modeschöpfers Uli Richter gehört jetzt dem Kunstgewerbemuseum

Susanna Nieder

Die Begeisterung war einhellig und aufrichtig: Einen „wahren kulturhistorischen Schatz“ nannten Kulturstaatsministerin Christina Weiss und Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Sammlung Uli Richter, die der Berliner Modeschöpfer gestern dem Kunstgewerbemuseum übergab. 660 Couture-Modelle, Accessoires, 3000 Fotografien sowie 11 000 Modezeichnungen der Sammlung gehören nun der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Eine Ausstellung ist für 2007 geplant. Weiss, Lehmann und Peter-Klaus Schuster, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, lobten Ordnung und Vollständigkeit der Sammlung, die auch als Archiv für wissenschaftliche Arbeiten großen Wert besitzt.

Uli Richter, 1926 in Potsdam geboren, war der jüngste West-Berliner Modemacher der Nachkriegsgeneration. Rut Brandt, Hildegard Knef, Lilli Palmer, Gracia von Monaco und Anneliese Rothenberger trugen seine Mode. 1982 schloss er als einer der letzten Couturiers der alten Garde sein Atelier und lehrte von 1986 bis 1994 als direkter Vorgänger von Vivienne Westwood Mode an der Hochschule der Künste.

Der Ankauf der Sammlung Richter wurde gemeinsam finanziert durch Mittel der Stiftung Klassenlotterie, des Bundes, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sowie teilweise Schenkung durch Uli Richter, dem der Verbleib der kompletten Sammlung in seinem angestammten Berlin eine Herzensangelegenheit war. Zusammen mit der Sammlung Kamer/Ruf, die im November im Kunstgewerbemuseum eintreffen wird, verfügt Berlin nun über eine Modesammlung von Weltrang. Christine Waidenschlager, bisher Mitarbeiterin des Stadtmuseums, kümmert sich ab jetzt als Kuratorin am Kunstgewerbemuseum um den Bereich Mode. Endlich wird die Mode in Deutschland als Kulturgut anerkannt, das weit über saisonale Trends hinausweist.

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