Berlin : Schatzkammer fürs Volk

Nach sechs Jahren Bauzeit wird das Bode-Museum für die Skulpturensammlung festlich wiedereröffnet

Bernhard Schulz

Das „Kaiserwetter“ ging gerade in einen milden Abend über, als gestern der Festakt zur Wiedereröffnung des Bode-Museums auf der Nordspitze der Museumsinsel begann. Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, hob vor Hunderten von Ehrengästen – unter ihnen der frühere Bundespräsident Walter Scheel (FDP) und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) – hervor, sowohl im Zeit- als auch im Kostenrahmen geblieben zu sein. 152 Millionen Euro hat die Sanierung gekostet, weitere zehn Millionen flossen in die Inneneinrichtung. Gezahlt hat der Bund, der seit einigen Jahren die Bauvorhaben der Preußen-Stiftung allein finanziert.

So lag es nahe, dass die folgenden Ansprachen von Bundestagspräsident Norbert Lammert und Kulturstaatsminister Bernd Neumann (beide CDU) gehalten wurden. Lammert nannte die Baukosten „Euro für Euro angemessen“ und verglich sie vorteilhaft mit den Kosten anderer Berliner Vorhaben, etwa der Sanierung des Olympiastadions. Neumann bezeichnete die Museumsinsel, deren Sanierungskosten er nunmehr auf 1,2 Milliarden Euro veranschlagte, als „Schatzkammer der Kulturnation Deutschland“. Die Errichtung des von Lehmann geforderten zentralen Eingangsgebäudes, das nach den bisherigen Vorstellungen des Bundes erst nach Abschluss der Sanierung aller Altbauten erfolgen soll, unterstützte Neumann vehement: „Sie muss in Angriff genommen werden!“ Im übrigen würden „jährlich über 350 Millionen Euro aus meinem Haushalt für die Kultur der Hauptstadt“ bezahlt. Fazit: „Berlin kann sich also wirklich nicht beklagen!“

Das tat gewiss keiner der Festgäste, die sich im Zentralraum der „Basilika“ drängten. Zur Besichtigung standen ihnen 66 Säle mit 1700 Skulpturen und Kleinplastiken offen. 6600 Quadratmeter Ausstellungsfläche wollen erwandert werden. Das Bode-Museum beherbergt schließlich – wie Museumsgeneraldirektor Peter-Klaus Schuster betonte – die „größte Skulpturensammlung, die es überhaupt gibt“. Und weil sich die Bundespolitiker Lammert und Neumann so deutlich für die Vorhaben der Preußen-Stiftung ausgesprochen hatten, erhielten sie von Lehmann gleich die erste, noch namenlose Medaille „für besondere Verdienste um die Museumsinsel“.

Siehe auch Tagesspiegel-Beilage

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